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Carl Clemen und die Religionsgeschichte

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Ulrich Vollmer

Carl Clemen (1865–1940) nimmt in der Forschungsgeschichte der Religionswissenschaft einen besonderen Platz ein. Er war der Erste, der das Fach in Deutschland nicht an einer Theologischen, sondern an einer Philosophischen Fakultät vertreten hat. Dieses Buch zeichnet seinen Weg von der Theologie und der Beschäftigung mit den Religionen in der Umwelt des frühen Christentums zu einer historisch-philologisch arbeitenden Religionswissenschaft nach. Vor dem Hintergrund der internationalen Fachgeschichte stellt der Autor seine Beiträge sowohl zur Erforschung einzelner Religionen als auch zur Klärung systematischer Fragestellungen vor. Abschließend verfolgt er seine Tätigkeit nach der altersbedingten Emeritierung im Jahr 1933, die ihn als einen konsequenten Gegner des Nationalsozialismus ausweist.

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4. Religionsgeschichte II: Einzelne Religionen

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Wir hatten oben schon auf den von Carl Clemen selber verfassten und für die Mitteilungen an die ehemaligen Schüler der Fürstenschule gedachten Lebenslauf hingewiesen. Nach Nennung einiger Arbeiten, die er als Theologe verfasst hatte, vermerkte Carl Clemen hier: „(A)ls Religionshistoriker schrieb er eine Religionsgeschichte Europas (1926–31) und Darstellungen der urgeschichtlichen, altgermanischen und etruskischen Religion.“1

Die von ihm an erster Stelle genannte und somit hervorgehobene Religionsgeschichte Europas spannte mit ihren beiden im Abstand von fünf Jahren erschienenen Bänden einen weiten Bogen von der Vorgeschichte bis zu damals aktuellen Bewegungen im Judentum und Christentum sowie im Islam – hier natürlich nach der Vertreibung der Muslime von der iberischen Halbinsel fokussiert auf die Balkanländer.2 Den Schluss bildete ein Ausblick auf Geschichte und Gegenwart des Buddhismus bei den Kalmücken im Süden des europäischen Russlands. Obwohl sich Clemen der mannigfaltigen und essentiellen Einflüsse bewusst war, die von außereuropäischen Gebieten auf Europa eingewirkt haben, stellte er sich der Aufgabe, eine Religionsgeschichte Europas zu schreiben. Er verstand dabei Europa wesentlich als geographische Größe, ohne weiter auf die kulturellen oder auch auf die historischen Implikationen des Europabegriffs zu reflektieren. Weder die später bei Günther Lanczkowski vorgenommene Beschränkung auf zwei jeweils durch enge regionale Bindungen unterscheidbare Bereiche wie das Mittelmeergebiet und das Gebiet nördlich der Alpen3 noch die andernorts vorgeschlagene Orientierung „an der räumlichen Ausbreitung des Imperium Romanum“4 schränkten seinen Blick ein.←227 | 228...

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