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Motive der Literatur der Renaissance und die Renaissance als literarisches Motiv

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Wolfgang Beutin

Ein erster Untersuchungsgegenstand dieses Buches sind die Vorstellungen, was die Renaissance sei, wie sie von Autoren des Zeitalters selber stammen und aus der späteren Forschung. Außerdem wird eine Übersicht über die dominierenden Motive angelegt, die sich im Renaissance-Schrifttum nachweisen lassen. Der Abschnitt „die Renaissance als literarisches Motiv" ist der Renaissance-Rezeption vom 17. bis zum 20. Jahrhundert gewidmet, dessen Kennzeichen der Gegensatz der affirmierenden und der negierenden Renaissance-Rezeption ist. Die ‚Revolutionen des Geistes‘ und ihnen verwandte Bewegungen erklärten sich gern zu Erben der Renaissance, wohingegen die Verfechter des Konservatismus aller Art sich der Renaissance entgegenstemmten und in Ablehnung der mit ihr aufgekommenen Ansichten einander überboten.

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Renaissance-Literatur (außerhalb Deutschlands)

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Fragt man nach der Renaissance-Literatur überhaupt, kann man dem zweifelhaften ‚hermeneutischen Zirkel‘ nicht entgehen. Erstens ist versucht worden, mit Hilfe des Überblicks über eine Anzahl wichtiger Werke aus der Epoche der Renaissance eine Gruppe wesentlicher Motive aufzufinden, die man als ‚typisch‘ für die Renaissance-Literatur festgehalten hat; darunter z. B. das Tugendadelsideologem. Zweitens wird man sich bemühen, diese und jene Schrift aus der Epoche zu interpretieren, wobei man nach den im Überblick gewonnenen Motiven Ausschau hält, etwa dem Tugendadelsideologem, um, wenn man es auffindet, es als Indiz für die Zugehörigkeit der Schrift zur Renaissance-Literatur zu verwenden. Wie denn aber, wenn dasselbe Motiv auch im Mittelalter auftritt (siehe Einleitung: bei Wipo)? Der Ausweg bietet sich an: Man erkennt das Motiv als Renaissance-Motiv dann, wenn es nicht einzig gelegentlich begegnet, sondern in auffälliger Häufigkeit, in einer Fülle von Texten derselben Epoche. Man wird sorgfältig seine Frequenz beobachten. Ein anderes Motiv, welches sich für das Zeitalter als typisch erweist und welches darin sehr häufig vorkommt, ist die Forderung der Wiederbelebung der Antike, ihrer Wiedergeburt oder Renaissance, der Anstrengung also, wonach die Epoche ihren Namen erhalten hat, schon bei den Zeitgenossen, (so Vasari: „rinascitá“, vgl. Rachum, Art. „Renaissance“). Wo könnte ein Satz wie der folgende stehen, wenn nicht in einem Werk eines italienischen Renaissance-Autors? Er lautet: „Unser Vaterland erscheint berufen, das Altertum zu neuem Leben zu erwecken, das haben unsere Dichter, Bildhauer und Maler bewiesen.“51

Zur Motivik der Renaissance-Autoren kam...

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