Show Less
Restricted access

Subjekt und Liminalität in der Gegenwartsliteratur

Band 8.2: Schwellenzeit – Gattungstransitionen – Grenzerfahrungen; Sergej Birjukov zum 70. Geburtstag

Series:

Edited By Matthias Fechner and Henrieke Stahl

Liminalität ist ein Signum der Gegenwart. Die neuere Literatur, insbesondere die Lyrik, nimmt seismographisch liminale Phänomene der Gegenwart wahr und bildet vielfältige liminale Formen und Funktionen aus. Zentral betroffen ist das sprechende Subjekt, das in Transition versetzt wird: Zersetzung, Auflösung, Fluidität, aber auch Transparenz und Transformation öffnen seine Grenzen zum Anderen: zu den Mitmenschen, der Natur oder auch der Transzendenz. Der vorliegende Band vereint Aufsätze, die Liminalität in Bezug auf Schwellenzeit als conditio historiae der Gegenwart, auf Gattungstransitionen und auf Grenzerfahrungen des Subjekts behandeln. Der Schwerpunkt liegt auf russisch- und deutschsprachigen Gedichten. Darüber hinaus werden weitere slavische und ostasiatische Literaturen einzeln und komparatistisch behandelt sowie andere Gattungen, intermediale Formen und philosophische Perspektiven einbezogen.

Show Summary Details
Restricted access

Das Subjekt als Sprache an der Grenze zum Nichts in der Erzählung „Mediterraner Krieg“ von Andrej Levkin

Das Subjekt als Sprache an der Grenze zum Nichts in der Erzählung „Mediterraner Krieg“ von Andrej Levkin

Extract

Juliana Kaminskaja (Sankt-Petersburg)

Dieses Land wird deines, sobald du es zur

Kenntnis genommen hast.

(A. Levkin: Mediterraner Krieg).1

1. Ein Sprung über den eigenen Schatten

Baut man etwas an einer Grenze auf, so wird schnell bewusst, dass die Grenze nicht einfach nur eine deutliche Linie auf der Karte ist. Es ist ein Boden, ein Zwischenraum, in dem man leben kann. Und wenn man sich dort ansiedelt, ist die Grenze ein Land zwischen den Ländern, ein neutraler Streifen zwischen zwei Staaten. Von innen gesehen, ist es dann keine Grenze mehr, sie schwindet.

Etwas Ähnliches wird auch im literarischen Geschehen um die Jahrtausendwende sichtbar, das unterschiedliche Kulturen im Wesentlichen zusammenzubringen scheint. Ob deutliche Grenzen existieren, ist eine Frage des Standpunktes. Die Standpunkte, von denen aus ein wichtiger Teil der Literatur sich und die restliche Welt betrachtet, befinden sich in unserer Zeit offensichtlich häufig in Zwischenräumen. Also erscheinen viele Grenzen als verschwommene Bereiche.

Seit langem und auf eine reiche Tradition bauend, verschmelzen die Kunst und die sogenannte nicht-künstlerische Realität, einzelne Künste, Literatur für Kenner und Literatur für alle, Poesie und Prosa, Gattungen, Figuren in modernistisch und postmodernistisch orientierten Werken.2 Diese Feststellung gehört inzwischen zu einem Standardrepertoire der kulturhistorischen Studien über die zeitgenössischen Künste.3 Fragt man sich, wohin←385 | 386→dieser Weg die Literatur führen könnte, so sind – trotz der langen Beobachtungszeit – immer noch keine wirklich...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.