Show Less
Restricted access

Grammatik und Ideologie

Feminisierungsstrategien im Russischen und Polnischen aus Sicht der Wissenschaft und Gesellschaft

Series:

Edited By Dennis Scheller-Boltz

Dieses Buch beleuchtet das Verhältnis von Grammatik und Ideologie im Russischen und Polnischen. Anhand der Regeln und Normen, die die sprachliche Darstellung von Geschlecht – insbesondere des weiblichen Geschlechts – bestimmen, illustriert der Autor, wie Sprachnormen durch Autoritäten festgesetzt werden, wie Sprachnormen über die Gesellschaft hinweg bestehen bleiben, aber auch wie Sprachnormen durch die Gesellschaft verändert werden können. Im Fokus stehen dabei die Fragen: Wie weit ist die Feminisierung des Russischen und Polnischen fortgeschritten? Welche sprachpolitischen und sprachplanerischen Maßnahmen werden gegenwärtig zur Gewährleistung einer geschlechtergerechten Sprache erhoben? Ist die russische und polnische Gesellschaft überhaupt offen für eine Feminisierung der Sprache? Es zeigt sich: Der Gebrauch sowie die Ablehnung von Feminativa beruhen auf Ideologien – ein Phänomen, dem für gewöhnlich sehr vorsichtig begegnet wird und das im Zusammenhang mit den in einer Gesellschaft vorherrschenden Standpunkten und Bewertungen diskutiert werden muss. Dabei spielen Feminativa im Russischen und Polnischen eine wesentlich größere Rolle als in der Regel gedacht. Feminativa sind auch nicht so ungewöhnlich, wie gemeinhin behauptet. Vielmehr lässt sich feststellen: Ideologien wirken sich auf die Normierung von Sprache und damit auf die Möglichkeiten aus, wie Sprache geschlechtergerecht gestaltet wird – oder eben nicht.

Show Summary Details
Restricted access

II: Grammatikschreibung im Russischen und Polnischen

II: Grammatikschreibung im Russischen und Polnischen

Extract

Wer sich von der Grammatik faszinieren läßt, der scheint auf den ersten Blick dem prallen Leben ganz entrückt zu sein. Zumindest scheint er nicht mehr durch das beflügelt zu werden, was üblicherweise beflügelt. Wer sich auf die Grammatik einläßt, der hat sich gewollt oder ungewollt immer schon irgendwie auf die Philosophie eingelassen.

(Köller 1988)

Prescriptive grammarians hope to keep control over language, to keep its forms constant.

(Lakoff 1990)

Dieses Buch widmet sich den etablierten und potentiellen Möglichkeiten zum Gebrauch sowohl geschlechtergerechter als auch geschlechtsneutraler grammatikalischer und wortbildnerischer Strukturen im Russischen und Polnischen. Ferner soll eruiert werden, wie bestimmte in Grammatiken nicht berücksichtigte oder als falsch kategorisierte wortbildnerische und morphosyntaktische Konstruktionen seitens der Sprachträger_innen heute bewertet werden und inwiefern sie einige – derzeit bereits zu beobachtende und zukünftig potentiell denkbare – sprachliche Veränderungen hin zu einem geschlechtergerechten bzw. -neutralen Sprachgebrauch für möglich und angemessen halten. Solche Konstruktionen sollten dann nämlich zukünftig auch in Grammatiken erscheinen oder zumindest im Ansatz berücksichtigt und eingehender diskutiert werden.

Für dieses Unternehmen wird im Folgenden zunächst analysiert, wie Standardgrammatiken für russische resp. polnische Muttersprachler_innen grammatikalische und wortbildnerische Strukturen im Geschlechterkontext beschreiben, v.a. aber rechtfertigen, und wie sich die Grammatikschreibung in Hinblick auf solche Strukturen im Zeitraum von 1950 bis 2010 verändert und damit an den gesellschaftlichen Wandel angepasst hat (vgl. in ähnlicher Weise Doleschal 2010,...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.