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Sprachliche Höflichkeit bei Jugendlichen

Empirische Untersuchungen von Gebrauchs- und Verständnisweisen im Schulalter

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Eva Neuland, Benjamin Könning and Elisa Wessels

Der Band präsentiert die Gesamtergebnisse des Wuppertaler DFG-Forschungsprojekts zu sprachlicher Höflichkeit bei Jugendlichen an der Schnittstelle von linguistischer Höflichkeits- und Jugendsprachforschung. Anhand von Tonaufzeichnungen in Unterrichts- und Pausensituationen und dem Einsatz von Fragebögen bei 1200 Jugendlichen und 170 Lehrkräften können ausgewählte Gebrauchs- und Verständnisweisen sprachlicher Höflichkeit und Unhöflichkeit bei Jugendlichen im Schulalter analysiert werden. Das Buch liefert insbesondere neue Erkenntnisse über Erscheinungsweisen jugendtypischer Höflichkeit und über soziolinguistische Differenzen zwischen Geschlechtern, Altersstufen und Schultypen sowie Adressatendifferenzierungen.

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IV. Gebrauchs- und Verständnisweisen sprachlicher Höflichkeit bei Jugendlichen

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1. Höflichkeit und Respekt

1.1 Verständnisweisen bei Jugendlichen und bei Lehrkräften

Die Daten aus den Fragebögen für Schüler sowie für Lehrkräfte zum Begriffsverständnis von Höflichkeit unterscheiden sich durchaus bedeutsam. Dies zeigt, dass ein wertendes Alltagskonzept (Ethnokategorie) abhängig von der jeweiligen sozialen Rahmung, von Generationendifferenzen und professionellen Rollen sein kann. Auf die Relevanz des relationalen Verhältnisses von Höflichkeit zur sozialen, kulturellen und historischen Rahmung sowie zur Aushandlung des Konzeptes in der jeweiligen Gesprächssituation weist u.a. Locher (2017: 79f.) hin.

Schon in den Befunden der Shell Jugend-Studie 2015 finden sich Werthaltungen wieder, die auch in Bezug zu den Bedeutungsangaben zur Höflichkeit in unserer Erhebung aufschlussreich sind und veranschaulichen, dass Respekt, Anerkennung oder Toleranz durchaus bedeutsame Kategorien für Jugendliche darstellen:

- Gute Freunde haben, die einen anerkennen (97%: Wichtig; 1% Teils, teils; 1% Weiß nicht / keine Angabe) (Gensicke 2015: 239)

- Auch Meinungen tolerieren, denen man eigentlich nicht zustimmen kann (56%: Wichtig; 21%: Teils, teils; 20 %: Unwichtig; 3%: Weiß nicht / keine Angabe) (Ebd.: 243)

- Die Vielfalt der Menschen anerkennen und respektieren (82%: Wichtig (hiervon 60 % als besonders wichtig); 12% Teils, teils; 1% Weiß nicht / keine Angabe) (Ähnlich wie in unseren Daten ergibt die Differenzierung nach Geschlechtern, dass weibliche Jugendliche dieser Werteorientierung stärker zustimmen.) (Ebd.: 249).

Calmbach/Borgstedt heben in ihrer Studie den Respekt als besonderes...

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