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Der Massenmensch zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Ein diskursgeschichtlicher Vergleich zur deutschen und spanischen Literatur

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Charlotte Jestaedt

Die Studie befasst sich mit der Frage, welche Wissensstrukturen in Bezug auf das Phänomen der Masse in Deutschland und Spanien vor den faschistischen Regimes präsent waren. Mit ihrer diskursanalytisch und komparatistisch angelegten Untersuchung zeigt die Autorin, dass die Spannungen zwischen Individuum und Masse sowohl für den wissenschaftlichen als auch für den literarischen Diskurs konstitutiv waren. Sie arbeitet die Querbezüge zwischen der Masse-Semantik in theoretischen Texten und in Kriegs- und Großstadtromanen heraus. Dabei rücken kulturraumübergreifende und kulturraumspezifische Ausprägungen sowie die Frage nach einem möglichen transnationalen spanisch-deutschen Diskurs in den Blick

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VI. Fazit

VI. Fazit

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Die vorliegende Arbeit hat sich darauf konzentriert, die Aussagen über die Masse und die damit verbundenen Darstellungstechniken zu untersuchen und dann nach dem gesellschaftlichen Zusammenhang und den Motiven der Akteure zu fragen. Für den wissenschaftlichen Diskurs konnte als eines der zentralen Ergebnisse herausgearbeitet werden, dass es keinen einheitlichen Entwurf der Masse gibt, dass aber bestimmte Merkmalzuschreibungen kulturraumübergreifend immer wieder auftauchen und deshalb als regelmäßige diskursive Ereignisse respektive als Aussagen gewertet werden können. So verorten die Autoren das Phänomen vornehmlich in den Großstädten und erkennen darin sowohl einen quantitativen als auch einen qualitativen Aspekt. Sie konzipieren die Masse als neuen überindividuellen Akteur, der in der Mehrzahl der Darstellungen die soziale Macht innehat oder beansprucht. Eine typische Formation in diesem Zusammenhang ist, dass dieser gesellschaftliche Strukturwandel negativ beurteilt und oftmals mit dekadenzphilosophischen Denkfiguren codiert wird. Regelmäßigkeiten ergeben sich auch durch die wiederholte Beschreibung der Masse als atavistisch, triebhaft, verstandesarm und kulturlos. Unabhängig von ihren auseinanderstrebenden gesellschaftspolitischen Ansichten gehen die Autoren von einer Regression in unzivilisierte Zustände aus, was unter anderem mit der Herden-Symbolik versprachlicht wird. Besonders im kulturkonservativen Feld etablieren sie in diesem Zusammenhang die Opposition von der negativ assoziierten Natur und der idealisierten Kultur. Die Semantik wird dabei durch den Vergleich des Massenmenschen zum Wilden und Barbaren geprägt. Über die Grenzen der unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Felder hinweg konstituiert sich auch das Merkmal der Instrumentalisierbarkeit beziehungsweise Funktionalisierbarkeit der Masse. Wurde diese Ende des 19. Jahrhunderts noch im politisch-ideologischen Kontext kritisch behandelt, war...

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