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Sprachliche Höflichkeit bei Jugendlichen

Empirische Untersuchungen von Gebrauchs- und Verständnisweisen im Schulalter

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Eva Neuland, Benjamin Könning and Elisa Wessels

Der Band präsentiert die Gesamtergebnisse des Wuppertaler DFG-Forschungsprojekts zu sprachlicher Höflichkeit bei Jugendlichen an der Schnittstelle von linguistischer Höflichkeits- und Jugendsprachforschung. Anhand von Tonaufzeichnungen in Unterrichts- und Pausensituationen und dem Einsatz von Fragebögen bei 1200 Jugendlichen und 170 Lehrkräften können ausgewählte Gebrauchs- und Verständnisweisen sprachlicher Höflichkeit und Unhöflichkeit bei Jugendlichen im Schulalter analysiert werden. Das Buch liefert insbesondere neue Erkenntnisse über Erscheinungsweisen jugendtypischer Höflichkeit und über soziolinguistische Differenzen zwischen Geschlechtern, Altersstufen und Schultypen sowie Adressatendifferenzierungen.

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II. Das Thema in der Schnittstelle von linguistischer Höflichkeitsforschung und Jugendsprachforschung

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1. Jugendsprachen

Eine linguistische Jugendsprachforschung hat sich im deutschsprachigen Raum erst seit den 1970er Jahren entwickelt. Ihre Anfänge waren durch noch unsystematische Beobachtungen lexikalischer Auffälligkeiten gekennzeichnet (u.a. Heinemann 1989). Mit der Studie von Henne (1986) wurden auch pragmatische Aspekte einbezogen. Schon bald meldeten sich kritische Stimmen am Universalitätsanspruch der Sprache der Jugend (Gloy u.a. 1985) und mahnten differenziertere Forschungsansätze an. Vor allem in den Untersuchungen von Schlobinski und Mitarbeitern (1993) wurde der Interaktionskontext einbezogen und der Blick auf größere sprachliche Einheiten (Zitationen) gelenkt.

Internationale Tagungen wie die in Wuppertal (Neuland Hrsg. 2003), Zürich (Dürscheid / Spitzmüller Hrsg. 2006) und späterhin Kopenhagen (Jørgensen Hrsg. 2010), Freiburg (Kotthoff / Mertzlufft Hrsg. 2014), Karlsruhe (Spiegel / Gysin Hrsg. 2016) und zuletzt Graz (Ziegler Hrsg. 2018) erweiterten das konzeptionelle und methodische Spektrum der linguistischen Jugendsprachforschung beträchtlich.

Die Erweiterung des Gegenstandsfelds und eine Vielfalt von Methoden erscheinen als Haupttendenzen einer Zwischenbilanz zum aktuellen Forschungsstand (Neuland 2018, Kap. II.5). Die zahlreichen Detailstudien zu wesentlichen Merkmalen und Funktionsweisen des Sprachgebrauchs Jugendlicher liefern eine Fülle von Einzelbeobachtungen oft zu spezifischen subkulturellen Stilen Jugendlicher, die fast kaum mehr durch bestimmte Parameter strukturiert und verallgemeinert beschrieben und geordnet werden können. Wenn aber „Jugendsprache“ nicht in ein Gegenstandsfeld von Gruppensprache, Szenesprache, Straßen- oder Stadtsprache, Medienkommunikation aufgehen will, muss Typizität in der Heterogenität, also das je jugendtypische herausgearbeitet werden. Dies kann z.B. durch die Altersbeschränkung der Probanden...

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