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Zweisprachigkeit und das semantische Lexikon

Gezielte, sprachspezifische Förderung und Therapie in der Kita und Grundschule

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Claudia Wahn

Das vorliegende Buch stellt evaluierte Förder- und Therapieformate zum Auf- und Ausbau des semantischen Lexikons zweisprachiger Kinder vor. Darüber hinaus möchte es den LeserInnen Anregungen für die praktische Umsetzung und Gestaltung von Einzel- und Gruppensituationen geben. Eine entsprechende theoretische Verortung mit dem Ziel des Praxistransfers auf der Basis von Evidenzbasierung soll nicht fehlen, v.a. da Zweisprachigkeit in der Sprachförderung und Sprachtherapie eine weitgehend ungenutzte Ressource darstellt. Zweisprachigkeit sollte in Deutschland nicht länger als Nachteil für die Bildungsentwicklung von Kindern gesehen werden, sondern als Vorteil im Spracherwerb, den es in den unterschiedlichen Institutionen des deutschen Bildungs- und Gesundheitssystems gezielt zu nutzen gilt.

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1 Der Erwerb des semantisch-lexikalischen Systems zweisprachiger Kinder und potentielle Schwierigkeiten

1 Der Erwerb des semantisch-lexikalischen Systems zweisprachiger Kinder und potentielle Schwierigkeiten

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Geht man dem Zweitspracherwerb und dessen Regularien für verschiedene Spracherwerbsebenen nach (phonetisch-phonologisch, semantisch-lexikalisch, grammatisch), ist es unabdingbar die Erkenntnisse und Ergebnisse aus der Zweisprachigkeitsforschung (second language acquistion/ SLA) vor allem zum Immersionslernen, das heißt zum Zweitspracherwerb unter natürlichen, ungesteuerten Bedingungen sowie zur neuronalen Plastizität und dem daraus resultierenden Lernen über die Lebensspanne einzubeziehen (s.u.).

In einer breiter angelegten Pilotstudie wurde 2013 skizziert, wie die Entwicklung und Modifikation des semantisch-lexikalischen Systems (Lexikon) im Spracherwerb vor allem bei einsprachigen bzw. monolingualen Kindern verläuft (vgl. Wahn, 2013). Aber auch die Untersuchung des Erwerbs des zweisprachigen Lexikons und dessen Sprachverarbeitung hat in der Vergangenheit bereits viel Interesse erfahren. Dabei war das Forschungsinteresse vor allem auf quantitative Aspekte und Fragen gerichtet, wie z.B. „Wie groß ist der Umfang des bilingualen Lexikons?“ oder „Wie hoch sind die Zuwachsraten?“. Auch hinsichtlich der Erwerbssequenzen gibt es heute zahlreiche Theorien darüber, ob feste Erwerbsreihenfolgen im ungesteuerten Spracherwerb bestehen, in denen bestimmte Merkmale einer Sprache erlernt werden. So wurde beispielsweise in Bezug auf die Markierung von Vergangenheit und die Wortstellung im Deutschen postuliert, dass es bei Kindern und Zweitspracherwerbern ähnliche Erwerbsreihenfolgen gibt (vgl. u.a. Wode, 1988). Auch für die englische Sprache sind solche Erwerbsreihenfolgen identifiziert und am Beispiel der Satzgliedfolge in Fragesätzen untersucht worden (vgl. Mackey, 1995). Das interessanteste Ergebnis dabei ist, dass die Erwerbsreihenfolge für Lerner aller Muttersprachen gilt, also unabhängig vom Sprachsystem der Muttersprache und von Instruktionen, z.B. Korrekturen ist (vgl. Gass & Glew, 2008). Offen...

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