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Et in Arcadia ego. Rom als deutscher Erinnerungsort

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Edited By Joanna Jabłkowska and Karolina Sidowska

Dieses Buch bezeugt eine fortwährende Faszination für die Ewige Stadt, nicht nur in vergangenen Epochen der Klassik und Romantik, sondern auch in der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur – unter anderen bei Wolfgang Koeppen, Ingeborg Bachmann, Rolf Dieter Brinkmann, Hanns-Joseph Ortheil, Uwe Timm und Josef Winkler. Rom bleibt ein wichtiges Ziel für (Bildungs-)Reisen, Ort für Stipendienaufenthalte (Villa Massimo) und ist stets Quelle der abendländischen Kultur im europäischen Bewusstsein. Die Auseinandersetzung mit dieser Tradition, vor allem mit Goethes kulturprägenden Bildern aus der Italienischen Reise, mit der realen Stadtlandschaft und ihrer Ikonographie in der Pop-Kultur verläuft in der Gegenwartsliteratur oft kritisch und dient nicht zuletzt der Reflexion über eigene private oder nationale Ansprüche und Identitäten.

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Rom – Morbide Stadt. Ruinöse Größen als Geschichts- und Seelenlandschaft. Joachim du Bellay, Wolfgang Koeppen, Peter Greenaway: (Torsten Voß)

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Torsten Voß

Abstract: Ausgehend von Joachim du Bellays Sonettenzyklus Les Antiquités de Rome aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, zeichnet der Beitrag eine gebrochene Perspektivierung der Stadt Rom aus den frühen Denkgebäuden einer negativen und skeptischen Teleologie, festgemacht an der tropologisch-allegorischen Figur der Ruine als Manifestation einer aus dem Geiste der Melancholie geborenen Erinnerungspraxis, nach. In der Renaissancelyrik du Bellays noch stark objektivierend auf den Lauf der Geschichte bezogen, wird die ruinöse Größe in der modernen Literatur und im postmodernen Film, so in Wolfgang Koeppens Der Tod in Rom und Peter Greenaways Der Bauch des Architekten, zum Reflektor und Medialisierungsvehikel gescheiterter Existenzen.

Schlüsselwörter: Rom, Joachim du Bellay, Wolfgang Koeppen, Peter Greenaway, morbide Stadt, Ruine, Erinnerung



„Et ces vieux murs, c’est ce que Rome on nomme.” [All diese Trümmer: das nennt Rom man heute.] Joachim du Bellay [Friedhelm Kemp]

„Der Mensch hat sich in Rom gefangen.“

Wolfgang Koeppen

Rom erscheint in der Literatur- und Kulturgeschichte nicht nur als Identität stiftendes Arkadien und Künstlerparadies in der Manier Goethes und Stendhals oder als Renaissance anthropozentrischen Selbstbewusstseins im Gewand der antiken Mythologie (Rehm 1930 bzw. 1960),1 sondern immer wieder auch als paradoxal organisierte Phantasmagorie ruinöser Größe. Noch vor dem dekadenten Motiv der morbiden oder auch toten Stadt,2 wie es in der Literatur ←127 | 128→exemplarisch an Venedig (Thomas Mann, Gabriele D’Annunzio, Maurice Barrès), Brügge...

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