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Hans Albert und der Kritische Rationalismus

Festschrift zum 100. Geburtstag von Hans Albert

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Edited By Volker Gadenne and Reinhard Neck

Am 8.2.2021 feiert Hans Albert seinen 100. Geburtstag. Hans Albert ist der wichtigste Vertreter des Kritischen Rationalismus im deutschen Sprachraum und weit darüber hinaus. Aus diesem Anlass verfassten 19 Freunde, Schüler, Kolleginnen und Kollegen Forschungsbeiträge und Übersichtsaufsätze zu Themen dieser Philosophie. Behandelt werden unter anderem Themen wie das Münchhausen-Trilemma, die Erkenntnis- und Entscheidungspraxis des Kritischen Rationalismus und Anwendungen dieser Philosophie auf Fragen von Soziologie, Volkswirtschaftslehre, Rechtswissenschaft und Geschichtswissenschaft. Die Beiträge zeigen, dass der Kritische Rationalismus eine fortschrittliche und attraktive Philosophie auch für das 21. Jahrhundert ist.
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2. Die drei Wahrheiten und das Korrespondenzproblem. Hans Alberts Komparativismus versus Karl Poppers Wahrheitsabsolutismus

Kapitel 2

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Hans-Joachim Niemann

In einer von Giuseppe Franco 2019 herausgegebenen Hommage für Hans Albert haben kürzlich 80 Autoren darüber berichtet, wieviel sie dem Philosophen, Wissenschaftstheoretiker und Sozialwissenschaftler Hans Albert beruflich und menschlich verdanken. In diesem Rahmen hat Alberts einstiger Schüler Herbert Keuth einen vier Jahrzehnte zurückliegenden, interessanten Gelehrtenstreit in Erinnerung gerufen. Albert kritisierte damals Keuths Habilitationsschrift (Keuth 1978), fand sie aber so geistreich, dass er für ihre Anerkennung als Habilitationsarbeit stimmte (Albert 1979). Das von beiden diskutierte Korrespondenzproblem hielt Keuth auch viel später noch für so interessant und wichtig, dass er es dem nun fast hundertjährigen Hans Albert noch zweimal vorlegte (Keuth 2019a und 2019b). Dass das Korrespondenzproblem auch heute noch wichtig und weiterführend ist, ist auch meine im Folgenden vertretene Meinung.

Worum ging es? Karl Popper hatte versucht, mit Hilfe von Alfred Tarskis semantischer Definition der Wahrheit die alte Vorstellung von Wahrheit als Übereinstimmung mit den Tatsachen zu rehabilitieren und damit den Realismus zu stützen. Daran anknüpfend versuchte Herbert Keuth, so schreibt Albert, in seiner Schrift „nachzuweisen, daß alle diesbezüglichen Lösungsansätze Poppers gescheitert sind, und zieht daraus die Folgerung, daß der kritische Rationalismus insgesamt Schiffbruch erlitten“ habe (Albert 1979, S. 567).

Das Schiff dampft unterdessen unbeschädigt weiter, doch möchte ich auf Einzelheiten hier nicht eingehen, weil darüber genügend diskutiert wurde1. Stattdessen will ich Probleme behandeln, die das alte Korrespondenzproblem für ←25 | 26→Philosophen und...

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