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Konflikt und Kooperation

Die Ostsee als Handlungs- und Kulturraum

Edited By Martin Göllnitz, Nils Abraham, Thomas Wegener Friis and Helmut Müller-Enbergs

Seit dem Ende des Kalten Krieges und der Erweiterung der Europäischen Union gerät der Ostseeraum als historische Einheit immer stärker in das Blickfeld von Wissenschaft und Öffentlichkeit. Eine intensive Beschäftigung mit dieser Region macht jedoch recht rasch deutlich, dass nicht nur die „eine Ostsee" existiert, sondern viele Ostseeräume, die in erster Linie durch Kooperationen und Konflikte, Handel und kulturelle Beziehungen sowie den daran beteiligten Protagonisten initialisiert und konstruiert werden.

In dem vorliegenden Band analysieren 23 ExpertInnen aus fünf Ostseeländern und Israel die durchaus unterschiedlichen Raumkonstruktionen und Verflechtungen innerhalb der Ostseeregion, die als ein spannungs- und konfliktreicher Handlungs- und Kulturraum verstanden wird.

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Der Ostseeraum als Konfliktzone eines wissenschaftlichen Geltungsstrebens. Die Deutschen Wissenschaftlichen Institute in Skandinavien (1941–1945) (Martin Göllnitz)

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Martin Göllnitz

Der Ostseeraum als Konfliktzone eines wissenschaftlichen Geltungsstrebens. Die Deutschen Wissenschaftlichen Institute in Skandinavien (1941–1945)

Im Frühjahr des Jahres 1941, nur ein Jahr nach Beginn und Ende des „Unternehmens Weserübung“1, hielt der Leiter der Kulturpolitischen Abteilung im Auswärtigen Amt und Gesandte der deutschen Reichsregierung vor der versammelten Kopenhagener Prominenz im repräsentativen Festsaal des dänischen Nationalmuseums eine glanzvolle Festrede über die künftige kulturelle und wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen den skandinavischen Staaten und dem Deutschen Reich. Seinen Zuhörern – darunter Prinz Harald, Staatsminister Thorvald Stauning, Unterrichtsminister Jørgen Jørgensen und Verkehrsminister Gunnar Larsen auf der einen (dänischen) Seite, der Reichsbevollmächtigte Cecil von Renthe-Fink, der Ministerialdirektor im Reichserziehungsministerium Alfred Holfelder sowie die Rektoren der Universitäten in Kiel, Hamburg, Rostock, Greifswald und Berlin auf der anderen (deutschen) Seite – erklärte Fritz von Twardowski in seiner beliebigen und räumlich gewiss austauschbaren Festrede die künftige Marschroute der deutschen Kultur- und Wissenschaftspolitik in Skandinavien:

„Deutschland möchte die Zusammengehörigkeit zu den nordischen Ländern auf allen kulturellen Lebensgebieten ausbauen, und es anerkennt und achtet die volkliche und ← 45 | 46 → kulturelle Eigenart jedes nordischen Volkes. Wir haben nicht die Absicht, anderen die deutsche Kultur aufzuzwingen. Solches stimmt nicht mit der nationalsozialistischen Weltanschauung überein, die jede echte nationale Besonderheit achtet und ehrt.“2

Anlass der diplomatischen Rede und schillernden Zusammenkunft war die Eröffnung des Deutschen Wissenschaftlichen Instituts (DWI) in Kopenhagen,...

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