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Konflikt und Kooperation

Die Ostsee als Handlungs- und Kulturraum

Edited By Martin Göllnitz, Nils Abraham, Thomas Wegener Friis and Helmut Müller-Enbergs

Seit dem Ende des Kalten Krieges und der Erweiterung der Europäischen Union gerät der Ostseeraum als historische Einheit immer stärker in das Blickfeld von Wissenschaft und Öffentlichkeit. Eine intensive Beschäftigung mit dieser Region macht jedoch recht rasch deutlich, dass nicht nur die „eine Ostsee" existiert, sondern viele Ostseeräume, die in erster Linie durch Kooperationen und Konflikte, Handel und kulturelle Beziehungen sowie den daran beteiligten Protagonisten initialisiert und konstruiert werden.

In dem vorliegenden Band analysieren 23 ExpertInnen aus fünf Ostseeländern und Israel die durchaus unterschiedlichen Raumkonstruktionen und Verflechtungen innerhalb der Ostseeregion, die als ein spannungs- und konfliktreicher Handlungs- und Kulturraum verstanden wird.

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Die Ostsee als Handlungs- und Kulturraum: Eine Hinführung (Martin Göllnitz / Nils Abraham / Thomas Wegener Friis / Helmut Müller-Enbergs)

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Martin Göllnitz, Nils Abraham, Thomas Wegener Friis, Helmut Müller-Enbergs

Die Ostsee als Handlungs- und Kulturraum: Eine Hinführung

Seit der als spatial turn bezeichneten Wende erlebt die Raumforschung eine neue Blüte.1 In den letzten Jahrzehnten sind Raum und Raumbildung auch in den Geschichtswissenschaften neu wahrgenommen worden, wodurch sich wie in anderen Disziplinen ein modernes Bewusstsein und Verständnis für Raumbildungsprozesse und vielfältige Raumfunktionen gebildet hat.2 Längst gelten Räume nicht mehr als von der Natur vorgegeben, sondern von unterschiedlichen Akteuren, die sich in den Räumen bewegen, konstruiert. Die jüngere Forschung interessiert sich auch deshalb vermehrt für den Wandel und die Pluralität von Räumen, da ← 9 | 10 → diese, wie Michael North es jüngst pointiert formuliert hat, erst „die Komplexität der Welt ausmachen“.3 Nach Karl Schlögel, dem bekanntesten „Wiederentdecker des Raumes“ im deutschen Sprachgebiet, existieren neben den Naturräumen vor allem Geschichts-, Kommunikations- oder Erinnerungsräume, in denen sich zahlreiche politische, sprachliche, ethnische, religiöse, ökonomische und soziale Grenzen überlagern.4 Diese Grenzen erzeugen ihrerseits vielfältige Räume, die in sozialer, ökonomischer, politischer oder kultureller Hinsicht nicht mehr kongruent sind, was wiederum dazu führt, dass innerhalb dieser Grenzräume die einzelnen Grenzen je nach Akteur (Einzelperson, Gruppe, Staat) unterschiedlich wirken und perzipiert werden.

In der Geschichtswissenschaft herrscht mittlerweile Konsens darüber, dass die Region als vorstellbarer Raum sowie deren interne Kohärenz neue Muster grenzüberschreitenden...

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