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Hans Albert und der Kritische Rationalismus

Festschrift zum 100. Geburtstag von Hans Albert

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Edited By Volker Gadenne and Reinhard Neck

Am 8.2.2021 feiert Hans Albert seinen 100. Geburtstag. Hans Albert ist der wichtigste Vertreter des Kritischen Rationalismus im deutschen Sprachraum und weit darüber hinaus. Aus diesem Anlass verfassten 19 Freunde, Schüler, Kolleginnen und Kollegen Forschungsbeiträge und Übersichtsaufsätze zu Themen dieser Philosophie. Behandelt werden unter anderem Themen wie das Münchhausen-Trilemma, die Erkenntnis- und Entscheidungspraxis des Kritischen Rationalismus und Anwendungen dieser Philosophie auf Fragen von Soziologie, Volkswirtschaftslehre, Rechtswissenschaft und Geschichtswissenschaft. Die Beiträge zeigen, dass der Kritische Rationalismus eine fortschrittliche und attraktive Philosophie auch für das 21. Jahrhundert ist.
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6. Kumulative Erkenntnis in einer realistischen Soziologie

Kapitel 6

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Gert Albert

Wer sich in der deutschsprachigen Soziologie umschaut, wird dort so gut wie keine Positionen entdecken, die man wirklich ,realistisch‘ nennen kann.2 Nimmt man zunächst den radikalen Konstruktivismus Luhmannscher Provenienz aus, der sich in Deutschland krakenartig auch in nicht-systemtheoretischen Paradigmen wie bspw. in der zweiten Generation der Berger-Luckmann-Schule - gegen die Auffassung Thomas Luckmanns selbst - ausbreitet, so finden sich auch bei den Theoretikern, die von der Soziologie als ,Realwissenschaft‘ sprechen, praktisch nur Positionen, die von den realistisch eingestellten kritischen Rationalisten, aber auch in der „empirisch-analytischen Philosophie“ als ,anti-realistisch‘ bezeichnet werden.3 Diese Vertreter einer Soziologie mit empirisch-analytischer Ausrichtung legen in Diskussionen und programmatischen Statements (vgl. bspw. den „Aufruf zur Gründung einer ,Akademie für Soziologie‘“)4 immer wieder Wert darauf, dass man in der Soziologie zu „kumulativen Erkenntnissen“ gelangen sollte. Kumulative Erkenntnis soll dann - so hofft man wohl - ein quasi automatisches Ergebnis des soziologischen Arbeitens mit den methodologischen Standards sein, wie sie dort vertreten werden.

Was aber ist „kumulative Erkenntnis in der Soziologie“? Durchforstet man die soziologische Literatur dazu, wird man außer kursorischen Bemerkungen, dass kumulative Erkenntnis erwünscht ist, nichts dazu finden. Es gibt meines Wissens bisher keinen Ansatz kumulativer Erkenntnis in der Soziologie. Das Ziel des vorliegenden Beitrags ist es, erstmals einen solchen Ansatz zu skizzieren, und zwar vor dem Hintergrund einer „vollständig realistischen“ Soziologie (Theorien←139 | 140→realismus).5 Dieser realistische Ansatz steht zum einen natürlich im Gegensatz zu einer radikal konstruktivistischen Soziologie, zum anderen...

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