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«Life Cycle Costing» als Instrument nachhaltiger öffentlicher Auftragsvergabe

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Anne Henzel

Die EU-Richtlinie über die Vergabe öffentlicher Aufträge enthält erstmals Vorgaben zu „Life Cycle Costing". Die Autorin befasst sich mit der Frage, ob und wie das Instrument des „Life Cycle Costing" einen Beitrag zu einer nachhaltigen öffentlichen Auftragsvergabe durch die Berücksichtigung ökologischer und sozialer Ziele leisten kann. Dabei analysiert sie das europäische Richtlinienrecht und das nationale Umsetzungsrecht sowie die primärrechtlichen Grenzen. Sie überprüft die Voraussetzungen, die das Vergaberechtsregime an „Life Cycle Costing" Methoden stellt und bewertet diese im Hinblick auf den Einsatz im Rahmen des Zuschlags. Anschließend entwickelt die Autorin wertvolle Vorschläge hinsichtlich der Gewichtung der Ergebnisse eines Life Cycle Costing in der Zuschlagsentscheidung.

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Kapitel 4: Gestaltungsmöglichkeiten von LCC-Vorgaben

Kapitel 4: Gestaltungsmöglichkeiten von LCC-Vorgaben

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Nachfolgend werden die Gestaltungsmöglichkeiten des öffentlichen Auftraggebers untersucht, die ihm im Hinblick auf die Einbeziehung von LCC-Vorgaben in einem Vergabeverfahren zustehen.

Über die Häufigkeit der Verwendung von LCC als Instrument nachhaltiger öffentlicher Auftragsvergabe besteht Uneinigkeit.1291 Während manche davon ausgehen, dass LCC bereits derzeit häufig zur Anwendung kommt1292, nehmen wieder andere an, dass dies aufgrund bestimmter Hindernisse nicht der Fall ist1293.

Die anfänglich höheren Investitionskosten stellen sicherlich das Haupthemmnis der Ausschöpfung des vollen Potentials von LCC dar. Ein höherer Anschaffungspreis kann sich zwar bei bestimmten Produkten rasch amortisieren. So bedarf eine teure Energiesparlampe, je nach Ausführung, 60–85 % weniger Elektroleistung als eine Standardglühlampe.1295 Gleichwohl wird ein Paradigmenwechsel von der Betrachtung des reinen Anschaffungspreises hin zu einer Berücksichtigung aller während des Lebenszyklus entstehenden Kosten kritisch gesehen, weil es das gute alte Prinzip des „best value for money“ stören kann, indem es diskriminatorischen Praktiken Vorschub leistet.1296 Insbesondere in Mitgliedsstaaten, in denen ökologische oder soziale Aspekte im Vergleich zu den Anschaffungskosten einen ←235 | 236→niedrigeren Rang bei öffentlichen Auftraggebern haben, ergeben sich wettbewerbliche Bedenken, weil der Einsatz von LCC den Bietern die Möglichkeit gibt, auf einer anderen Grundlage als den Kosten zu konkurrieren.1297

Erschwert wird die Anwendung von LCC auch dadurch, dass kaum repräsentative Daten bestehen, da die Kostenmodelle und die entsprechenden Kostendaten als zu wirtschaftlich sensibel empfunden werden, um sie zu veröffentlichen.1298 Zusätzlich sehen sich die beschaffenden Stellen einem...

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