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Robert Musil und Amos Gitaï: Die Ethik des Möglichkeitssinns

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Bernadette Appel

Die literaturwissenschaftliche Studie widmet sich den Werken des österreichischen Schriftstellers Robert Musil (1880–1942) und des israelischen Filmemachers Amos Gitaï (*1950). Die Analyse erbringt erstmalig den Nachweis, dass sich Gitaï in seinen Filmen mit dem berühmten Musilschen Möglichkeitsdenken auseinandersetzt. Vor dem aktuellen Hintergrund des Israel-Palästina-Konfliktes wird der Möglichkeitssinn dabei als innovatives und visionäres Modell erkennbar, das sich sowohl in ethischer, in medienphilosophischer und letztlich auch in aktuell-politischer Hinsicht als Transmedium einer beweglichen kritischen Praxis auszeichnet.

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6.3.2 Trennungen und der Abschied vom Garten

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6.3.2 Trennungen und der Abschied vom Garten

Die sich im Bild des Gewächshauses bereits andeutende ‚Verfehlung‘ des Gartens findet sowohl im Roman Der Mann ohne Eigenschaften als auch in zahlreichen Filmen Gitaïs ihren Fortgang als Scheitern der gesamten Utopie des ‚anderen Zustands‘. Von der Systematik des ‚Möglichkeitsdenkens‘ her, sind die Gründe für dieses Scheitern sehr vielfältig. Wie in Kapitel 6.2 gezeigt werden konnte, beweist Amos Gitaï eine äußerst sensible und literaturwissenschaftlich versierte Aus←358 | 359→differenzierung der einzelnen Bedeutungsebenen des ‚anderen Zustands‘, die von der mystischen Verschmelzungserfahrung über den Rückgewinn der ‚Eigenliebe‘ sowie des ‚kindhaften Verhältnisses zur Welt‘ bis hin zur grenzüberschreitenden Vereinigung des ‚Getrennten‘ und eine mögliche neue ‚Liebesethik‘ reichen und mit dem Transparenzgedanken nicht zuletzt auch die mediale Dimension berücksichtigen. Die nun folgende Analyse zeigt, dass er sich nicht weniger umfassend und differenziert auch den Bedingungen des Scheiterns des ‚anderen Zustands‘ widmet und letztlich sogar die visionäre Stoßrichtung eines gelingenden ‚Möglichkeitsdenkens‘ herausarbeitet, die im Roman Der Mann ohne Eigenschaften selbst zwar angelegt ist, durch die Gitaïsche Auseinandersetzung aber erst zu ihrer vollen Entfaltung findet.

Sowohl Ulrich und Agathe, wie auch den Protagonisten der Gitaïschen Filme war der Garten zum utopischen Modell einer alternativen Seinsweise geworden. Wie in Kapitel 6.3.1 im Gitaïschen Bild des ‚Gewächshauses‘ jedoch deutlich wird, führen die israelischen Besiedelungen des palästinensischen ‚Gartens‘ nicht zu dem auf Dauer angelegten Rückgewinn des...

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