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Grammatik und Ideologie

Feminisierungsstrategien im Russischen und Polnischen aus Sicht der Wissenschaft und Gesellschaft

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Edited By Dennis Scheller-Boltz

Dieses Buch beleuchtet das Verhältnis von Grammatik und Ideologie im Russischen und Polnischen. Anhand der Regeln und Normen, die die sprachliche Darstellung von Geschlecht – insbesondere des weiblichen Geschlechts – bestimmen, illustriert der Autor, wie Sprachnormen durch Autoritäten festgesetzt werden, wie Sprachnormen über die Gesellschaft hinweg bestehen bleiben, aber auch wie Sprachnormen durch die Gesellschaft verändert werden können. Im Fokus stehen dabei die Fragen: Wie weit ist die Feminisierung des Russischen und Polnischen fortgeschritten? Welche sprachpolitischen und sprachplanerischen Maßnahmen werden gegenwärtig zur Gewährleistung einer geschlechtergerechten Sprache erhoben? Ist die russische und polnische Gesellschaft überhaupt offen für eine Feminisierung der Sprache? Es zeigt sich: Der Gebrauch sowie die Ablehnung von Feminativa beruhen auf Ideologien – ein Phänomen, dem für gewöhnlich sehr vorsichtig begegnet wird und das im Zusammenhang mit den in einer Gesellschaft vorherrschenden Standpunkten und Bewertungen diskutiert werden muss. Dabei spielen Feminativa im Russischen und Polnischen eine wesentlich größere Rolle als in der Regel gedacht. Feminativa sind auch nicht so ungewöhnlich, wie gemeinhin behauptet. Vielmehr lässt sich feststellen: Ideologien wirken sich auf die Normierung von Sprache und damit auf die Möglichkeiten aus, wie Sprache geschlechtergerecht gestaltet wird – oder eben nicht.

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Schlussbemerkungen

Schlussbemerkungen

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Es ist, so denke ich, erwartbar, dass eine Zusammenfassung hier kein einfaches Unterfangen ist. Zu facettenreich ist der Bereich der Movierung im Polnischen und Russischen, zu unterschiedlich sind die Ansichten in Bezug auf die Thematik Sprache, Geschlecht und Identität und zu different sind die Meinungen zum Sprachgebrauch. Dennoch sollen einige Themen und Phänomene abschließend noch einmal herausgestellt und diskutiert werden.

Es dürfte klar geworden sein, dass Sprache in jedweder Form ein von Ideologien geprägtes Konstrukt darstellt. Wir nähern uns Sprache auf der Grundlage von Ideologien. Auf diese Weise beschreiben und bewerten wir Sprache stets vor dem Hintergrund zumeist tradierter, jedoch auch neu aufkommender Ideologien, was dann letztendlich auch Normen zu ideologisch basierten Regelungen macht. Gerade im Geschlechterkontext wird dies sichtbar. Denn hier spielen nicht nur wirklichkeitsbezogene Ideologien und Sprachideologien eine Rolle, sondern auch die bestehenden Geschlechterideologien wirken auf Sprache und Sprachgebrauch ein, sie beeinflussen aber auch die Perzeption von Sprache und Sprachgebrauch. So konnte nachgewiesen werden, dass sämtliche sprachlichen Strukturen, darunter v.a. auch grammatikalische Strukturen, aktiv zur Geschlechterkonstruktion beitragen, jedoch auch die Geschlechterwahrnehmung steuern. Damit trägt Sprachgebrauch zur Identitätskonstruktion bei, wodurch Sprache nicht nur eine Benennungs- und Informationsfunktion zukommt, sondern auch die Aufgabe hat zu explizieren und somit Geschlecht und Identität sichtbar zu machen, da diese in der Wirklichkeit auch sichtbar sind. Kommt Sprache dieser Funktion nicht nach, so suggeriert das Irrelevanz und Bedeutungslosigkeit, denn alles, was nicht benannt ist oder nicht benannt werden kann, spielt keine oder...

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