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Sprachliche Höflichkeit bei Jugendlichen

Empirische Untersuchungen von Gebrauchs- und Verständnisweisen im Schulalter

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Eva Neuland, Benjamin Könning and Elisa Wessels

Der Band präsentiert die Gesamtergebnisse des Wuppertaler DFG-Forschungsprojekts zu sprachlicher Höflichkeit bei Jugendlichen an der Schnittstelle von linguistischer Höflichkeits- und Jugendsprachforschung. Anhand von Tonaufzeichnungen in Unterrichts- und Pausensituationen und dem Einsatz von Fragebögen bei 1200 Jugendlichen und 170 Lehrkräften können ausgewählte Gebrauchs- und Verständnisweisen sprachlicher Höflichkeit und Unhöflichkeit bei Jugendlichen im Schulalter analysiert werden. Das Buch liefert insbesondere neue Erkenntnisse über Erscheinungsweisen jugendtypischer Höflichkeit und über soziolinguistische Differenzen zwischen Geschlechtern, Altersstufen und Schultypen sowie Adressatendifferenzierungen.

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I. Zur Aktualität des Themas in öffentlichen Diskussionen

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1. Kritik mangelnder Höflichkeit aus der Außensicht

Höflichkeit und mehr noch Unhöflichkeit sind seit einigen Jahren ein aktuelles und zunehmend brisantes Thema in öffentlichen Debatten, in der Ratgeberliteratur und im Kontext von Bildung und Unterricht. Neue Herausforderungen für Höflichkeit und Respekt stellen sich mit gesellschaftlichen, v. a. medialen Entwicklungen eines neuen ‚Grobianismus‘ in traditionellen Fernsehformaten (v.a. Talkshows), Kultfilmen (z.B. Fack ju Göhte), in Rundfunksendungen zur „Kultur der Unhöflichkeit“ (Deutschlandfunk: 24.1.2014), Presseberichten über Verbote von Schimpfwörtern an Schulen (Westfalenpost: 28.5.2014) und über die Belastung des Lehrerberufs durch Gewalt von Schülerseite (vgl. Schule heute: 15.11.2016). Auch die Netiquette-Diskussionen in den neuen Medien verweisen auf die Aktualität der Fragestellung, so zuletzt in der Hate Speech-Debatte. Weniger spektakuläre Entwicklungen zunehmender Multikulturalität und kulturdifferenter Verhaltensnormen gerade auch in Schulklassen sowie der Internationalisierung in vielen Lebensbereichen (Ferienreisen, Schüleraustausch u.a.m.) unterstreichen die gesellschaftliche Relevanz solcher Diskussionen über zeitgemäße Vorstellungen und Ausdrucksformen von Höflichkeit und Unhöflichkeit. Die Aktualisierungen der Reflexionen über Höflichkeit in alltags- und bildungssprachlichen Diskursen haben alte Rufe nach ‚Kopfnoten‘ für Betragen in Schulen erneuert und fordern Benimmkurse für Kinder und Jugendliche sowie einen ‚Knigge für junge Leute von heute‘. Das soziale und berufliche Prestige von ‚gutem Benehmen‘ wurde zuletzt in einer soziologischen Studie (Protsch / Solga 2015) empirisch nachgewiesen. Unter dem Titel Grüßen statt Mathe. Gute Kopfnoten sind Betrieben wichtiger als fachliche Leistungen wurde das Ergebnis auch in den...

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