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Hans Albert und der Kritische Rationalismus

Festschrift zum 100. Geburtstag von Hans Albert

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Edited By Volker Gadenne and Reinhard Neck

Am 8.2.2021 feiert Hans Albert seinen 100. Geburtstag. Hans Albert ist der wichtigste Vertreter des Kritischen Rationalismus im deutschen Sprachraum und weit darüber hinaus. Aus diesem Anlass verfassten 19 Freunde, Schüler, Kolleginnen und Kollegen Forschungsbeiträge und Übersichtsaufsätze zu Themen dieser Philosophie. Behandelt werden unter anderem Themen wie das Münchhausen-Trilemma, die Erkenntnis- und Entscheidungspraxis des Kritischen Rationalismus und Anwendungen dieser Philosophie auf Fragen von Soziologie, Volkswirtschaftslehre, Rechtswissenschaft und Geschichtswissenschaft. Die Beiträge zeigen, dass der Kritische Rationalismus eine fortschrittliche und attraktive Philosophie auch für das 21. Jahrhundert ist.
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14. Entscheidung anhand von Erkenntnis

Kapitel 14

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Herbert Keuth

Wir treffen ständig Entscheidungen. So wählen wir etwa zum Frühstück ein Croissant oder ein Dinkelbrötchen. Gravierender sind Entscheidungen für einen Beruf oder für einen Lebenspartner. In jedem Fall rät uns die spätmittelalterliche Exempelsammlung Gesta Romanorum (Taten der Römer) „Quidquid agis, prudenter agas et respice finem“ („Was auch immer du tust, tu es klug und bedenke die Folgen“).1 Doch um die Folgen einer Handlung bedenken zu können, muss man wissen, welche Folgen sie voraussichtlich haben wird. Dem Handelnden stellt sich also auf die eine oder andere Weise die Frage „Was kann ich wissen?“ Dieser Frage widmet Immanuel Kant seine Kritik der reinen Vernunft, Karl Popper die Logik der Forschung und Hans Albert den Traktat über kritische Vernunft. Kant postuliert neben Aussagen, die anhand der Erfahrung (a posteriori) beurteilt werden und deshalb fehlbar sind, auch Aussagen, darunter Naturgesetze, die unabhängig von der Erfahrung (a priori) gelten und notwendig wahr sind. Popper und Albert verwerfen die Idee sicheren Wissens und ersetzen sie durch die Idee konjekturalen Wissens. Danach ist alles Wissen nur mehr oder weniger gut bewährte Vermutung.

Dem Handelnden bleiben also nur fehlbare Vermutungen darüber, welche Folgen sein Handeln hat, welche der ihm möglichen Handlungsweisen seinen Interessen am ehesten dient, und auch welches seine Interessen sind. Zudem lässt sich die Entscheidung für Ziele nicht immer deutlich von der Wahl der Mittel trennen, von denen man die Realisierung der...

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