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Carl Clemen und die Religionsgeschichte

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Ulrich Vollmer

Carl Clemen (1865–1940) nimmt in der Forschungsgeschichte der Religionswissenschaft einen besonderen Platz ein. Er war der Erste, der das Fach in Deutschland nicht an einer Theologischen, sondern an einer Philosophischen Fakultät vertreten hat. Dieses Buch zeichnet seinen Weg von der Theologie und der Beschäftigung mit den Religionen in der Umwelt des frühen Christentums zu einer historisch-philologisch arbeitenden Religionswissenschaft nach. Vor dem Hintergrund der internationalen Fachgeschichte stellt der Autor seine Beiträge sowohl zur Erforschung einzelner Religionen als auch zur Klärung systematischer Fragestellungen vor. Abschließend verfolgt er seine Tätigkeit nach der altersbedingten Emeritierung im Jahr 1933, die ihn als einen konsequenten Gegner des Nationalsozialismus ausweist.

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1 Biographie

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Als Carl Clemen am 30. März 1865 im damals noch selbständigen, später dann nach Leipzig eingemeindeten Sommerfeld geboren wurde, hatte sein Vater August Clemen zwei Jahre zuvor, am 4. Oktober 1863, die dortige Pfarrstelle übernommen und einige Tage später, am 21. Oktober, die Leipziger Kaufmannstochter Helene Voigt geheiratet.1 August Clemen stammte aus einer Tuchhändlerfamilie und hatte unter glücklichen Umständen an der Universität Leipzig ein Theologiestudium absolvieren und an der dortigen Philosophischen Fakultät promovieren können. Carl Clemen war der Erstgeborene von den insgesamt acht Kindern seiner Eltern.2 Diese Stellung in der Geschwisterreihe hatte sicherlich eine besondere Bedeutung für ihn,3 wie dies wohl auch von dem unmittelbaren Vorbild seines Vaters gelten dürfte,4 der nicht nur mit großem Erfolg die Fürstenschule in Grimma absolviert, sondern auch trotz widriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen sein Studium abgeschlossen hatte. Spannungen waren hier freilich gleichsam vorprogrammiert, denn Paul Clemen – einer der jüngeren Brüder von Carl Clemen – charakterisierte den Vater und dessen Verhältnis zu zwei der Söhne folgendermaßen:

←19 | 20→Mein Vater bekannte sich zu dem streng orthodoxen protestantischen Glauben; von seinem Standpunkt auf dem äußersten rechten Flügel, den er in der Kampfzeit einnahm, kam er dann oft in Konflikt mit den beiden gelehrten theologischen Söhnen, dem ersten Carl und dem vierten Otto […].5

Nicht nur die theologische Position des Vaters war für Carl Clemen – zumindest als Reibungsfläche – bestimmend, auch...

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