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Gewaltdarstellungen in der Gegenwartsliteratur

Martin Becker

Physische Gewalt ist ein häufiges Motiv in der Literatur. Diese Publikation untersucht die wichtigsten Elemente von Gewaltdarstellungen in der Gegenwartsliteratur und ordnet sie im ersten Teil typologisch. Der zweite Teil widmet sich emotionalen Wirkungspotenzialen von Gewaltdarstellungen und untersucht, wie Gewaltdarstellungen Sympathie, Ekel, Spannung und Komik erzeugen. Der dritte Teil identifiziert an vier Beispielromanen wichtige Themen, die mit den Gewaltdarstellungen verbunden werden. Anhand von Elfriede Jelineks Die Klavierspielerin, Cormack McCarthys Blood Meridian, Bret Easton Ellis‘ American Psycho und Roberto Bolaños 2666 wird gezeigt, dass zeitgenössische Gewaltdarstellungen die Kritik von Gesellschaftsstrukturen und Kontexten von Gewalt mit Sprachreflexion verbinden.

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7 Ekel

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Blut, Wunden, abgetrennte Körperteile, Leichen. Gewaltdarstellungen erzeugen Ekel und damit einhergehend eine heftige Abwehr gegen das Gelesene. Die Literatur kann dem Leser buchstäblich den Magen umdrehen. Über dieses Phänomen gibt es viele Beschreibungen zu Leseerfahrungen, die oft in Form von Rezensionen auch Eingang in das Feuilleton gefunden haben. Schon vor dem Erscheinungsjahr 1991 war beispielsweise American Psycho von Bret Easton Ellis ein Literaturskandal. Nach einer Vorab-Rezension in den Zeitschriften Time und Spy zog der Verlag Simon & Schuster das Buch vom Markt. Im amerikanischen Feuilleton tobte eine heftige Debatte, die dem Autor Frauenfeindlichkeit und Pornografie vorwarf. Die Veröffentlichung fand anschließend bei Random House statt.244

R. Z. Sheppard beschreibt in der Ausgabe der Time vom 29. Oktober 1990 die Gewalt in American Psycho als „the most appalling acts of torture, murder and dismemberment ever described in a book targeted for the best-seller lists. […] Many readers will not have the stomach to get past the middle.”245 Roger Rosenblatt beschreibt in der New York Times ebenfalls seinen Ekel und empfiehlt seinen Lesers einen Boykott des Romans:

Several times, in the middle of some childishly gruesome description of torture or dismemberment, I found myself chuckling with revulsion.246

Beide Rezensenten verwenden Redewendungen, die physisches Unwohlsein und eine Abwehrreaktion beschreiben. Todd Stiles geht noch einen Schritt weiter. Er empfiehlt dem Lektor und den beiden Verlegern von American Psycho, sie mögen bei Ihrem nächsten gemeinsamen Essen in einem New Yorker Sternrestaurant...

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