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Konflikt und Kooperation

Die Ostsee als Handlungs- und Kulturraum

Edited By Martin Göllnitz, Nils Abraham, Thomas Wegener Friis and Helmut Müller-Enbergs

Seit dem Ende des Kalten Krieges und der Erweiterung der Europäischen Union gerät der Ostseeraum als historische Einheit immer stärker in das Blickfeld von Wissenschaft und Öffentlichkeit. Eine intensive Beschäftigung mit dieser Region macht jedoch recht rasch deutlich, dass nicht nur die „eine Ostsee" existiert, sondern viele Ostseeräume, die in erster Linie durch Kooperationen und Konflikte, Handel und kulturelle Beziehungen sowie den daran beteiligten Protagonisten initialisiert und konstruiert werden.

In dem vorliegenden Band analysieren 23 ExpertInnen aus fünf Ostseeländern und Israel die durchaus unterschiedlichen Raumkonstruktionen und Verflechtungen innerhalb der Ostseeregion, die als ein spannungs- und konfliktreicher Handlungs- und Kulturraum verstanden wird.

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Friedrich Schlegel (1772–1829) und der Gotizismus – Romantische Geschichtskonstruktion im Zeichen der „nordischen Renaissance“ (Alexander Muschik)

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Alexander Muschik

Friedrich Schlegel (1772–1829) und der Gotizismus – Romantische Geschichtskonstruktion im Zeichen der „nordischen Renaissance“

In der Zeit der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert begannen deutsche Gelehrte erstmals, sich wissenschaftlich mit den Sprachen, der Literatur, der Mythologie und der Geschichte der nordischen Länder zu beschäftigen.1 Die Bedeutung des Nordens und das wachsende Interesse deutscher Gelehrter an nordischen Themen erklären sich vor dem geistesgeschichtlichen und politischen Hintergrund der Ende des 18. Jahrhunderts einsetzenden romantischen Epoche, für die der schwedische Literaturwissenschaftler Anton Blanck den Begriff der „nordischen Renaissance“ geprägt hat.2 Ausgelöst durch die kulturkritischen Schriften Jean-Jacques Rousseaus, in denen dieser den Fortschrittsoptimismus der Aufklärung grundlegend infrage stellte und den politischen sowie sozialen Ungerechtigkeiten seiner Epoche einen idealisierten „Naturzustand“ gegenüberstellte, begannen sich in ganz Europa gegenaufklärerische Vorstellungen durchzusetzen. Viele Romantiker erblickten dabei gerade in den skandinavischen Ländern viele Aspekte des von Rousseau idealisierten Naturzustandes und fingen an, sich für nordische Themen zu interessieren.3 In den bäuerlich geprägten und wenig urbanisierten Ländern des Nordens, so die Idealisierung, lebten die Menschen noch ursprünglich, unverbildet und unverfälscht, in Harmonie mit ihrer natürlichen Umwelt und waren ← 153 | 154 → außerdem frei, denn Schweden und Norwegen gehörten zu den wenigen Ländern ohne Leibeigenschaft.4

Dieser Rousseauismus verband sich Ende des 18. Jahrhunderts mit dem durch den römischen Geschichtsschreiber Tacitus kolportierten Germanenbild, das die Germanen – und damit meinte...

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