Show Less
Restricted access

Der Massenmensch zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Ein diskursgeschichtlicher Vergleich zur deutschen und spanischen Literatur

Series:

Charlotte Jestaedt

Die Studie befasst sich mit der Frage, welche Wissensstrukturen in Bezug auf das Phänomen der Masse in Deutschland und Spanien vor den faschistischen Regimes präsent waren. Mit ihrer diskursanalytisch und komparatistisch angelegten Untersuchung zeigt die Autorin, dass die Spannungen zwischen Individuum und Masse sowohl für den wissenschaftlichen als auch für den literarischen Diskurs konstitutiv waren. Sie arbeitet die Querbezüge zwischen der Masse-Semantik in theoretischen Texten und in Kriegs- und Großstadtromanen heraus. Dabei rücken kulturraumübergreifende und kulturraumspezifische Ausprägungen sowie die Frage nach einem möglichen transnationalen spanisch-deutschen Diskurs in den Blick

Show Summary Details
Restricted access

I. Einleitung: Die Masse im beginnenden 20. Jahrhundert

I. Einleitung: Die Masse im beginnenden 20. Jahrhundert

Extract

Las ciudades están llenas de gentes. […] Las casas llenas de inquilinos. Los hoteles, llenos de huéspedes. Los trenes, llenos de viajeros. Los cafés llenos de consumidores. Los paseos, llenos de transeúntes. Las salas de los médicos famosos, llenas de enfermos. Los espectáculos, como no sean muy extemporáneos, llenos de expectadores. Las playas, llenas de bañistas. Lo que antes no solía ser problema, empieza a serlo casi de continuo: encontrar sitio.1

Dies schrieb der spanische Philosoph José Ortega y Gasset in seinem Essay La rebelión de las masas von 1930.2 Er wies damit auf ein wichtiges Phänomen der europäischen Geschichte hin, dessen Diskursivierung vor allem zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen Aufschwung erfuhr: die Menschenmasse. Dabei handelt es sich um eine Erscheinung, die zwar schon in der Antike und im Mittelalter thematisiert wurde.3 Jedoch gewann sie in der Moderne aufgrund diverser historischer Diskursmotoren an Relevanz: Die Industrialisierung, Urbanisierung und der demographische Wandel führten dazu, dass die Großstädte innerhalb von wenigen Jahren einen regelrechten Boom erfuhren und in neuen Dimensionen von Menschenmengen bevölkert wurden. Zwischen 1871 und 1925 stiegen die Einwohnerzahlen in Berlin von 826.000 auf über vier Millionen.4 In ←11 | 12→Ortega y Gassets Heimatstadt Madrid lebten um 1900 539.000 Einwohner, bis 1930 waren es bereits 952.000.5 Durch den verstärkten Ausbau der Verkehrswege in den Städten genossen diese Mengen eine gesteigerte Mobilität und konnten das zunehmende Waren-, Freizeit- und Kulturangebot...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.