Show Less
Open access

Der lange Schatten des ›Roten Oktober‹

Zur Relevanz und Rezeption sowjet-russischer Kunst, Kultur und Literatur in Österreich 1918–1938

Series:

Edited By Primus-Heinz Kucher and Rebecca Unterberger

Die Oktoberrevolution von 1917 und die Gründung der Sowjetunion zog politisch-ideologisch wie kulturell-künstlerisch im deutschsprachigen Raum hohe Aufmerksamkeit auf sich und polarisierte die intellektuelle Öffentlichkeit. Insbesondere in der Ersten Republik bzw. im ›Roten Wien‹ stießen manche ihrer Impulse auf Resonanz, andere auf dezidierte Zurückweisung. Auch im bürgerlichen Kunst- und Literaturbetrieb, zum Beispiel dem der Musik, des Theaters oder des Films wurden (sowjet)russische Entwicklungen wahrgenommen und diskutiert. Der Band widmet sich solchen Rezeptionsbeziehungen, arbeitet ihre zum Teil erstaunliche Resonanz heraus, verortet sie in zeittypischen Diskursen wie dem des Aktivismus, der Theater- und Musikavantgarde, aber auch, kontrastierend-komplementär, dem des zeitgenössischen Amerika-Diskurses.

Show Summary Details
Open access

Revolution und Literatur. Russland-Diskurse in der Zeitschrift Sowjet

Veronika Hofeneder

Revolution und Literatur. Russland-Diskurse in der Zeitschrift Sowjet

Abstract: Subject of this essay is the reconstruction of the communist propaganda magazine Sowjet (1919–22) and the participation of a famous author like Gina Kaus in its quite heterogeneous literary-feuilletonistic sections. Her unfinished novel Der Altar traces in this context interesting shifting processes from early radical positions to more moderate and more suitable strategies of political and cultural discussions.

Die Zeitschrift Sowjet erschien in vier Jahrgängen von Mai 1919 bis Dezember 1922 und war grundsätzlich als kommunistische Propagandaschrift konzipiert. Die ersten beiden Jahrgänge gab der Schriftsteller und Individualpsychologe Otto Kaus in der Wiener Verlagsgenossenschaft Neue Erde heraus;1 ab dem dritten Jahrgang, Mai 1921, fungierte Paul Levi als Herausgeber, der erst kurz zuvor wegen seiner scharfen öffentlichen Kritik an der KPD aus der Partei ausgeschlossen worden war.2 Von der damit einhergehenden programmatischen Neu-Justierung wird abschließend noch kurz die Rede sein. Die nachfolgenden Ausführungen konzentrieren sich nämlich vor allem auf den ersten Jahrgang, erschienen zwischen Mai 1919 und August 1920: auf jene Phase, in der die Zeitschrift Sowjet dem Selbstverständnis gemäß (auch) als Kulturzeitschrift einzuschätzen ist, die ihrem Leserkreis kulturelle Themen sowie Kunst und Literatur – auch in Form eigenständiger literarischer Beiträge – vermitteln wollte.3

In ihren Anfängen war die Zeitschrift im geistigen Umfeld des Verlagsunternehmens Neue Erde positioniert,4 dem wie vergleichbar auch der von unter ←351 | 352→anderen Hugo Sonnenschein und Franz Werfel gegründete Genossenschaftsverlag5 an der Sozialisierung von Literatur und Autorschaft gelegen war – in Opposition zu den die AutorInnen ‚ausbeutenden‘ und den Literaturbetrieb dominierenden Verlagen. Sowohl auf personeller Ebene als auch durch wechselseitige Inserate waren diese aufgrund der prekären wirtschaftlichen Lage unmittelbar nach Ende des Ersten Weltkriegs kurzlebigen Publikationsforen eng miteinander verbunden. Gedichte von Sonnenschein, Gründungsmitglied und Autor des Genossenschaftsverlags, erschienen so etwa auch im Sowjet, der wiederum Anzeigen für die Verlagsgenossenschaft Neue Erde abdruckte.6 Verbindungen gab es zudem zwischen dem Genossenschaftsverlag und dem Verlag Ed. Strache, in dessen Zeitschrift Blätter des Burgtheaters unter anderem Beiträge von Werfel und Gina Kaus, pseudonym unter dem Namen Andreas Eckbrecht, erschienen.7 Kaus publizierte daneben auch in der Berliner Zeitschrift Der Gegner aus dem Malik-Verlag,8 die im Sowjet inseriert wurde und ihrerseits Anzeigen für den Sowjet schaltete.

Politisch positionierte sich der Sowjet radikal-bolschewistisch und propagierte Klassenkampf, Revolution und die Diktatur des Proletariats. Berichte über (auch gescheiterte) Revolutionen und Räteregierungen nach russischem Vorbild in Ungarn, Finnland oder Bulgarien wurden als Lehrstücke zitiert. Dies entsprach der anarchistischen Propaganda; die Kenntnis historischer Geschehnisse und ihrer Zusammenhänge sollte letztlich zum Gelingen der Weltrevolution beitragen.9 Zudem wurde auf aktuelle politische Ereignisse und deren ←352 | 353→Auswirkungen auf Österreich und Deutschland Bezug genommen, wie zum Beispiel auf den Friedensvertrag von Versailles im Mai 1919 oder den Kapp-Putsch im März 1920; die zumeist gemäßigten sozialistischen Akteure, allen voran Otto Bauer und Karl Kautsky, wurden dabei ebenso wie deren Publikationsorgane – die Wiener Arbeiter-Zeitung zum Beispiel – scharf kritisiert.10

Der Sowjet berichtete daneben auch über kulturelle Ereignisse und stellte zudem Konzepte der Gesellschaftserneuerung mithilfe von Kunst und Literatur vor: Neben Gedichten oder Erzählungen wurden theoretische Texte veröffentlicht, die Zusammenhänge zwischen Kultur und Revolution erklären sollten oder das Thema „Neuer Mensch“ verhandelten. In den ersten Nummern fanden sich somit neben agitatorischen Appellen zum Klassenkampf, Berichten zur politischen Lage in Russland und zu den Folgen der Oktoberrevolution in Europa oder Essays zur kommunistischen Wirtschaftspolitik auch Gedichte und Erzählungen sowie Kritiken zu Theateraufführungen von Werken russischer Autoren. Als BeiträgerInnen fungierten SchriftstellerInnen und PolitikerInnen aus dem kommunistischen Umfeld wie zum Beispiel die deutsch-tschechischen Dichter Rudolf Fuchs und Hugo Sonnenschein, der französische Philosoph Georges Sorel, der französische Schriftsteller und Kommunist Henri Guilbeaux, der Psychoanalytiker Otto Gross, der Individualpsychologe und Kommunist Otto Kaus, die Schriftstellerin Gina Kaus, die sowjetische Volkskommissarin und Schriftstellerin Aleksandra Kollontaj, Maksim Gor’kij oder Vladimir Il’ič Lenin selbst.

Basierend auf den Überlegungen von Gerhart von Graevenitz, der Zeitschriften die „Spezialfunktion Überblick“11 zugesteht, und dem Konzept der Archivfunktion ←353 | 354→von Zeitschriften, das diese als komplexe Funktions- und Formenbündel mit medialer Eigenlogik begreift,12 ist auch die Zeitschrift Sowjet als Verhandlungsort, an dem unterschiedlichstes Wissen und differente Normen in verschiedensten Formen präsentiert werden, einzuschätzen. Diese Präsentationsformen umfassen sowohl bildliche Elemente wie Fotografien oder Zeichnungen als auch vielfältige Textsorten wie zum Beispiel Essays, Nachrichten, Notizen, Werbung oder literarische Texte. Indem die Textbeiträge eine große thematische beziehungsweise ideologische Diskrepanz aufweisen, können sie als durchaus charakteristisch für die zeitgenössische linke, insbesondere kommunistische, Bewegung in Österreich angesehen werden, die keineswegs eine einheitliche ideologische Ausrichtung zeigt.13 Vor allem durch literarische Texte, die streckenweise die zum Teil ausgesprochen radikale Programmatik der Zeitschrift unterwandern, bietet der Sowjet auch von der Blattlinie abweichenden Gegendiskursen Raum: Während in Essays über politische Entwicklungen und in Artikeln zur Lage des Kommunismus in europäischen Ländern Revolution und Diktatur des Proletariats gefordert werden, sprechen sie oftmals eine gemäßigtere Sprache und schlagen moderatere Entwürfe vor. So ist beispielsweise in der ersten Nummer ein Gedicht des tschechischen Schriftstellers Petr Bezruč zu finden, das mit seinem Revolutionspathos dem gewaltbereiten Duktus des aktuellen Heftes entspricht. Seiner ideologischen Disposition nach ist Bezruč selbst aber als anti-sowjetisch und damit als ein Gegenpol zur prinzipiell pro-sowjetischen Ausrichtung der Zeitschrift einzuschätzen. Gina Kaus’ Erzählung Der Altar erhebt zwar den Anspruch, erstmals bolschewistische Postulate auf literarischer Ebene umzusetzen,14 erfüllt dies aber nur sehr bedingt; der ersehnte Umsturz erfolgt im literarischen Kontext gewaltfrei und mit bürgerlich-kapitalistischen Mitteln.

Dieser Heterogenität verschiedener Russland-Diskurse beziehungsweise allgemeiner, der revolutionären Diskurse im ersten Jahrgang des Sowjet wird im Folgenden anhand dreier Syntagmen nachgespürt: zunächst anhand der Antithese von Intellekt und Gewalt, das heißt den Positionierungen zu bei revolutionären ←354 | 355→Umwälzungen anzuwendenden „Strategien“, dann dem hinter dem Revolutionsgedanken stehenden Ziel einer neuen Gesellschaftsordnung und schließlich der Rolle, die der Kultur und insbesondere der Literatur im revolutionären Prozess zukommen soll.

1 Intellekt und/oder Gewalt?

[D];ie kulturellen Aufgaben der kommunistischen Gesellschaft, die Methoden ihrer praktisch-ökonomischen Tätigkeit und ihre geistige und sittliche Bestimmung sind nicht mehr müssige [sic] Fragen vager Utopisten, deren Streben innerhalb der gegebenen Umwelt keinen Angriffspunkt findet und daher fernliegende Ziele sucht, sondern Probleme von höchster Aktualität, die eine Antwort heischen, bevor das Werden das Bewußtsein überrumple, und denen die lebendige Wirklichkeit reiche Quellen der Erkenntnis bietet. Die Revolution wird nur jene nicht unvorbereitet antreffen, deren Gewissen über den Tag der Revolution hinausgedrungen ist.15

Dies ist im ungezeichneten,16 vermutlich von Otto Kaus verfassten „Programm“ im ersten Heft des Sowjet zu lesen, in dem der intellektuelle Anspruch der Zeitschrift hervorgehoben wird. Die Aktionsprogrammatik der russischen Revolution beschwört der Herausgeber als zwar notwendige Voraussetzung (und lehrreichen Erfahrungsschatz) auf dem Weg hin zur „Befreiung der Menschheit aus wirtschaftlicher Not und seelischer Schmach“,17 allerdings „ist eine soziale Revolution ohne die Mitwirkung dieser fortgeschrittensten Hand- und Kopfarbeiter nicht denkbar“.18 Folglich wende sich die neu gegründete Zeitschrift nicht nur „an die Denkenden unter den Arbeitern, denen die Beziehung zur neuen Gesellschaft über die zufälligen Bestimmtheiten ihrer gegenwärtigen Lage nicht genügt“, sondern „an die Denkenden aller Kreise, denen kein Bangen um sinnliche Gewohnheiten und keine mittelbare oder äußere Abhängigkeit von der Tyrannei ihres Besitzes ihre Objektivität verwehrt“.19 Das Postulat nach Geist, Intellekt, Kultur und Bildung setzen auch die weiteren Beiträge dieses Heftes fort: Die Russen werden darin zwar als „Taktiker der revolutionären Aktion“ und „systematische Strategen der Massenaktion“20 gefeiert, letztendlich aber die ←355 | 356→Deutschen als die wahren Analytiker der kapitalistischen Entwicklungen sowie der wirtschaftlichen und kulturellen Voraussetzungen des Sozialismus definiert. In diesem Sinne wird auch die Leistung der russischen Literatur im Hinblick auf die Revolution festgestellt: Diese erfasse nämlich die historische Situation ausgehend „von der revolutionären, taktisch kontrollierten und organisierbaren Kampfbereitschaft des Proletariats“.21 Das restliche Drittel der ersten Nummer ist dann weitgehend den Themen Kultur und Literatur gewidmet; in den „Mitteilungen“, einer Art unregelmäßigen Rubrik, die sich auf aktuelle politische Ereignisse bezieht, wird die gemäßigte Haltung der österreichischen sozialdemokratischen Partei sowie deren Streik- und Umsturzfeindlichkeit kritisiert. Hier wird der moderne Arbeiter dezidiert nicht als ungebildet dargestellt, sondern als „ein hochentwickelter Zivilisationstypus, der sehr gut schreiben kann und in der Regel viel mehr Bücher gelesen hat, als ein Ministerpräsident oder gar ein Kaiser alter Fasson“.22 Auf diesen, gegen den legendär kaum als bibliophil bekannten Kaiser Franz Joseph I. zielenden Seitenhieb folgt die Ankündigung, dass in der nächsten Sowjet-Nummer der „erste bolschewikische Roman“23 veröffentlicht werde. Dieser wende sich dezidiert gegen den ästhetischen Dünkel und die geistige Orientierungslosigkeit eines bildungsverliebten Bürgertums und richte sich in der Tradition Émile Zolas aufklärerisch an ein sozialkritisches Lesepublikum. Im Gegensatz zu den derzeit die deutschsprachige Literatur beherrschenden Kolportage- und Provinzromanen solle dieser Roman in sachlichem Ton aktuelle Themen verhandeln und als „lebendige Kunst […] eine Agitation für die Zukunft“24 darstellen. Der hier als wegweisend angepriesene Roman erscheint dann allerdings erst ab dem fünften Heft des ersten Jahrgangs: Es handelt sich um die Erzählung Der Altar von Gina Kaus, gezeichnet mit dem Pseudonym Andreas Eckbrecht.

Kaus ist der Wiener Gesellschaft bisher vor allem als Adoptivtochter beziehungsweise Mätresse des Großindustriellen Josef Kranz bekannt, zugleich aber in der linken Intellektuellenszene aktiv; mit Otto Kaus unterhält sie bereits vor ihrer Heirat im August 1919 eine Liebesbeziehung. Diese skandalverdächtige Doppelrolle versucht Kaus mit der Verwendung eines Pseudonyms zu entschärfen: Zum einen will sie ihren spendablen Gönner Kranz durch ihre literarische Tätigkeit nicht kompromittieren, zum anderen kann sie ihre Kritik an politischen und sozialen Missständen glaubwürdiger formulieren, wenn diese nicht ←356 | 357→offenkundig aus der Feder einer von Geld und Luxus umgebenen Lebedame stammt.25

Nachweislich von Gina Kaus verfasst ist auch der in der ersten Sowjet-Nummer enthaltene Artikel „Zur moralischen Bilanz der Bourgeoisie“,26 in dem sie die moralischen Folgen der ökonomischen Ungleichheiten zwischen Bürgertum und Proletariat analysiert und sich zudem mit den unterschiedlichen Kunstauffassungen der sozialen Klassen auseinandersetzt: Das auf Genuss und Repräsentation hin ausgerichtete bürgerliche Kunstverständnis verurteilt sie – wenig überraschend wie der Blattlinie gemäß – radikal, und dementsprechend fällt auch ihre Kritik am gemäßigten Kurs der pazifistischen Sozialisten aus. Sie postuliert mit Lenin einen revolutionären Bolschewismus, da die Diktatur des Proletariats nicht nur die Klasse der Bourgeoisie, sondern auch deren Geist vernichte. Kaus greift zudem den oftmals an die bisherige sozialistische Literaturproduktion adressierten Vorwurf auf, diese übe zu wenig Kritik an den bestehenden sozialen, wirtschaftlichen und politischen Ordnungen und Theorien und gebe daher kein klares Bild vom tatsächlichen sozialistischen Leben wieder. In letzter Konsequenz ist der Artikel daher nicht nur als persönliche Abrechnung mit ←357 | 358→ihrem Adoptivvater, ehemaligen Liebhaber und Mäzen Josef Kranz, sondern vor allem auch als theoretisches Fundament für den Altar zu lesen, der ebenfalls das rein materielle, auf Repräsentation ausgerichtete Kunstverständnis des Bürgertums kritisiert.

Der in Kaus’ Beitrag offenbare gewaltbereite Anarchismus entspricht durchaus den übrigen Artikeln dieses Heftes und wird zudem in den beiden das Heft beschließenden Gedichten, Steinklopfer von Hugo Sonnenschein und Der Bergmann von Petr Bezruč, auf literarischer Ebene bestätigt. Sonnenscheins Steinklopfer – das Gedicht ist bereits 1910 als Slovakischer Steinklopfer im Lyrikband Ichgott, Massenrausch und Ohnmacht27 erschienen – arbeitet hart, kann aber trotzdem Frau und Kinder nicht hinreichend ernähren. Schuld an seinem Elend sind die Besitzenden der Gesellschaft, „die satten Mauscheljuden“, die „Großbürger und Pfaffen“.28 Eine direkte Aufforderung an den Geknechteten zu revolutionärem Aufbegehren ist die Folge:

Stehe doch auf, du Mann am Wege,

nimm den Hammer, wecke Grausen,

lass die wilden Hammerschläge

auf die Satten niedersausen!29

Angesichts der desaströsen sozialen Umstände bleibt als Perspektive nur die Gewaltanwendung als aufrührerische Geste.30 Auch das Gedicht des tschechischen Schriftstellers Bezruč, das bereits 1909 in der Sammlung seiner Slezské písně und in deutscher Übersetzung 1926 als eines der Schlesischen Lieder publiziert wurde, führt in das Milieu unterjochter Bergarbeiter.31 Die sozialrevolutionären Schlesischen Lieder entstanden bereits im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts und wurden während des Ersten Weltkriegs in Österreich verboten. Der Bergmann, den das Gedicht zwar nicht eindeutig, aber exemplarisch in den ehemals schlesischen (heute polnischen) Ortschaften Dombrau, Orlau, Poremba oder Lazy lokalisiert, sorgt sich nicht nur um die Ernährung und das Wohlergehen seiner Familie, sondern beklagt auch die harten und unwürdigen Arbeitsbedingungen:

←358 | 359→

in Galle und Essig ertrinken die Augen,

aus Adern und Scheitel raucht es in Schwaden.

Unter den Nägeln träuft rotes Blut.

Ich grabe dumpf in der Erde.32

Das Aufbegehren aus dieser konkret verorteten Perspektivlosigkeit manifestiert sich in Gewaltbereitschaft, die sich jedoch nicht wie bei Sonnenschein dezidiert gegen die Mächtigen wendet, sondern überhöht als prinzipielle Revolte dargestellt wird:

Wie wenn ich die verruchte Lampe im Stollen zerschmetterte,

den geknechteten Nacken weitauf emporreckte,

die Linke verkampfte, und dahin schreitend

im Halbkreis von Erden empor bis zum Himmel

den Hammer erhübe mit schrecklichen Augen

droben zur Sonne Gottes!33

Bemerkenswert in dieser ersten Nummer des Sowjet ist jedenfalls die hohe Konzentration an Texten verschiedenster Art, die Gewalt affirmieren und mitunter auch zu gewaltsamem Handeln aufrufen. Das entspricht nicht unbedingt dem zeitgenössischen deutschsprachigen anarchistischen Diskurs, der eher vom Tolstoj’schen Pazifismus beeinflusst ist. Dieser Gewaltaspekt ist vielmehr als in der Tradition der tschechischen Anarchisten stehend zu sehen, in deren Umfeld Sonnenschein und Bezruč aktiv waren und ihre Texte schrieben.34

2 Gesellschaftsutopie und Versöhnung

Die nächste Nummer des Sowjet spricht dann auch in ihrer Textauswahl eine deutlich gemäßigtere Sprache: Auf der ersten Doppelseite ist linkerhand ein Linoleumschnitt des Prager Malers Zdeněk Rykr abgedruckt, der auf grafischer Ebene in markanter Schwarz-Weiß-Zeichnung die „Proletarier aller Länder“ zur Versöhnung aufruft; rechterhand ist ein mit 21. Juli 1919 betiteltes Gedicht ←359 | 360→von Sonnenschein, das denselben Inhalt auf lyrischer Ebene kommuniziert, zu finden.35 Hintergrund dafür ist der Appell zahlreicher europäischer Arbeiterparteien, am 21. Juli 1919 Protestaktionen gegen die Versailler Friedensverträge zu organisieren und damit Unterstützung und Solidarität mit Sowjetrussland zu demonstrieren. Für den grenzüberschreitenden Versöhnungsaufruf wird bei Sonnenschein zwar auch die brachiale Metaphorik von Feuer und Blut bedient, bestimmend ist aber der Rückgriff auf grundlegende humanistische Werte:

Seid gut in dem Bewußtsein eurer Kraft und Sendung,

Seid Menschen und versöhnet euch.36

Die Folgen des Friedens von Versailles werden zudem in einem Artikel von Otto Kaus37 thematisiert, der der österreichischen Sozialdemokratie, insbesondere ihrer Führergestalt Otto Bauer, ein Erstarken der „Reaktion“ vorwirft; in Deutschland dahingegen habe die territoriale Neuaufteilung nach dem Ersten Weltkrieg zu einem Wiedererwachen der revolutionären Kräfte geführt. Zwar rechnet Kaus hiermit auf verbaler Ebene mit seinem Lieblingsfeind Bauer und mit dem gemäßigten Kurs der österreichischen Sozialdemokratie ab, tatsächliche Aufforderungen zu Gewalt und Revolution unterbleiben aber. Die österreichische Unlust zu organisiertem Streikverhalten kritisiert auch der Arbeiterrat Wilhelm Bass in seinem Bericht über Verhandlungen bezüglich Kollektivvertrag und Lohn im Gastgewerbe, der das laxe Engagement der Gewerkschaft sowie die Hetze in der sozialdemokratischen Arbeiter-Zeitung in dieser Sache beklagt.38

Die übrigen Beiträge des Heftes widmen sich dann weniger konkret-politischen Themen: So legt der Psychoanalytiker Otto Gross als Verfechter des Mutterrechts in der Tradition Johann Jakob Bachofens – laut Titel – „Die kommunistische Grundidee in der Paradiessymbolik“ dar. Gross setzt sich für die Freiheit und Gleichberechtigung der Frauen ein und befürwortet neue Beziehungsformen, frei von Zwang und Gewaltanwendung. Ehe und Familienbindung lehnt er als „Konsequenz des Sündenfalls39 ab, da diese auf der Unterwerfung ←360 | 361→und Vergewaltigung der Frau beruhen. Er sieht in der kommunistischen Revolution ein wirksames Werkzeug gegen die patriarchalische Gesellschaftsordnung. Frauenemanzipatorische Elemente des Kommunismus, insbesondere dessen Leistungen in den Bereichen des täglichen Lebens, wird auch die politisch aktive russische Schriftstellerin Aleksandra Kollontaj einige Hefte später im Sowjet ausführlich darlegen. In ihrem zweiteiligen Artikel „Die Familie und der kommunistische Staat“40 erläutert sie den historisch-kulturellen Wandel der Familie von der patriarchalischen Großfamilie bis hin zur Utopie der Arbeiterfamilie, in der sich beide Geschlechter, von staatlicher Seite unterstützt, die Aufgaben teilen. Im Arbeiterstaat können die Geschlechter einander gleichberechtigt begegnen, in der Kommune ist die Frau nicht mehr von einem Mann abhängig, sondern durch ihre Erwerbsarbeit autonom und nicht mehr an die Ehe als finanzielle Notwendigkeit und unauflösbare Gegebenheit gebunden.

Während Kollontaj ihre revolutionären Gesellschaftsentwürfe vor allem im Bereich der Gleichstellung von Frauen zum Teil auch tatsächlich umsetzen konnte – unter Lenin erwirkt sie, von November 1917 bis Oktober 1918 als Volkskommissarin für soziale Fürsorge, Reformen im Eherecht und Verbesserungen im Mutterschutz –, bleiben die sozialen Visionen von Gross reine Utopien. Seine radikalen Forderungen, gemäß derer der wahre Kommunist, versehen mit einer „revolutionären Menschheitsseele“,41 keinerlei Machtstrukturen anerkennen könne, verweisen auf eine transzendente Dimension des Kommunismus und dessen Erlösungsgedanken, den er im biblischen „Sündenfall“ im Buch Genesis begründet sieht:

Die Genesis verkündet den Eintritt dieser Erlösung durch eine innere Erhebung der Frau. Die Frau wird demselben bösen Prinzip den Kopf zertreten, durch welches einst die ungeheure Verirrung in die Welt gekommen ist: dem Machtprinzip in allen menschlichen Beziehungen zum Gleichgewicht des ewigen Ringens um Macht, zur kalten Ruhe von Recht und Pflicht erstarrt, dem unfruchtbaren Prinzip der Autorität.42

Die Bezugnahme auf das Christentum findet sich auch in Lev Tolstojs Perspektive auf den Kommunismus, der sein Verständnis eines Lebens in Liebe und Gerechtigkeit allerdings aus der Bergpredigt im Neuen Testament herleitet. Er ←361 | 362→versteht den Kommunismus als die einzige Voraussetzung zu einem gerechten Leben für alle Menschen, da hier das Postulat der Nächstenliebe in Idealform umgesetzt sei.43

Diese Überzeugung ist auch in Tolstojs Drama Und das Licht scheinet in der Finsternis zentral, dessen Protagonist, der Armut suchende Gutsherr Nikolai Michelajewitsch Sarynzew, als autobiographisch inspiriertes Selbstporträt des Dichters gilt. In der Rolle des Gutsherrn gastierte der zeitgenössische Schauspielstar Alexander Moissi im Mai 1919 an der Neuen Wiener Bühne. Die im Sowjet mit „A.E.“ gezeichnete Kritik dieser Theateraufführung ist aller Wahrscheinlichkeit nach Gina Kaus zuzuordnen, die das Stück als „erschütternde[n]; Aufruf zum Kommunismus“ feiert.44 Tolstojs Überzeugung von der Notwendigkeit der „Befreiung der höheren Klassen aus geistiger Not“45 wird als Aufforderung zum Sturz des kapitalistischen Systems wiedergegeben. Dieses solle aber, anders als in den Gedichten von Sonnenschein oder Bezruč, nicht durch den Hass oder Selbsterlösungswillen der Unterdrückten gestürzt werden, sondern durch das Bedürfnis der Besitzenden nach Liebe und (sozialer) Gerechtigkeit. Die Erkenntnis, dass das eigene Wohlergehen auf der Benachteiligung und Unterdrückung anderer beruhe, werde durch Medien wie das Theater befördert, die ihr (bürgerliches) Publikum zur Reflexion und zum Hinterfragen von Gesellschaftsordnungen bringen; das sei der Wiener Aufführung nicht zuletzt durch die überzeugende Darstellung von Moissi gelungen.46

Den Diskurs über Christentum und Kommunismus setzt auch das unmittelbar auf die Theaterkritik nachfolgende Gedicht von Rudolf Fuchs fort. Fuchs, Mitglied des Prager Kreises um Max Brod, Franz Kafka und Franz Werfel, hat ←362 | 363→sich vor allem als Übersetzer der Gedichte seines tschechischen Landsmannes Bezruč einen Namen gemacht, ist jedoch auch mit eigenen Werken in Erscheinung getreten. Sein in jener Nummer des Sowjet abgedrucktes Gedicht Drohnenschlacht verhandelt die Aufforderung zur Revolution mittels der Metapher der Bienenmännchen, die als faule Nutznießer fremder Arbeit für die besitzende Klasse stehen. Der Titel verweist auf die alljährlich von den Arbeitsbienen vollzogene Vertreibung der Drohnen aus dem Bienenstock, die nach der Begattung der Königin nicht mehr benötigt werden.47 Das Gedicht endet im die christliche Symbolik aufgreifenden und damit wieder auf Tolstoj verweisenden Bild der besitzenden Klasse, die zuerst fallen müsse, um dadurch ihre geistige Erhöhung zu erwirken:

Das müssige [sic] Geschlecht in unseren Ständen,

das aller Werk verschleudert und verrät,

die Prasser, die uns vor dem Himmel schänden,

hinweg damit aus unsern Wänden –

Sie sollen enden! Denn ihr Fall erhöht.48

3 Kultur und Literatur

Ein ebenfalls in Debatten zu Tolstoj stets wiederkehrendes Thema, nämlich das Verhältnis des Volkes zu Kunst und Kultur, kann durchaus als Leitthema der ersten Nummern des Sowjet bezeichnet werden. In ihrer Theaterkritik zollt Gina Kaus Tolstoj dafür Bewunderung, dass er als gefeierter Dichter die alltägliche Arbeit des Bauern „höher wertet als Philosophie und Dichtkunst“49 und diesem daher auch den Zugang zu den höchsten Freuden des Lebens, der Beschäftigung mit Kunst und Wissenschaft, ermöglichen möchte. Der Stellenwert der kulturellen Bildung der Massen wird dann nochmals in Textfragmenten über ←363 | 364→„Revolution und Kultur“50 von Maksim Gor’kij verhandelt. Diese Bemerkungen sind in der dritten Sowjet-Nummer abgedruckt, einem Heft, das ansonsten mit Berichten von Politikern und Theoretikern aus dem Umfeld Lenins einen wirtschaftspolitischen Schwerpunkt mit Fokus auf Sowjetrussland setzt.51 Gor’kij fordert für die Zeit nach der Revolution die sofortige Entfaltung kultureller Tätigkeiten, um dem Volk Lebensfähigkeit und -sinn zu geben.52 Konkret wird Gina Kaus eine dieser kulturellen Aktivitäten dann in den „Mitteilungen“53 im vierten Sowjet-Heft benennen. Sie bezieht sich in ihrem Text auf einen Artikel von Otto König über Hedwig Courths-Maler, der kurz zuvor in der Arbeiter-Zeitung erschienen ist,54 und formuliert Forderungen nach einer massentauglichen und -verständlichen Literatur, die das wirkliche Leben abbilden und keine schöngefärbten Roman- oder realitätsferne Seelenwelten konstruieren solle. Insbesondere kritisiert Kaus die Form und die großbürgerliche Sprache dieser vor allem auf Unterhaltung abzielenden Romane.

Ihre poetologischen Forderungen versucht Kaus dann in ihrer Erzählung Der Altar, die in drei Folgen von November 1919 bis Februar 1920 im Sowjet erscheint,55 umzusetzen. Neben der Darstellung der Alltags- und Arbeitswelt der Proletarier sowie der Kritik am bürgerlichen Kunstverständnis werden in der Erzählung auch fundamentale Marxismus-Diskurse verhandelt, wie der Wert der Arbeit und sich daraus ergebende Machtverhältnisse, die auch im erweiterten Zeitschriftenkontext thematisiert werden: So eröffnet das siebente Heft des Sowjet, in dem die letzte Fortsetzung des Altar erscheint, ein Artikel des schwedischen Politikers und Mitbegründers der kommunistischen Bewegung in Schweden Fredrik Ström über „Weltrevolution und Welterbe“, der „die Arbeit als ←364 | 365→das höchste, die Quelle der Kultur und des Reichtums“56 feiert und den sozialpolitischen Machtanspruch des Arbeiters betont. Und der deutsche Kommunist Josef Eisenberger leitet in seinem Artikel über „Die Wirtschaftspolitik der russischen Kommunisten“ aus dem Schaffen der Arbeiter ihren Besitzanspruch an den Fabriken und Bodenschätzen ab, was beinahe wörtlich mit der Forderung von Kaus’ proletarischem Protagonisten korreliert, den Fabrikarbeitern die Fabrik zu schenken.57

Kaus’ Protagonist Alois ist der uneheliche Sohn des Fabrikanten Ferdinand Kühnes, der seinen Reichtum durch die Ausbeutung bosnischer Arbeiter begründet hat, und des Bauernmädchens Johanna, die am Bau einer der Fabriken Kühnes ihren ärmlichen Lebensunterhalt verdient. Der aufgeweckte Alois wächst im idealistisch-naiven Glauben an ein glückliches Arbeiterleben heran und steht der Unzufriedenheit der älteren Fabrikarbeiter zunächst verständnislos gegenüber. Die Welt außerhalb der Fabrikmauern ist ihm fremd, seinen Vater imaginiert er „als den allerkräftigsten, allertüchtigsten Arbeiter, den es gab“.58 Als Zwölfjähriger verlässt er die Schule und tritt ebenfalls in die Fabrik ein, um Geld zu verdienen. Erste Zweifel in seiner Weltanschauung überkommen ihn bei einer Besichtigung der Fabrik durch Kühne: Alois’ Vorstellung von seinem Vater als dem ersten Arbeiter der Fabrik wird durch dessen schwächliche und verweichlichte Erscheinung bitter enttäuscht. Bei einer Unterredung mit Kühne macht Alois diesem den Vorschlag, den Arbeitern die Fabrik als Geschenk zu überlassen. Kühne dagegen schlägt Alois vor, ein Studium der Nationalökonomie zu absolvieren, um dann gemeinsam Reformen für die Verbesserung der Situation der Arbeiter durchzuführen. Beim Verlassen des väterlichen Hauses fällt Alois vor einem Altar von Riemenschneider auf die Knie – zur großen Verwunderung des Fabrikantenehepaars, für das der Altar vor allem ein Kunstgegenstand zu Repräsentations- und nicht zu Gebetszwecken ist. Die Wandlung folgt nun etwas abrupt: Desillusioniert fasst Alois den Beschluss, mithilfe des Geldes seines Vaters ein Studium zu absolvieren, um seine Reformpläne eines Tages umsetzen zu können, doch gleichzeitig weiß er, dass er sich von seinen idealistischen Vorstellungen einer sozial gerechten Welt verabschieden muss.

←365 | 366→

Obgleich kommunistischem Gedankengut verpflichtet, verzichtet Kaus hier auf extreme politische Positionierungen und erteilt mit dem Ende ihrer Erzählung radikalen Ideologien eine klare Absage: Der Proletarier Alois wird wohl als „neuer Mensch“, der mit Freude seiner Arbeit zum Nutzen der Allgemeinheit nachgeht, eingeführt, wendet sich allerdings durch den Kontakt mit der kapitalistischen Welt bürgerlichen Wertvorstellungen zu. Er erkennt, dass er seine reformistischen Ideen als einfacher Arbeiter nicht umsetzen kann. Kaus positioniert sich mit dieser Entschärfung politisch in der Nähe der gemäßigteren Sozialdemokraten, die durch Sozialgesetze und Reformbestrebungen die revolutionäre Stimmung in der Arbeiterschaft nach 1918 zu beruhigen suchen59 und die deshalb in den ersten Sowjet-Nummern Ziel heftiger verbaler Attacken gewesen sind.

Gina Kaus, die in ihren früheren Essays noch die bedingungslose Revolution mit der anschließenden Diktatur des Proletariats postulierte, steht diesen radikalen Positionen auf literarischer Ebene nunmehr reserviert gegenüber. Kritik an Kapitalismus und Bürgertum formuliert sie anhand der Figur des Fabrikanten Kühne, der als typischer Bourgeois gezeichnet ist: Immer auf seinen geschäftlichen Vorteil bedacht, weiß er die Politiker zu beeinflussen und die bestehenden Gesetze zu seinen Gunsten auszulegen. Seine Sozialreformen entspringen keineswegs sozialem Interesse, sondern dienen ausschließlich der Profit-Maximierung: Die Kinderarbeit etwa lehnt er ab, weil die Jugend dadurch in ihrer Entwicklung zurückbleibe und später ein leistungsschwaches Proletariat abgebe.60 Kühne kann außerdem als literarisches Porträt von Gina Kaus’ Adoptivvater und Gönner Josef Kranz gelten. Beide sind durch die industrielle Ausbeutung Bosniens reich geworden und treten als Kunstsammler mit einem philiströsen Kunstverständnis auf.61 Das Kunstinteresse des Fabrikantenehepaars ist rein materiell motiviert, der Ankauf des Altars von Riemenschneider ←366 | 367→dient ausschließlich der sozialen Anerkennung und der Stärkung der eigenen Machtposition: „Kühne genoß, während er mit den beiden Herren sein Bureau verließ, bereits im Geiste den verständnislosen Respekt seiner neuen Geschäftsfreunde für seine großzügige Kunstbeflissenheit. ‚Sie haben gesehen, wie ich verdiene‘, dachte er, ‚nun sollen sie sehen, wie ich ausgebe.‘ “62 Kühne erscheint als Inkarnation des von Kaus in ihrem früheren Essay „Zur moralischen Bilanz der Bourgeoisie“ diskreditierten „Kunsthüter[s];“ im Sinne eines „Museumsgendarmen“,63 als dessen schlimmste Ausgeburt sie den Mäzen nennt, der sich mit seinem rein materiell motivierten Kunstinteresse nicht als Kunstkenner, sondern als vermögender Mann entlarvt.

4 Politik und Konsequenzen

Was sich in den ersten Abdrucken literarischer Texte im Sowjet schon abzeichnet, nämlich die vorsichtige Unterwanderung der anfänglich radikalen Programmatik der Zeitschrift, findet mit der Publikation der Erzählung Der Altar von Gina Kaus einen Höhepunkt und ein vorläufiges Ende.64 Die Verabschiedung ultralinker Ideologien und das Eintreten für gemäßigtere Strategien zur Erlangung der sozialen und politischen Neuordnung spiegeln auch durchaus Entwicklungen in der kommunistischen Bewegung in Österreich wider, die durch ideologische Fraktionskämpfe in zahlreiche Splittergruppen zerfallen war. Die Proklamation dieser moderateren Revolutionsforderungen übernimmt in der Zeitschrift die Literatur, der unter der Herausgeberschaft von Otto Kaus im ersten Jahrgang neben Texten zu politischen und wirtschaftlichen Themen eine gleichberechtigte Rolle eingeräumt wird. Davon zeugen regelmäßige Abdrucke literarischer Texte ebenso wie die Fülle an theoretischen Texten, die den sozialpolitischen Stellenwert von Literatur und Kultur verhandeln und damit den Sowjet in seinen Anfängen als Kulturzeitschrift positionieren.

Mit der Übernahme der Herausgeberschaft im Mai 1921 durch den kurz zuvor aus der KPD ausgeschlossenen Paul Levi ändert sich die programmatische Ausrichtung der Zeitschrift wesentlich; diese wendet sich nun kritisch gegen die ←367 | 368→kommunistische Partei. Der Sowjet behandelt kaum mehr kultur- und sozialpolitische Themen65 und zeigt sich nun primär politisch ausgerichtet. So müssen alle Artikel der Hefte sechs und sieben des dritten Jahrgangs, die den III. Kongress der Internationale kommentieren, bis auf Levis Beiträge anonym erscheinen, da „[d];er Kongreß der Kommunistischen Internationale […] so wie die Zentrale der VKPD. den großen Bann über unsere Zeitschrift verhängt [hat]. Wir sind aber der Meinung, daß die Resultate des Kongresses in vollständiger Freiheit besprochen werden müssen.66 Die programmatische Neuausrichtung kommt auch durch Abänderungen des Zeitschriftentitels zum Ausdruck: Ab der fünften Nummer des dritten Jahrgangs (Juli 1921) erscheint die Zeitschrift unter dem Titel Unser Weg. Zeitschrift für kommunistische Politik,67 ab der siebenten Nummer des vierten Jahrgangs (10. April 1922) wird der Untertitel nochmals abgeändert zu Halbmonatsschrift für sozialistische Politik. Die letzte Nummer der Zeitschrift erscheint denn am 10. Dezember 1922: Sie muss wie viele andere Presseerzeugnisse dieser Zeit wegen der stetig ansteigenden Papierpreise eingestellt werden.

←368 | 369→

1 Der zweite Jahrgang (September 1920 – Februar 1921) erscheint dann im Berliner A. Seehof Verlag.

2 Vgl. Hermann Weber/Andreas Herbst: Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945. Berlin: Karl Dietz 2004, S. 452f., hier S. 452.

3 Zu den Spezifika von Kulturzeitschriften vgl. Gustav Frank, Madleen Podewski, Stefan Scherer: Kultur – Zeit – Schrift. Literatur- und Kulturzeitschriften als „kleine Archive“. In: IASL, H. 2/2010, S. 1–45, bs. S. 16–34; Georg Jäger: Zeitschriften. In: Georg Jäger (Hg.): Geschichte des deutschen Buchhandels im 19. und 20. Jahrhundert. Bd. 1: Das Kaiserreich 1871–1918. Teil 2. Frankfurt a.M.: De Gruyter 2003, S. 368–522.

4 Vgl. Murray G. Hall: Österreichische Verlagsgeschichte 1918–1938. Bd. 2: Belletristische Verlage der Ersten Republik. Wien u.a.: Böhlau 1985, S. 159; Hildegard Atzinger: Gina Kaus: Schriftstellerin und Öffentlichkeit. Zur Stellung einer Schriftstellerin in der literarischen Öffentlichkeit der Zwischenkriegszeit in Österreich und Deutschland. Frankfurt a.M.: Peter Lang 2008, S. 159–161.

5 Weitere Gründungsmitglieder waren Alfred Adler, Albert Ehrenstein, Fritz Lampl und Jakob Moreno Levy (vgl. Hall, Verlagsgeschichte, S. 152f.).

6 Etwa in den Heften zehn und elf von 1920.

7 Andreas Eckbrecht [d.i. Gina Kaus]: Figaro und Revolution. In: Blätter des Burgtheaters, H. 2/1919, S. 22–25.

8 Vgl. Gina Kaus: Ueber den Kritiker. In: Der Gegner, H. 3/1920–21, S. 71–80; dies.: Ueber Bauernromane. In: Der Gegner, H. 2/1922, S. 55–58.

9 S. folgende Beiträge: Larin: Die Wirtschaftspolitik der Sowjetmacht. In: Sowjet, H. 3/1919, S. 10–17; A. Lomow: Ein Jahr proletarischer Diktatur und Volkswirtschaft. In: ebd., S. 18–23; N. Bucharin: Der Klassenkampf und die Revolution in Rußland. In: Sowjet, H. 3/1919, S. 27–51, und H. 4/1919, S. 31–54; Semper Frey: Koltschak. Eine sibirische Monographie. In: Sowjet, H. 4/1919, S. 1–14; M.L.: Ungarn. In: ebd., S. 14–29; Z–r.: Die Klassenkämpfe in Finnland 1917/18. In: Sowjet, H. 5/1919, S. 5–21; Jacques Sadoul: Tagebuch der bolschewikischen Revolution. In: Sowjet, H. 6/1919, S. 1–22; J.E. Jotte: Blockadeschwund, Konsumgenossenschaften und russischer Außenhandel. In: Sowjet, H. 7/1920, S. 22–28; Guilbeaux Henry: Wie und warum ich nach Sowjetrußland gekommen bin. In: ebd., S. 29–34; Hermann Stursa: Die kommunistische Bewegung in der Tschechoslowakei. In: Sowjet, H. 8–9/1920, S. 32–42; N.N.: Bericht über die Lage in Bulgarien und über die Tätigkeit der bulgarischen kommunistischen Partei. In: Sowjet, H. 10–11/1920, S. 1–32; J[osef] Eisenberger: Die Wirtschaftspolitik der russischen Kommunisten. In: ebd., S. 33–45.

10 Vgl. folgende Beiträge: Otto Kaus: Deutsch-Österreichische Reaktion. In: Sowjet, H. 2/1919, S. 4–12; Wilhelm Bass: Die Lohnbewegung der gastgewerblichen Arbeiter. In: ebd., S. 27–34; N.N.: Mitteilungen. In: ebd., S. 44–46; Otto Kaus: Die Zukunft. In: Sowjet, H. 3/1919, S. 1–10; Alexandra Müller: Die Spaltung in der Kommunistischen Partei Deutschlands. In: Sowjet, H. 6/1919, S. 22–30; N. Lenin: Die Helden der Berner Internationale. In: ebd., S. 30–41; Otto Kaus: Kapp-Putsch. Parlamentarismus. Bürgerlicher Staat. In: ebd., H. 8–9/1920, S. 1–28; Alexandra Müller: Bilanz des Putsches. Ebd., S. 28–32.

11 Gerhart von Graevenitz: Memoria und Realismus. Erzählende Literatur in der deutschen „Bildungspresse“ des 19. Jahrhunderts. In: Anselm Haverkamp/Renate Lachmann (Hgg): Memoria. Vergessen und Erinnern. München: Fink 1993, S. 283–304, zit. S. 286.

12 Vgl. Frank u.a., Kultur, bs. S. 41–45; Madleen Podewski: Komplexe Medienordnungen: Zur Rolle der Literatur in der deutsch-jüdischen Zeitschrift „Ost und West“ (1901–1923). Bielefeld: Transcript 2014, S. 7–29.

13 Vgl. Herbert Steiner: Die Kommunistische Partei. In: Erika Weinzierl/Kurt Skalnik (Hgg.): Österreich 1918–1938. Geschichte der Ersten Republik. Bd. 1. Graz u.a.: Styria 1983, S. 317–329.

14 Vgl. N.N.: Mitteilungen. In: Sowjet, H. 1/1919, S. 66–72.

15 N.N.: Programm. In: Sowjet, H. 1/1919, S. 1–14, zit. S. 1f.

16 Mit Ausnahme der beiden Gedichtabdrucke von Bezruč und Sonnenschein erscheinen alle Beiträge der ersten Sowjet-Nummer anonym.

17 N.N.: Programm. In: Sowjet, H. 1/1919, S. 1.

18 Ebd., S. 11.

19 Ebd., S. 12.

20 N.N.: Marxdämmerung? In: Sowjet, H. 1/1919, S. 28–51, zit. S. 45 [Hervorhebung im Original].

21 Ebd., S. 48.

22 N.N.: Mitteilungen. In: Sowjet, H. 1/1919, S. 60–72, zit. S. 63.

23 Ebd., S. 66.

24 Ebd., S. 72.

25 Eingeweihte Zeitgenossen sparten natürlich nicht mit Kritik; so notierte etwa Arthur Schnitzler über ihr sozialkritisches Theaterstück Diebe im Haus am 15.10.1919 in sein Tagebuch: „General Pr. Schloßtheater Eckbrecht (Gina Kranz) ‚Diebe im Haus‘; nicht ganz ohne Begabung, aber verlogen bis ins Mark, sowohl in der Gesinnung als in der Diction. (Communistische Millionärin.) Der Geist von Blei.“ (Arthur Schnitzler: Tagebuch 1917–1919. Wien: Verlag der ÖAW 1985, S. 298). Und Wilhelm Reich moniert in seiner Autobiographie Gina Kaus’ Weigerung, einem ungarischen Studentenflüchtling einen ihrer drei Pelzmäntel abzugeben: „Ich lehne die Konsequenz eines geistig revolutionären Schwachsinns ab. Otto Kaus hält Vorträge über materialistische Geschichtsauffassung im Volksbildungsheim; er und seine Frau sind Kommunisten. Umansky ist Referent für Kunst der Sowjetrepublik in Wien. Nach einem Vortrag bittet Umansky Gina Kaus, die einen feinen Hut und Pelzmantel trägt, um einen Mantel für eine ungarische Studentin, die nach dem Sturz der Räterepublik nach Wien flüchtete. Sie gesteht ein, drei zu besitzen, aber leider, sie könne nicht, aus diesem und jenem Grunde! Wenn mich damals die Lust anwandelte, sie anzuspeien, so nicht deshalb, weil sie den Mantel nicht hergeben wollte, sondern wegen des kommunistisch-altruistischen – Gleichheit – Freiheit – Brüderlichkeit postulierenden fünfzackigen Lügensterns, den sie trug.“ (Wilhelm Reich: Leidenschaft der Jugend. Eine Autobiographie 1897–1922. Köln: Kiepenheuer & Witsch 1994, S. 193f.)

26 Vgl. N.N. [d.i. Gina Kaus]: Zur moralischen Bilanz der Bourgeoisie. In: Sowjet, H. 1/1919, S. 51–60, hier S. 53. Zum Bekenntnis ihrer Autorschaft s. Gina Kaus: Von Wien nach Hollywood. Erinnerungen von Gina Kaus. Hg. v. Sibylle Mulot. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1990, S. 72.

27 Hugo Sonnenschein: Ichgott, Massenrausch und Ohnmacht. Die Utopie des Herostrat. Ein Akt. Paris–Wien: Verlag der freien Gemeinschaft Utopia 1910, S. 142.

28 Ders.: Steinklopfer. In: Sowjet, H. 1/1919, S. 72.

29 Ebd.

30 Vgl. Dieter Wilde: Der Aspekt des Politischen in der frühen Lyrik Hugo Sonnenscheins. Frankfurt a.M. u.a.: Peter Lang 2002, S. 91.

31 Vgl. Petr Bezruč: Lieder eines schlesischen Bergmanns. Zweiter Band der Schlesischen Lieder. Übersetzt von Rudolf Fuchs. München: Kurt Wolff 1926, S. 50–52.

32 Petr Bezruč: Der Bergmann. In: Sowjet, H. 1/1919, S. 72f., zit. S. 72.

33 Ebd., S. 73.

34 Vgl. Gerhard Botz, Gerfried Brandstetter, Michael Pollak: Im Schatten der Arbeiterbewegung. Zur Geschichte des Anarchismus in Österreich und Deutschland. Wien: Europa-Verlag 1977, S. 29–97; Wilde, Sonnenschein, S. 260–287. Vgl. auch den Artikel von Hermann Stursa über die kommunistische Bewegung in der Tschechoslowakei, der Sonnenschein als einen Herausgeber der Wochenschrift Červen, „des einzigen konsequent kommunistischen Organs in tschechischer Sprache“, nennt (Stursa, Bewegung, S. 41).

35 Es wurde bereits in der tschechischen kommunistischen Zeitschrift Červen publiziert und später mit leicht verändertem Text als Feierabend in: Hugo Sonnenschein: Aufruhr und Macht zu Freiheit. Wien: Verlag der Arbeiter-Buchhandlung 1921, S. 28f.

36 Ders.: 21. Juli 1919. In: Sowjet, H. 2/1919, S. 72.

37 Otto Kaus: Deutsch-Österreichische Reaktion. In: ebd., S. 4–12.

38 Vgl. Wilhelm Bass: Die Lohnbewegung der gastgewerblichen Arbeiter. In: Sowjet, H. 2/1919, S. 27–34.

39 Otto Groß [d.i. Otto Gross]: Die kommunistische Grundidee in der Paradiessymbolik. In: ebd., S. 12–27, zit. S. 16. Fettdruck im Original.

40 Alexandra Kollontay: Die Familie und der kommunistische Staat. In: Sowjet, H. 8–9/1920, S. 43–52, und H. 10–11/1920, S. 45–50.

41 Otto Groß [d.i. Otto Gross]: Orientierung der Geistigen. In: Sowjet, H. 5/1919, S. 1–5, zit. S. 3.

42 Ders.: Die kommunistische Grundidee in der Paradiessymbolik. In: Sowjet, H. 2/1919, S. 12–27, zit. S. 25.

43 Vgl. A.E. [d.i. Gina Kaus]: Tolstoi: „Und das Licht scheinet in der Finsternis“. In: ebd., S. 34–43, bs. S. 35.

44 Ebd.

45 Ebd., S. 36.

46 Etwas weniger euphorisch bewerten die gängigen Wiener Tageszeitungen die Aufführung. Während sich die Rezensenten in Arbeiter-Zeitung, Neues Wiener Tagblatt, Reichspost und Wiener Zeitung über Moissis darstellerische Leistung weitgehend einig begeistert zeigen, wird Tolstojs dramatische Leistung kontroversieller beurteilt. So wird im Neuen Wiener Tagblatt das Stück als dramaturgisch wenig gelungen und nicht sonderlich tief greifend kritisiert, die konservative Reichspost beanstandet besonders die poetische Verklärung und das gefährliche Verführungsmoment des politisch hochbrisanten Bolschewismus-Themas durch Tolstoj (vgl. N.N., in: Arbeiter-Zeitung (21.5.1919), S. 6; m.b., in: Neues Wiener Tagblatt (20.5.1919), S. 13; Marco Brociner, in: Neues Wiener Tagblatt (22.5.1919), S. 12f.; B., in: Reichspost (20.5.1919), S. 7f.; –f., in: Wiener Zeitung Abendausgabe (Wiener Abendpost) (20.5.1919), S. 4).

47 Vgl. Ralph Dutli: Das Lied vom Honig. Eine Kulturgeschichte der Biene. Göttingen: Wallstein 2012, S. 16.

48 Rudolf Fuchs: Drohnenschlacht. In: Sowjet, H. 2/1919, S. 43f., zit. S. 43. Weitere Übersteigerungen des Revolutionären ins Religiöse finden sich auch wieder in den im vierten Heft abgedruckten Gedichten von Sonnenschein (Weltherbst 1919, Versöhnung und Oh, Wahrheit), der sich als Bruder Sonka zum Heilsverkünder stilisierte, sowie in jenen von Rudolf Hartig im letzten Heft des ersten Jahrgangs (Allmächtig entsteigt bald allen Herzen der gute Prophet …, Gott wird euch fragen …; vgl. Hugo Sonnenschein: Drei Gedichte. In: Sowjet, H. 4/1919, S. 29–31; Rudolf Hartig: Gedichte. In: Sowjet, H. 10–11/1920, S. 51–53).

49 A.E. [d.i. Gina Kaus]: Tolstoi: „Und das Licht scheinet in der Finsternis“. In: ebd., S. 34–43, zit. S. 37.

50 Diese stammen aus dem Buch Unzeitgemäße Gedanken über Revolution und Kultur, das Gor’kijs Aufsätze aus der Tageszeitung Nowaja Žizn zwischen 1917 und 1918 versammelt.

51 Vgl. z.B. Larin: Die Wirtschaftspolitik der Sowjetmacht. In: Sowjet, H. 3/1919, S. 10–17; A. Lomow: Ein Jahr proletarischer Diktatur und Volkswirtschaft. In: ebd., S. 18–23; N. Bucharin: Der Klassenkampf und die Revolution in Rußland. In: Sowjet, H. 3/1919, S. 27–51, und H. 4/1919, S. 31–54.

52 Vgl. Maxim Gorkij: Revolution und Kultur. In: Sowjet, H. 3/1919, S. 23–25, hier S. 23.

53 A.E. [d.i. Gina Kaus]: Mitteilungen. In: Sowjet, H. 4/1919, S. 54–56.

54 Vgl. Otto König: Der Courths-Maler Roman. In: Arbeiter-Zeitung (28.9.1919), S. 2–4.

55 Vgl. Andreas Eckbrecht [d.i. Gina Kaus]: Der Altar. In: Sowjet, H. 5/1919, S. 23–40, H. 6/1919, S. 43–54, und H. 7/1920, S. 36–46. Ausführlicher zum Altar vgl. Veronika Hofeneder: Der produktive Kosmos der Gina Kaus. Schriftstellerin – Pädagogin – Revolutionärin. Hildesheim: Olms 2013, S. 159f.

56 Fredrik Ström: Weltrevolution oder Weltreaktion. In: Sowjet, H. 7/1920, S. 1–22, zit. S. 12.

57 J[osef] Eisenberger: Die Wirtschaftspolitik der russischen Kommunisten. In: Sowjet, H. 10–11/1920, S. 33–45.

58 Andreas Eckbrecht [d.i. Gina Kaus]: Der Altar. In: Sowjet, H. 5/1919, S. 23–40, zit. S. 29.

59 Vgl. Ernst Bruckmüller: Sozialstruktur und Sozialpolitik. In: Weinzierl/Skalnik, Österreich 1918–1938, S. 420–425; Ernst Hanisch: Der lange Schatten des Staates. Österreichische Gesellschaftsgeschichte im 20. Jahrhundert [1994]. Wien: Ueberreuter 2005, S. 275f.

60 Vgl. Beate Berkel: Gina Kaus. Frühe publizistische Arbeiten. Diplomarbeit Univ. Münster 1988, Ts., S. 20f.

61 In ihrer Autobiographie kritisiert Kaus Kranz’ egozentrisches Verständnis als Kunstmäzen, der einerseits aus Eitelkeit und dem Prestige als Literaturförderer eine zeitgenössische Zeitschrift finanziere, die seinen politischen Anschauungen widerspreche, andererseits aber keine modernen Maler unterstütze, weil deren Bilder nicht seinen Geschmack träfen (vgl. Kaus, Von Wien, S. 41).

62 Andreas Eckbrecht [d.i. Gina Kaus]: Der Altar. In: Sowjet, H. 6/1919, S. 43–54, zit. S. 44.

63 N.N. [d.i. Gina Kaus]: Zur moralischen Bilanz der Bourgeoisie. In: Sowjet, H. 1/1919, S. 51–60, zit. S. 57.

64 Danach sind nur noch zwei vereinzelte Abdrucke von lyrischen Texten zu verzeichnen; dabei handelt es sich um Gedichte von Rudolf Hartig (H. 10.11.1920) und Bruno Schönlank (H. 3/1920).

65 So enthält beispielsweise das erste Heft des zweiten Jahrganges folgende Beiträge: Henriette Roland-Holst: Kommunismus und Zivilisation, S. 1–8; Otto Kaus: Die österreichischen Kommunisten und die Wahlen, S. 8–21; Paul Frölich: Die Wurzeln des U.S.P.-Pazifismus, S. 22–32; Spectator: Die Wirtschaftslage in Sowjet-Rußland, S. 32–43; G. Sinowjew: Wann und unter welchen Umständen dürfen Arbeitersowjets geschaffen werden, S. 43–45; A. Maslow: Bücherschau [N. Lenin: Der Radikalismus, die Kinderkrankheit des Kommunismus, Frankes Verlag 1920; M. J. Braun: Die Lehren des Kapp-Putsches, Frankes Verlag 1920], S. 45–48. Lediglich im dritten Heft des zweiten Jahrgangs ist mit dem Gedicht Das ist das Lied vom täglichen Brot … von Bruno Schönlank (H. 3/1920, S. 102–104) der letzte Abdruck eines literarischen Textes zu verzeichnen; die ab dem zweiten Jahrgang regelmäßigen Buchbesprechungen thematisieren vor allem Neuerscheinungen politischer Bücher. Das erste Heft unter der Ägide von Paul Levi enthält dann folgende Beiträge: N.N.: Ein Geleitwort, S. 1; Franz Mehring: Zur Geschichte des Maitages, S. 2–4; Klara Zetkin: Resolution, S. 4–9; Ernst Däumig: Ein Brief, S. 9f.; Valeriu Marcu: Zur Krise der Kommunistischen Internationale, S. 10–17; Bernhard Düwell: Disziplin und Grundsätze, S. 17–21; Paul Levi: Vorwort zur zweiten Auflage von: Unser Weg, S. 21–29.

66 N.N.: [o. T.]. In: Unser Weg, H. 3/1921, S. 165. Kursivdruck im Original.

67 Unser Weg erscheint dann auch in einem anderen Verlag, der Berliner Internationalen Verlags-Anstalt.