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Weltanschauung und Textproduktion

Beiträge zu einem Verhältnis in der Moderne

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Edited By Anna S. Brasch and Christian Meierhofer

Weltanschauungen haben zwischen 1850 und 1945 in Deutschland Konjunktur. Als philosophische, wissens- und wissenschaftshistorische Diskursangebote reagieren sie im Prozess der Moderne auf entstehende Synthesemängel, auf Ganzheitsverluste und auf das, was zeitgenössisch schlicht ‚Zersetzung‘ heißt. Vor diesem Hintergrund entsteht ein Korpus an Texten, das sich nicht unter dem Rubrum der ‚Weltanschauungsliteratur‘ allein fassen lässt. Die hier versammelten Studien widmen sich der Heterogenität und Transformation weltanschaulicher Textproduktion. Dabei liegen die Schwerpunkte auf diskurs- und konzeptgeschichtlichen Voraussetzungen, auf Gattungskonventionen und Darstellungsformen, auf buch-, medien- und theatergeschichtlichen Praktiken sowie auf der Reflexivität, Reichweite und Schließung des Diskurses.

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Buntes Glas besiegt den Hass. Paul Scheerbarts architektonische Volkserziehung (Thorsten Carstensen)

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Thorsten Carstensen

Buntes Glas besiegt den Hass. Paul Scheerbarts architektonische Volkserziehung

Abstract: In his theoretical and fictional texts, the writer Paul Scheerbart formulated the vision of a better life based on improved forms of dwelling. Instead of clinging to the styles of yesteryear, humankind ought to enter into a new age of glass architecture. This article argues that Scheerbart’s works engage with the life reform discourse around 1900 by presenting architectural innovations in the semantic guise of an ironic doctrine of salvation. While frequently set on far-away continents or even in outer space, his novels remain deeply rooted in the everyday social and geographical life of the German Empire. Opposing the ‘völkisch’ (folkish) ideology found in Wilhelmine architectural discourses, Scheerbart offers readers transnational and transcultural perspectives through a humorous form of ideological fiction.

Keywords: Paul Scheerbart, German literature, modernism, architecture, life reform movements, ideology, humor

1 Von Babylon ins Weltall: Architektonische Alternativen

Der Weltraum-Dichter Paul Scheerbart (1863–1915) hatte eine Vorliebe für den alten Orient. Neben arabischen Novellen und einem Haremsroman mit dem Titel Der Tod der Barmekiden (1897) zählt zu seinem literarischen Werk auch eine Reihe kürzerer Texte, die in Vorderasien angesiedelt sind. Die kleine Erzählung Tempel und Paläste (1911/12), im Untertitel als Babylonische Hof-Novellette ausgegeben und erstmals in der expressionistischen Zeitschrift Der Sturm abgedruckt, ließe sich leicht als folgenloser Ausflug in den literarischen Historismus unterschlagen.1 Sie demonstriert jedoch exemplarisch einen Zusammenhang,...

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