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Hebammen, Ärzte und ihr ‚Rosengarten‘

Ein medizinisches Handbuch und die Umbrüche in der Obstetrik des 15. und 16. Jahrhunderts

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Theresa Hitthaler-Frank

Mit dem Aufkommen der ersten deutschsprachigen Hebammenordnungen ab der Mitte des 15. Jahrhunderts kam es zu Kompetenzverschiebungen innerhalb der Geburtshilfe und zur Kontrolle von Hebammen durch Stadträte und Ärzte. Gleichzeitig erschienen die ersten gedruckten deutschsprachigen Hebammenlehrbücher, die von männlichen Autoren explizit an Frauen und Geburtshelferinnen adressiert wurden. ‚Der Swangern Frauwen vnd hebam(m)en Rosegarten‘ (1513) von Eucharius Rösslin beantwortet Fragen zur Praxistauglichkeit der Lehrbücher und zeigt die Rolle männlicher Mediziner und Praktiker innerhalb der Geburtshilfe auf. Diese Forschungsarbeit beleuchtet neben dem Hebammenwesen am Beginn seiner Professionalisierung auch den Buchdruck und seine Rolle bei der Verbreitung obstetrischen Wissens.

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2.2 Professionalisierung der Geburtshilfe

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§ 1 (1) Die Berufsbezeichnung Hebamme darf nur von Personen geführt werden, die auf Grund dieses Bundesgesetzes zur Ausübung des Hebammenberufes berechtigt sind. Sie gilt für weibliche und männliche Berufsangehörige.

§ 2 (1) Der Hebammenberuf umfasst die Betreuung, Beratung und Pflege der Schwangeren, Gebärenden und Wöchnerin, die Beistandsleistung bei der Geburt sowie die Mitwirkung bei der Mutterschafts- und Säuglingsfürsorge.

§ 3 (1) Jede Schwangere hat zur Geburt und Versorgung des Kindes eine Hebamme beizuziehen. (2) Ist die Beiziehung einer Hebamme bei der Geburt selbst nicht möglich, so hat die Wöchnerin jedenfalls zu ihrer weiteren Pflege und der Pflege des Säuglings unverzüglich eine Hebamme beizuziehen.57

Dieser Auszug aus dem österreichischen Hebammengesetz umreißt kurz und verständlich die Aufgaben und Pflichten einer modernen Hebamme. Schwangere Frauen haben während und nach der Geburt ein Anrecht auf sowie die Pflicht zur Beiziehung und Inanspruchnahme professioneller Hilfe durch eine ausgebildete Hebamme oder einen Geburtshelfer. Bei der weiteren Lektüre des Hebammengesetzes wird deutlich, dass das Berufsbild, die Rechte und Pflichten einer Hebamme klar und detailliert geregelt sind. In dieser Arbeit soll kein Vergleich zwischen der gegenwärtigen Situation und der des Spätmittelalters angestellt werden. Trotzdem ist anzumerken, dass bei der Gegenüberstellung der herausgegriffenen, aber auch zahlreicher, weiterer Paragraphen des österreichischen Hebammengesetzes mit der ältesten erhaltenen deutschsprachigen Hebammenordnung aus dem Jahr 1452 Parallelen zu finden sind.58

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Mit dem...

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