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Subjekt und Liminalität in der Gegenwartsliteratur

Band 8.2: Schwellenzeit – Gattungstransitionen – Grenzerfahrungen; Sergej Birjukov zum 70. Geburtstag

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Edited By Matthias Fechner and Henrieke Stahl

Liminalität ist ein Signum der Gegenwart. Die neuere Literatur, insbesondere die Lyrik, nimmt seismographisch liminale Phänomene der Gegenwart wahr und bildet vielfältige liminale Formen und Funktionen aus. Zentral betroffen ist das sprechende Subjekt, das in Transition versetzt wird: Zersetzung, Auflösung, Fluidität, aber auch Transparenz und Transformation öffnen seine Grenzen zum Anderen: zu den Mitmenschen, der Natur oder auch der Transzendenz. Der vorliegende Band vereint Aufsätze, die Liminalität in Bezug auf Schwellenzeit als conditio historiae der Gegenwart, auf Gattungstransitionen und auf Grenzerfahrungen des Subjekts behandeln. Der Schwerpunkt liegt auf russisch- und deutschsprachigen Gedichten. Darüber hinaus werden weitere slavische und ostasiatische Literaturen einzeln und komparatistisch behandelt sowie andere Gattungen, intermediale Formen und philosophische Perspektiven einbezogen.

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Liminale Entwicklungen. Ein Blick auf die Darstellung ökonomischer Zusammenhänge in der deutschsprachigen Literatur. Vom Sturm und Drang bis zur Gegenwart

Liminale Entwicklungen. Ein Blick auf die Darstellung ökonomischer Zusammenhänge in der deutschsprachigen Literatur: vom Sturm und Drang bis zur Gegenwart

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Matthias Fechner (Trier)

Die Literatur gleicht einem breiten Fluss, den uns die großen Werke zu ihrer Geschichte sicher hinauftragen. Ihre Epochen – Romantik, Klassik oder Vormärz – steuern Martini, Frenzel, Beutin oder die vielbändige Reihe de Boors dabei an wie vertraute Häfen.1 Dort können sich die Rezipienten informieren, bei gut eingeführten, kompetent empfohlenen Autoren und ihren Werken. Vom sicheren Kurs abweichen aber möchten die meisten nur selten. Dabei kann man, um Hermann Hesse zu zitieren, „diese Geschichte […] auch ganz anders auffassen […] als die Lehrer es tun, und meistens haben sie dann einen viel besseren Sinn.“2

In genau diesem Sinn ist es möglich, den literaturgeschichtlichen Blick auch auf gerne übersehene thematische Fragen zu richten; formale Qualität, Rezeption, insbesondere wissenschaftliche Tradierung dabei, soweit erträglich, manchmal etwas vernachlässigend. In der Beschäftigung mit Aspekten wie ‚Natur‘, ‚Gender‘ oder auch ‚Ökonomie‘ entstehen Verwerfungen, sogar Umschichtungen, an deren metamorphosierenden Rändern, mithin im Bereich der Liminalität einer Gesellschaft, andere Autorinnen und Autoren sichtbar werden, sich unsere Perspektive auf manches Werk, manche Epoche der Literaturgeschichte verändern kann.3

Eine solche, thematische Frage entsteht mit einem Blick auf die Darstellung ökonomischer Zusammenhänge und Abhängigkeiten in der Literatur. Die Fragestellung konkretisiert sich in der Ergründung, warum und wie sich die Protagonisten, aber auch die ökonomisch orientierten Themen vornehmlich in der Prosa, zu einem geringeren Anteil in Drama und Lyrik, im Laufe der li←41 | 42→teraturgeschichtlichen Epochen ver...

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