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Hans Albert und der Kritische Rationalismus

Festschrift zum 100. Geburtstag von Hans Albert

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Edited By Volker Gadenne and Reinhard Neck

Am 8.2.2021 feiert Hans Albert seinen 100. Geburtstag. Hans Albert ist der wichtigste Vertreter des Kritischen Rationalismus im deutschen Sprachraum und weit darüber hinaus. Aus diesem Anlass verfassten 19 Freunde, Schüler, Kolleginnen und Kollegen Forschungsbeiträge und Übersichtsaufsätze zu Themen dieser Philosophie. Behandelt werden unter anderem Themen wie das Münchhausen-Trilemma, die Erkenntnis- und Entscheidungspraxis des Kritischen Rationalismus und Anwendungen dieser Philosophie auf Fragen von Soziologie, Volkswirtschaftslehre, Rechtswissenschaft und Geschichtswissenschaft. Die Beiträge zeigen, dass der Kritische Rationalismus eine fortschrittliche und attraktive Philosophie auch für das 21. Jahrhundert ist.
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15. Hans Alberts Kritische Theorie

Kapitel 15

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Hartmut Kliemt

Der bevorstehende 100. Geburtstag von Hans Albert war für mich willkommener Anlass, den Traktat über Kritische Vernunft (H. Albert (1968), von nun an „TKV”) in großen Teilen erneut zu lesen. Die Notizen, mit denen ich als zwanzigjähriger Student 1970 mein Exemplar der zweiten Auflage des Buches ver(un-)ziert habe, zeigten mir im Rückblick, warum ich ungeachtet meines Wechsels von der Göttinger an die Frankfurter Universität nicht unter den Einfluss der Frankfurter Schule geriet, sondern die interdisziplinäre, kritisch rationale Ausarbeitung von politisch-philosophischen Problemlösungsvorschlägen in Verbindung mit Wirtschaftswissenschaften, Jurisprudenz und Medizin meinen eigenen weiteren akademischen Weg bestimmten.

In der Sprache der Boxer umschrieben, hat Hans Albert somit vor 50 Jahren bei mir einen ersten „Wirkungstreffer“ gelandet.1 Wieviel an gedanklicher Arbeit und profunden Einsichten hinter den häufig recht lakonischen Bemerkungen von TKV stehen, hat sich mir allerdings erst bei erneuter Lektüre und vor dem Hintergrund meiner zwischenzeitlich gewachsenen Vertrautheit mit dem Britischen Moralismus und der formalen Entscheidungstheorie erschlossen.2 Insbesondere die Vorstellung von Ethik als System hypothetisch begründeter Imperative scheint mir nach erneuter Lektüre von TKV fragwürdig.3

Bis zur erneuten Lektüre von TKV meinte ich, dass sich hinter dem Konzept einer Technologie ziemlich genau das verbirgt, was ich unter hypothetischer Rechtfertigung von Imperativen verstand. Was ich im Auge hatte, waren nicht einfach ←331 | 332→bedingte Anweisungen in dem Sinne, dass etwa eine bestimmte Handlung nur für bestimmte situative Bedingungen...

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