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Et in Arcadia ego. Rom als deutscher Erinnerungsort

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Edited By Joanna Jabłkowska and Karolina Sidowska

Dieses Buch bezeugt eine fortwährende Faszination für die Ewige Stadt, nicht nur in vergangenen Epochen der Klassik und Romantik, sondern auch in der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur – unter anderen bei Wolfgang Koeppen, Ingeborg Bachmann, Rolf Dieter Brinkmann, Hanns-Joseph Ortheil, Uwe Timm und Josef Winkler. Rom bleibt ein wichtiges Ziel für (Bildungs-)Reisen, Ort für Stipendienaufenthalte (Villa Massimo) und ist stets Quelle der abendländischen Kultur im europäischen Bewusstsein. Die Auseinandersetzung mit dieser Tradition, vor allem mit Goethes kulturprägenden Bildern aus der Italienischen Reise, mit der realen Stadtlandschaft und ihrer Ikonographie in der Pop-Kultur verläuft in der Gegenwartsliteratur oft kritisch und dient nicht zuletzt der Reflexion über eigene private oder nationale Ansprüche und Identitäten.

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Heiliges Römisches Totenreich. Alexander Lernet-Holenias Der Graf Luna (1955) – ein österreichisches Traum(A)-Narrativ zwischen KZ und Katakomben: (Clemens Ruthner)

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Clemens Ruthner

Abstract: Der Graf Luna ist ein kleiner und eher wenig beachteter Roman des späteren österreichischen PEN-Clubpräsidenten Alexander Lernet-Holenia aus dem Staatsvertragsjahr 1955. Aus der Perspektive des NS-Traumas und ‚Opfermythos‘ der Zweiten Republik erweist sich der Text aber als hochinteressant, indem er von einer fantastischen Verfolgungsjagd erzählt, die von Wien nach Rom führt: Verfolgt fühlt sich – real oder psychotisch? – der Protagonist, der seinerzeit nach dem ‚Anschluss‘ 1938 den Titelhelden durch Denunziation aus dem Weg geräumt hat; der vermeintlich lebende Tote ‚jagt‘ ihn nun bis in die Katakomben Roms. Der vorliegende Aufsatz untersucht, inwieweit die fantastische Verzerrung des Plots nichts als die Ausdruckform eines Traumas (im postfreudianischen Sinne) ist und welche Funktion das Finale in der Stadt Rom hat.

Schlüsselwörter: Rom, Alexander Lernet-Holenia, Opfermythos, Trauma Studies, Holocaust, Katakomben, österreichische Literatur

Am Dienstag, den 6. Mai vergangenen Jahres, traf ein gewisser Alexander Jessiersky, der sich tags vorher aus Mailand telegraphisch angesagt hatte, in Rom ein und nahm Quartier an der Spanischen Treppe. Er meldete sich als österreichischer Staatsbürger, geboren 1911, und schrieb ein, daß er verwitweten Standes sei. […] Am 7. vormittags belegte er im Bureau der LIT […] eine Überfahrt auf der ‚Aosta‘ […] nach Buenos Aires […]. Am 7. nachmittags besuchte er verschiedene Sehenswürdigkeiten im Süden Roms, darunter auch die Appische Straße.1

Die ersten Sätze von Alexander Lernet-Holenias (1897–1976) Roman Der Graf Luna (1955) deuten zunächst auf nichts Außergew...

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