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Untersuchungen zum Urslavischen: Einleitende Kapitel, Lautlehre, Morphematik

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Georg Holzer

Gegenstand dieses Buches ist das um ca. 600 n. Chr. gesprochene Urslavische. Nach der historischen und geographischen Einordnung und der Bestimmung der soziolinguistischen Funktion dieser Sprache behandelt das Buch theoretisch und empirisch die Frage ihrer Einheitlichkeit. Es folgt die hauptsächlich auf die Lehnbeziehungen des mittelalterlichen Slavischen gestützte Rekonstruktion der Phonetik des Urslavischen und der Lautung und Akzentuierung urslavischer Wörter. Danach werden Bereiche der Morphologie des Urslavischen, insbesondere der Wortbildung, detailliert behandelt, wobei im Wesentlichen auf die Methoden der „generativen Phonologie" zurückgegriffen wird. Auch da wird die urslavische Akzentologie konsequent mitberücksichtigt.

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§ 7. Im Urslavischen war der Umlaut noch nicht vollzogen.

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Zu diesem Wandel und seiner Chronologie siehe H98a: 61, H01a: 39 § 15, H07b: 51-52 § 2, H11b: 43-44 § 2; zu seiner phonologischen Auswirkung Stadnik-←68 | 69→Holzer 2014: 1533-1534. Der Umlaut bestand im Wandel nach palatalen Konsonanten stehender velarer Vokale zu palatalen Vokalen: u > i, ū > ī, a > e, ā > ē. An palatalen Konsonanten, die vor velaren Vokalen vorkommen konnten, gab es damals nur j, t´, d´, ś. Im Zuge des Umlauts blieben die Quantität und der Geschlossenheitsgrad der Vokale jeweils erhalten.

Zu einer Datierung des Umlauts in nachurslavische Zeit könnten folgende Entlehnungen Anlass geben: ¶ Lat. Sancta Maria > rom. *Sançta Mar’a > ursl. *San(˙)çtamarja «Sǫtomoŕe» > nachursl. *Santamarje > *Sǭtomor’e > mtngr. Sȕtomore (Ortsname). ¶ Lat. *Sancta Marīa > rom. *Sançta Marīa > ursl. *San(˙)çtamarija «Sǫtomorьje» > nachursl. *Sǭtomorьje > čak. oder altštok. Sutomȏrje (Flurname). Da ließe sich aber entgegenhalten, dass auch nach dem Umlaut entlehntes rom. -ja zu slav. -je hätte werden können, und zwar in beiden Varianten des Namens im Zuge einer Angleichung an die durch den Umlaut entstandene Phonotaktik und in der ersten Variante außerdem durch volksetymologische Anlehnung an das slavische Wort für ‘Meer’. ¶ Zum unbrauchbaren Beispiel ursl. *stjū˙ru ‘amaranthus, mercurialis’ siehe im „Glossar der Entlehnungen“ s. v.

Eine Datierung des Umlauts in nachurslavische Zeit ergibt sich aber auch, und zwar viel zuverlässiger, daraus, dass der Umlaut von...

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