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Konflikt und Kooperation

Die Ostsee als Handlungs- und Kulturraum

Edited By Martin Göllnitz, Nils Abraham, Thomas Wegener Friis and Helmut Müller-Enbergs

Seit dem Ende des Kalten Krieges und der Erweiterung der Europäischen Union gerät der Ostseeraum als historische Einheit immer stärker in das Blickfeld von Wissenschaft und Öffentlichkeit. Eine intensive Beschäftigung mit dieser Region macht jedoch recht rasch deutlich, dass nicht nur die „eine Ostsee" existiert, sondern viele Ostseeräume, die in erster Linie durch Kooperationen und Konflikte, Handel und kulturelle Beziehungen sowie den daran beteiligten Protagonisten initialisiert und konstruiert werden.

In dem vorliegenden Band analysieren 23 ExpertInnen aus fünf Ostseeländern und Israel die durchaus unterschiedlichen Raumkonstruktionen und Verflechtungen innerhalb der Ostseeregion, die als ein spannungs- und konfliktreicher Handlungs- und Kulturraum verstanden wird.

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Zaissers Schwestern. Die „Westverwandtschaft“ des Ministers für Staatssicherheit (Helmut Müller-Enbergs)

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Helmut Müller-Enbergs

Zaissers Schwestern. Die „Westverwandtschaft“ des Ministers für Staatssicherheit

„Westverwandtschaft“ war bei Funktionären in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) verpönt, mehr noch in der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Als geradezu bedenklich galten Angehörige in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) bei der Elite der Staatspartei. Vermeiden ließ sich das nicht, mindestens jedoch erwartete der Kodex eine Distanzierung, besser noch eine Lossagung von den Angehörigen hinter der Elbe. Denn das Kriterium „Westverwandtschaft“ war sicherheitspolitisch zu berücksichtigen.1 So konstatiert die Forschung, dass die Jahre zwischen 1948 und 1953 „durch offenen Terror gegen ehemalige (West-)Emigranten gekennzeichnet“ waren, was auch die innerparteilichen Säuberungen prägte.2 In diesen Zeitraum fielen die operativen Jahre Wilhelm Zaissers als Minister für Staatssicherheit und als Mitglied des SED-Politbüros; Positionen, die er von 1950 bis 1953 bekleidete. Allerdings besaß der Minister selbst zwei Schwestern im Westen – Johanna und Maria. Diesen beiden „Westverwandtschaften“ soll im vorliegenden Beitrag nachgespürt werden.

Johanna Zaisser

Wilhelms Schwester Johanna Caroline Zaisser, Johanne und auch Johanna genannt, war schön – sie hatte ein schmales Gesicht, blaue Augen und dunkelblondes Haar. Im Gegensatz zu ihrem groß gewachsenen Bruder Wilhelm war sie mit gerade einmal 1,68 Meter klein. Darüber hinaus ist nur wenig über sie bekannt. Allerdings bietet ein Rapport eines westlichen Nachrichtendienstes einigen Aufschluss: Am 1. Juni 1920 heiratet sie im Alter von 26 Jahren den ein Jahr jüngeren ← 279 | 280 → Fleischermeister...

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