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Jesus, Hauptdarsteller Gottes?

Inszenierung als Schlüssel für einen vernunftgemäßen Glauben

Eberhard Martin Pausch

Der Mensch Jesus kann verstanden werden als Gottes Hauptdarsteller in dem Theaterstück, das Weltgeschichte heißt. Das ist die These dieses Buches. Es gibt historische Indizien dafür, dass er sich selbst so sah, etwa die Nähe der Stadt Nazareth zum antiken Theater in Sepphoris. Die These lässt sich jedoch vor allem semiotisch begründen, wenn man die Person Jesu als ein mehrdimensionales Zeichen versteht. Jesus und seine Jüngerinnen und Jünger machten Glaube, Hoffnung und Liebe als Grunddimensionen menschlicher Existenz sichtbar. Wer ihm nachfolgt, lebt ebenfalls in diesen Dimensionen und erkennt Gott als den Regisseur der Geschichte an. Dessen Hauptdarsteller Jesus ist auch heute noch leibhaft erfahrbar, unter anderem im Leben der Glaubenden und im Geschehen von Gottesdienst und Abendmahl.

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Einleitung: Jesus neu entdecken

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Weil die christliche Theologie evangelischer Gestalt den Intentionen aufklärerischen Denkens verpflichtet ist, tut sie gut daran, in den biblischen Wissenschaften grundsätzlich historisch-kritisch an die Gegenstände ihrer Erkenntnis heranzutreten. Sie tut ferner gut daran, das Gespräch mit den Naturwissenschaften zu führen und mit ihnen das Verhältnis der „Konkordanz“ (im Sinne von Heinrich Scholz: der widerspruchsfreien Übereinstimmung) zu suchen. An einem naheliegenden Beispiel: Eine theologische Schöpfungslehre muss so konzipiert werden, dass sie mit der Evolutionstheorie nicht in Konkurrenz, sondern in Einklang steht. Der vor allem in den USA weit verbreitete „Kreationismus“ ist eine absurde, dem Buchstabenglauben verhaftete Ideologie.

Die christliche Theologie tut ebenfalls gut daran, das Gespräch mit der Philosophie zu suchen. Was beide ja verbindet, ist die Verpflichtung auf den „Logos“, der Sprache und Logik schon im griechischen Begriff miteinander verbindet, der je nach Auslegung auch „Sinn“, „Kraft“ oder „Tat“ heißen kann, wie Goethes „Faust“ uns dies nahelegt.3 Dass der „Logos“ im christlich-theologischen Sinn darüber hinaus noch einen „Überschuss“ an Sinn und Bedeutung beinhaltet, darauf werde ich zu sprechen kommen.←17 | 18→

Sicher ist: Ohne die Bibel als Ursprungs- und Orientierungsdokument des christlichen Glaubens hätte es das Christentum niemals gegeben. Die Bibel aber ist, mit Gerd Theißen gesagt, „Teil einer großen Erzählung, die wir in unserem Leben und Denken eigenständig weiterschreiben“4. Wir haben daher, hierin stimme ich Theißen uneingeschränkt zu, (fast) alle Freiheit(en) dieser Welt im...

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