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Hebammen, Ärzte und ihr ‚Rosengarten‘

Ein medizinisches Handbuch und die Umbrüche in der Obstetrik des 15. und 16. Jahrhunderts

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Theresa Hitthaler-Frank

Mit dem Aufkommen der ersten deutschsprachigen Hebammenordnungen ab der Mitte des 15. Jahrhunderts kam es zu Kompetenzverschiebungen innerhalb der Geburtshilfe und zur Kontrolle von Hebammen durch Stadträte und Ärzte. Gleichzeitig erschienen die ersten gedruckten deutschsprachigen Hebammenlehrbücher, die von männlichen Autoren explizit an Frauen und Geburtshelferinnen adressiert wurden. ‚Der Swangern Frauwen vnd hebam(m)en Rosegarten‘ (1513) von Eucharius Rösslin beantwortet Fragen zur Praxistauglichkeit der Lehrbücher und zeigt die Rolle männlicher Mediziner und Praktiker innerhalb der Geburtshilfe auf. Diese Forschungsarbeit beleuchtet neben dem Hebammenwesen am Beginn seiner Professionalisierung auch den Buchdruck und seine Rolle bei der Verbreitung obstetrischen Wissens.

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3.2 Werkgeschichte und Autor

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Das als das erste gedruckte deutschsprachige Hebammenlehrbuch in die Geschichte der Geburtshilfe eingegangene Lehrwerk wurde von Eucharius Rösslin dem Älteren Anfang des 16. Jahrhunderts kompiliert und in Folge mehrfach aufgelegt, sodass sich der ‚Rosengarten‘ in kurzer Zeit im deutschsprachigen Raum, aber auch darüber hinaus, rasch verbreitete. Bis ins 18. Jahrhundert zählte es zu den wichtigsten Werken der Geburtshilfe, Neuauflagen und Rückgriffe auf Rösslins Ausführungen in neueren Lehrwerken bezeugen das.150

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Eucharius Rösslin wurde um 1470 in der Nähe von Freiburg im Breisgau geboren, seine Ausbildung bestand aus den septem artes liberales sowie einem Medizinstudium. Von 1493 bis 1498 war er als Apotheker in Freiburg tätig, 1504 wurde er allerdings aufgrund eines gewaltsamen Streits mit einem Stadtschreiber der Stadt verwiesen. Daraufhin nahm Rösslin als Nachfolger von Johann Wonnecke von Kaub151 die Stelle des Stadtarztes von Frankfurt am Main an; dieser Arbeit konnte er bis zu seinem Tod im Jahre 1526 nachgehen. Da er zwischenzeitlich (1511–1517) aus dem reichsstädtischen Dienst ausschied, arbeitete Rösslin 1513 auch als Stadtarzt von Worms.152 In seiner Zeit als Stadtarzt von Frankfurt behandelte er unter anderem auch Katharina von Sachsen, Herzogin von Braunschweig-Lüneburg153, welche ihn, nach eigenen Angaben, für sein späteres Werk ermutigt und angeregt haben soll. Der Erstdruck von ‚Der Swangern Frauwen vnd hebam(m)en Rosegarten‘ erschien im Februar oder März 1513 bei dem Drucker Martin Flach in Straßburg.154

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