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Carl Clemen und die Religionsgeschichte

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Ulrich Vollmer

Carl Clemen (1865–1940) nimmt in der Forschungsgeschichte der Religionswissenschaft einen besonderen Platz ein. Er war der Erste, der das Fach in Deutschland nicht an einer Theologischen, sondern an einer Philosophischen Fakultät vertreten hat. Dieses Buch zeichnet seinen Weg von der Theologie und der Beschäftigung mit den Religionen in der Umwelt des frühen Christentums zu einer historisch-philologisch arbeitenden Religionswissenschaft nach. Vor dem Hintergrund der internationalen Fachgeschichte stellt der Autor seine Beiträge sowohl zur Erforschung einzelner Religionen als auch zur Klärung systematischer Fragestellungen vor. Abschließend verfolgt er seine Tätigkeit nach der altersbedingten Emeritierung im Jahr 1933, die ihn als einen konsequenten Gegner des Nationalsozialismus ausweist.

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5. Systematische Religionswissenschaft

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Carl Clemen hat sich, wie wir bereits gesehen haben, nur selten und dann auch nur sehr verhalten zu methodologischen Problemen der Religionswissenschaft geäußert. Auf jeden Fall sah er sich in erster Linie als Historiker. Systematische Fragestellungen, denen wir uns jetzt zuwenden wollen, spielen in seinem wissenschaftlichen Werk eine eher untergeordnete Rolle. Die Spannung – und die wechselseitige Verschränkung – zwischen historischer und systematisch-vergleichender Betrachtung hatte bereits 1898 Edmund Hardy in seinem grundlegenden Artikel „Was ist Religionswissenschaft?“ im 1. Band des Archivs für Religionswissenschaft angesprochen und an der Verwendung der Begriffe „Religionsgeschichte“ und „Religionswissenschaft“ verdeutlicht:

Wer sich davon überzeugt hält, daß die Religion nur aus der geschichtlichen Entwicklung, die sie durchlebt hat, erkannt werde, dürfte von vornherein geneigt sein, für seine Forschungen den Namen „Religionsgeschichte“ zu gebrauchen. Wer hingegen aus der Vergleichung möglichst vieler, auch unverwandter Religionen wichtige Aufschlüsse über das allgemeine Wesen der Religion und die Bedeutung einer jeden Erscheinungsform zu gewinnen hofft, wird sich lieber an die Bezeichnung „Religionswissenschaft“ halten.1

Neben der von Hardy so genannten „historisch-komparativen Methode“, die für ihn „durchweg im Dienste der historischen Forschung“ steht,2 tritt bei ihm die „anthropologisch-komparative Methode“,3 die darauf zielt, „auch solche Erscheinungen und Veränderungen im religiösen Leben“,4 die nicht in einem historischen Zusammenhang stehen, auf Gesetzmäßigkeiten hin zu untersuchen.5←303 | 304→

Die Spannung zwischen diesen beiden unterschiedlichen Ansätzen der Religionswissenschaft wird vielleicht auf recht markante Weise in Clemens Auseinandersetzung mit...

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