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Hebammen, Ärzte und ihr ‚Rosengarten‘

Ein medizinisches Handbuch und die Umbrüche in der Obstetrik des 15. und 16. Jahrhunderts

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Theresa Hitthaler-Frank

Mit dem Aufkommen der ersten deutschsprachigen Hebammenordnungen ab der Mitte des 15. Jahrhunderts kam es zu Kompetenzverschiebungen innerhalb der Geburtshilfe und zur Kontrolle von Hebammen durch Stadträte und Ärzte. Gleichzeitig erschienen die ersten gedruckten deutschsprachigen Hebammenlehrbücher, die von männlichen Autoren explizit an Frauen und Geburtshelferinnen adressiert wurden. ‚Der Swangern Frauwen vnd hebam(m)en Rosegarten‘ (1513) von Eucharius Rösslin beantwortet Fragen zur Praxistauglichkeit der Lehrbücher und zeigt die Rolle männlicher Mediziner und Praktiker innerhalb der Geburtshilfe auf. Diese Forschungsarbeit beleuchtet neben dem Hebammenwesen am Beginn seiner Professionalisierung auch den Buchdruck und seine Rolle bei der Verbreitung obstetrischen Wissens.

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4.2.4 Sachkommentar zu den Inhalten der Notizen

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Alle neun Blätter mit handschriftlichen Notizen konnten im Rahmen der Edition eindeutig datiert werden; der Schreiber vermerkte an zwei unterschiedlichen Stellen ein identisches Datum: 24. November 1554.222 Somit liegt die Annahme nahe, dass alle Notizen am gleichen Tag, 25 Jahre nach Drucklegung der Ausgabe des ‚Rosengartens‘, angefertigt wurden. Trotz des Charakters von Notizen und Beifügungen verzichtete der Verfasser nicht auf die durchgehende Verwendung von ganzen Sätzen, nur selten finden sich stichwortartige Passagen. Der Autor ging dabei sehr systematisch vor: Nur ein einziger Absatz endet nicht mit der Phrase „Vale in Cristo (Jesu Amen)“223.

Inhaltlich wurden vor allem Komplikationen und Schwierigkeiten, die bei Geburten auftreten könnten, behandelt. Der Autor der Notizen gab Anweisungen zur richtigen Handhabung dieser Leiden und führte Rezepte zur Linderung von Schmerzen, der Voran- und Austreibung der Geburt etc. an. Anzumerken ist, dass sich die am Rande des Drucks hinzugefügten Notizen thematisch mit den Inhalten der jeweiligen Seiten überschneiden oder diese ergänzen. Ein Beispiel hierfür ist die Schilderung und Abbildung eines Kindes „mit mer glideren“224 in Rösslins Druck. Der Verfasser der Notizen vermerkte am Rande des Buches eine aufschlussreiche Information: „Die kindlin sindt / im /. 9. iar 15[0] 9. iar. in ainem dorpf haist erti(n)ge(n) ain halbmil von der stadt sulgau geboren / von / aines mans elichen husfrauen hat gehaissen. Cu(o) nrat / ma(n)dele.“225 Diese Notiz gibt nicht nur Aufschluss darüber, dass...

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