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Hans Albert und der Kritische Rationalismus

Festschrift zum 100. Geburtstag von Hans Albert

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Edited By Volker Gadenne and Reinhard Neck

Am 8.2.2021 feiert Hans Albert seinen 100. Geburtstag. Hans Albert ist der wichtigste Vertreter des Kritischen Rationalismus im deutschen Sprachraum und weit darüber hinaus. Aus diesem Anlass verfassten 19 Freunde, Schüler, Kolleginnen und Kollegen Forschungsbeiträge und Übersichtsaufsätze zu Themen dieser Philosophie. Behandelt werden unter anderem Themen wie das Münchhausen-Trilemma, die Erkenntnis- und Entscheidungspraxis des Kritischen Rationalismus und Anwendungen dieser Philosophie auf Fragen von Soziologie, Volkswirtschaftslehre, Rechtswissenschaft und Geschichtswissenschaft. Die Beiträge zeigen, dass der Kritische Rationalismus eine fortschrittliche und attraktive Philosophie auch für das 21. Jahrhundert ist.
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4. Beschreiben

Kapitel 4

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Hans Jürgen Wendel

Der in allen empiristischen und auch phänomenologischen Bestrebungen immer wiederkehrende, leitende Grundgedanke ist die Überzeugung, dass wir dort, wo wir nur sorgfältig und unvoreingenommen nichts als unsere Erfahrung beschreiben, imstande seien, lediglich das wiederzugeben, was da ist.1 Dies sei die unmittelbare und – wenn auch nicht evidente – so doch zumindest unproblematische Grundlage unseres Wissens von der Welt. Dies zu erreichen ist die Sehnsucht, die Empiristen und Phänomenologen eint.2

Ausgehend von Überlegungen Karl Poppers zur „Transzendenz der Erfahrung“ sehen dies kritische Empiristen als eine unerfüllbare Sehnsucht an.3 Die These von der Theorieabhängigkeit oder wie es mitunter auch bezeichnet wird, der Theoriegeladenheit der Beobachtung, die begriffliche Abhängigkeit von Beobachtungsberichten von theoretischen Überlegungen oder Annahmen, die Begriffe erst einführen, wurde mittlerweile zu deren wissenschaftstheoretischen Gemeinplatz.

Die anderen, die Verfechter einer kritisch revidierten Phänomenologie, konzedieren zwar gleichfalls, dass die Erfahrung in bestimmter Weise kulturell und durch theoretische Konstruktionen überformt ist, sind aber dennoch überzeugt, man könne diese Überformungen, wenn auch mit Anstrengungen, abstreifen und zur Beschreibung der „unwillkürlichen Lebenserfahrung“ vordringen, d.h. zu dem, „was nicht bloß ausgedacht, sondern in der Erfahrung der Willkür des Konstruierens unverfügbar vorgegeben ist“ (Schmitz, 2003, S. 4).

Bei aller Verschiedenheit geht es bei beiden Sichtweisen um Beschreibungen unserer Erfahrungen. Was aber sind genau Beschreibungen? Inwiefern gehen in diese „Vorurteile“ ein und inwiefern „transzendieren“ sie die Erfahrung? Im

Folgenden wollen wir diesen Fragen nachgehen und...

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