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Strategien des Begehrens: Homotextualität in der deutschen und mexikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts

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Raquel Soledad López Torres

Im Rahmen der Gender und Cross Cultural Studies vergleicht die mexikanische Germanistin Raquel Soledad López Torres im Ausgang von Jacob Stockingers Ansatz zur Analyse von ‹Homotextualität› Werke deutscher und mexikanischer Autoren des 20. Jahrhunderts – Bruno Vogel, Hubert Fichte, Detlev Meyer, Luis Zapata, Raúl Rodríguez Cetina und Luis González de Alba – im Hinblick auf die interkulturell und ‹homotextuell› unterschiedliche literarische Verarbeitung ihrer eigenen sexuellen Identität. Das besondere Augenmerk der Verfasserin gilt dabei nicht nur der Homosexualität als eines literar-ästhetischen Sujets, sondern auch den sozial-historischen Bedingungen, unter denen die Autoren ein zu ihrer Zeit tabuisiertes Thema in ihren verschiedenen Kulturen angesprochen haben. Exemplarisch stellt sie in ihrer Untersuchung jeweils die Modellierung der Figur zweier schwuler Soldaten, die provokative Schreibweise zweier bisexueller Autoren und die (auto-)biographisch heikle Behandlung der Aids-Problematik einander gegenüber. Angesichts der zuletzt vielerorts wieder zunehmenden Homophobie und Xenophobie kommt diese Studie genau zur rechten Zeit, um das Bewusstsein der Leser für die Diskriminierungserfahrung von Minderheiten zu schärfen.

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1 Einleitung

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Ein Teil des Interesses für das Thema Homosexualität1 und Literatur hat mit persönlichen Erlebnissen zu tun. Die Idee entstand, nachdem die Autorin immer wieder Berichte in der Presse über Angriffe gegen die LGBTI-Gemeinschaft gelesen hat. Beispielsweise wurde am 10. August 2019 der 21-jährige schwule Aktivist Miguel Ángel Medina Lara südwestlich von Mexiko missbraucht und brutal ermordet. Sowohl die regionale als auch die nationale Exekutive Mexikos zeigten wie gewohnt ihre Gleichgültigkeit vor dem homophoben Aspekt des Angriffs und weigerten sich, diesen als Hassverbrechen zu bezeichnen.

Gewalt ist also für die LGBTI-Gemeinschaft nicht neu: Erpressungen, Demütigungen, Straftaten, Misshandlungen und Morde gehören zu deren Alltag. Deshalb hat sich die Autorin zum Ziel gesetzt, herauszufinden, was im Kopf eines Menschen vorgehen muss, damit er solch schreckliche Taten begeht. Wie entsteht der Hass gegen das Anderssein?

Andererseits war es interessant, sich mit Homosexualität auseinanderzusetzen, da diese ein relativ neues Forschungsfeld in der Literaturwissenschaft ist. Obwohl das Thema innerhalb der Queer und Gender Studies vor allem in den USA langsam an Bedeutung gewonnen hat, wird immer noch sowohl in Mexiko als auch im deutschsprachigen Raum wenig darüber geforscht und oftmals mit zu wenig Sorgfalt dokumentiert.

Über das Verhältnis von Homosexualität und Literatur erklärt Heinrich Detering (2005: 11), dass dieses nicht neu sei, „sondern schon so alt wie die theoretische Beschäftigung mit Entstehung, Beschaffenheit, Verbreitung der Homosexualität selbst“. Weiterhin gibt er einen Überblick über die...

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