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Konflikt und Kooperation

Die Ostsee als Handlungs- und Kulturraum

Edited By Martin Göllnitz, Nils Abraham, Thomas Wegener Friis and Helmut Müller-Enbergs

Seit dem Ende des Kalten Krieges und der Erweiterung der Europäischen Union gerät der Ostseeraum als historische Einheit immer stärker in das Blickfeld von Wissenschaft und Öffentlichkeit. Eine intensive Beschäftigung mit dieser Region macht jedoch recht rasch deutlich, dass nicht nur die „eine Ostsee" existiert, sondern viele Ostseeräume, die in erster Linie durch Kooperationen und Konflikte, Handel und kulturelle Beziehungen sowie den daran beteiligten Protagonisten initialisiert und konstruiert werden.

In dem vorliegenden Band analysieren 23 ExpertInnen aus fünf Ostseeländern und Israel die durchaus unterschiedlichen Raumkonstruktionen und Verflechtungen innerhalb der Ostseeregion, die als ein spannungs- und konfliktreicher Handlungs- und Kulturraum verstanden wird.

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100 Jahre Minderheiten in der deutsch-dänischen Grenzregion (Mogens Rostgaard Nissen)

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Mogens Rostgaard Nissen

100 Jahre Minderheiten in der deutsch-dänischen Grenzregion

1920 wurden im ehemaligen Herzogtum Schleswig zwei Volksabstimmungen durchgeführt, in deren Rahmen die Bevölkerung Nord- bzw. Südschleswigs über die künftige staatliche Zugehörigkeit der beiden Regionen entschied: zur Auswahl standen das Königreich Dänemark und das Deutsche Reich.1 Die erste Abstimmung fand am 10. Februar in Nordschleswig statt, dem heutigen Südjütland, während das zweite Referendum am 14. März in den Gemeinden südlich der heutigen Grenze sowie in Flensburg durchgeführt wurde. Im nördlichen Teil des Landes entschied sich das Gros der Bevölkerung für Dänemark (74,39 Prozent); in der Region, die heute als Südschleswig bezeichnet wird, stimmte dagegen die Mehrheit (80,2 Prozent) für eine Zugehörigkeit zu Deutschland. Die Ergebnisse der beiden Volksabstimmungen waren somit ziemlich eindeutig, woraus sich schlussfolgern lässt, dass die Grenze zwischen den beiden Staaten nach den Prinzipien des Selbstbestimmungsrechtes der Völker gezogen wurde.

Die Volksabstimmungen waren eine direkte Folge des Ersten Weltkrieges und der Grundsätze, die der US-amerikanische Präsident Woodrow Wilson in seinem bekannten „14-Punkte-Programm“ vom Januar 1918 beschrieben hatte. Sie stellten die Weichen für eine liberalere Weltordnung der Nachkriegsgesellschaft, nach der Staatsgrenzen den Wünschen der Völker zu entsprechen hatten und nicht wie bisher lediglich auf machtpolitischen Erwägungen basieren sollten. Dieser Grundsatz ermöglichte es, dass die schleswigsche Bevölkerung...

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