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Gewaltdarstellungen in der Gegenwartsliteratur

Martin Becker

Physische Gewalt ist ein häufiges Motiv in der Literatur. Diese Publikation untersucht die wichtigsten Elemente von Gewaltdarstellungen in der Gegenwartsliteratur und ordnet sie im ersten Teil typologisch. Der zweite Teil widmet sich emotionalen Wirkungspotenzialen von Gewaltdarstellungen und untersucht, wie Gewaltdarstellungen Sympathie, Ekel, Spannung und Komik erzeugen. Der dritte Teil identifiziert an vier Beispielromanen wichtige Themen, die mit den Gewaltdarstellungen verbunden werden. Anhand von Elfriede Jelineks Die Klavierspielerin, Cormack McCarthys Blood Meridian, Bret Easton Ellis‘ American Psycho und Roberto Bolaños 2666 wird gezeigt, dass zeitgenössische Gewaltdarstellungen die Kritik von Gesellschaftsstrukturen und Kontexten von Gewalt mit Sprachreflexion verbinden.

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9 Komik

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Dass Gewalt komisch wirken kann, passt scheinbar nicht zusammen. Wie kann der Leser darüber lachen, dass in der Fiktion Figuren Leid widerfährt? Und doch finden sich in der Literatur viele Beispiele, deren Gewaltdarstellungen zum Lachen anregen.

Wenn es nicht die Gewalt als Gegenstand ist, die für die Komik verantwortlich ist, so liegt der Verdacht nahe, dass es die Art der Darstellung ist, die darüber entscheidet, ob eine Gewaltdarstellung komisch sein kann.

Zunächst einmal kann man Komik allgemein als eine Eigenschaft verstehen, die Texten zugeschrieben wird, „wenn sie eine belustigende Wirkung haben“,326 wie Tom Kindt im Handbuch Komik schreibt. Was Literatur nun komisch wirken lässt, darüber gibt es in der Literaturwissenschaft keine einheitliche Definition.327

In Anlehnung an die in Kapitel 5 angestellten Prämissen zum emotionalen Wirkungspotenzial sollen hier Überlegungen aus den sogenannten Inkongruenztheorien im Mittelpunkt stehen. Diese beschreiben Komik als „Gleichzeitigkeit zweier inkompatibler Bezugsrahmen“.328 Wirth nennt als Vertreter dieser Theorie Arthur Schopenhauer, der in Die Welt als Wille und Vorstellung davon ausgehe, dass

jede Erkenntnisleistung das Ergebnis der Subsumtion von Gegenständen der Anschauung unter Begriffe ist. Komische Effekte stellen sich ein, sobald diese Subsumtionen nicht mehr reibungslos möglich sind. Wir lachen über die „Unangemessenheit“ einer „paradoxen und daher unerwarteten Subsumtion“ [Zitat Schopenhauer329].330

Die Komiktheorie hat sich immer wieder um eine Präzisierung dieses Gedankens bemüht.

Brian Boyd unterstreicht aus evolutionsbiologischer Sicht die Wichtigkeit...

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