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Gewaltdarstellungen in der Gegenwartsliteratur

Martin Becker

Physische Gewalt ist ein häufiges Motiv in der Literatur. Diese Publikation untersucht die wichtigsten Elemente von Gewaltdarstellungen in der Gegenwartsliteratur und ordnet sie im ersten Teil typologisch. Der zweite Teil widmet sich emotionalen Wirkungspotenzialen von Gewaltdarstellungen und untersucht, wie Gewaltdarstellungen Sympathie, Ekel, Spannung und Komik erzeugen. Der dritte Teil identifiziert an vier Beispielromanen wichtige Themen, die mit den Gewaltdarstellungen verbunden werden. Anhand von Elfriede Jelineks Die Klavierspielerin, Cormack McCarthys Blood Meridian, Bret Easton Ellis‘ American Psycho und Roberto Bolaños 2666 wird gezeigt, dass zeitgenössische Gewaltdarstellungen die Kritik von Gesellschaftsstrukturen und Kontexten von Gewalt mit Sprachreflexion verbinden.

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10 Elfriede Jelinek: Die Klavierspielerin

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Der Roman Die Klavierspielerin erzählt von Erika Kohut, deren Mutter sie zur Pianistin erziehen wollte. Die Tochter scheiterte aber an dieser Karriere und fristet nun ihr Dasein als Klavierlehrerin am Wiener Konversatorium. Die Erziehung der Mutter zeichnete sich durch besondere Strenge aus, die vor allem Ablenkung in Form von Lust und Sexualität von ihrer Tochter fernzuhalten wünschte. Erika gelingt es nicht, sich von ihrer Mutter zu emanzipieren, mit der sie sich selbst als erwachsene Frau noch ein Bett teilt. Ihre Sexualität reduziert sich auf Selbstverstümmelung und Voyeurismus. Diese negative Einstellung zur eigenen Sexualität tritt im Roman deutlich in der Beziehung zu ihrem Schüler Walter Klemmer zutage. Sie ist nicht in der Lage, dem Frauenbild zu entsprechen, das dieser von ihr erwartet. In einem Brief an ihn beschreibt sie sadomasochistische Fantasien, die den Schüler überfordern. Der sexuell frustrierte Walter Klemmer vergewaltigt sie, woraufhin Erika Zur Relevanz des Syzu ihrer Mutter zurückkehrt.

Auf den ersten Blick scheint der Roman psychologische Einblicke in die Entwicklung einer narzisstischen Figur zu offenbaren, aber schon der Nachname Kohut383 verweist darauf, dass der Roman psychoanalytische Diskurse nicht nur verwendet, sondern auch bewusst in Szene setzt, wie Marlies Janz schreibt:

Die Pointe des erzählerischen Verfahrens von Die Klavierspielerin ist es geradezu, dass der Text gleichsam nichts zu deuten übrig läßt, sondern selber die Psychoanalyse der Figuren ausspricht und sie zu deren Figuration werden läßt.384

Der Text lenkt die...

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