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Motive der Literatur der Renaissance und die Renaissance als literarisches Motiv

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Wolfgang Beutin

Ein erster Untersuchungsgegenstand dieses Buches sind die Vorstellungen, was die Renaissance sei, wie sie von Autoren des Zeitalters selber stammen und aus der späteren Forschung. Außerdem wird eine Übersicht über die dominierenden Motive angelegt, die sich im Renaissance-Schrifttum nachweisen lassen. Der Abschnitt „die Renaissance als literarisches Motiv" ist der Renaissance-Rezeption vom 17. bis zum 20. Jahrhundert gewidmet, dessen Kennzeichen der Gegensatz der affirmierenden und der negierenden Renaissance-Rezeption ist. Die ‚Revolutionen des Geistes‘ und ihnen verwandte Bewegungen erklärten sich gern zu Erben der Renaissance, wohingegen die Verfechter des Konservatismus aller Art sich der Renaissance entgegenstemmten und in Ablehnung der mit ihr aufgekommenen Ansichten einander überboten.

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Renaissance-Literatur in Deutschland und in der Schweiz

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Es ist wahr, auch im deutschsprachigen Teil Europas erkannten die wortführenden Autoren, daß sich Veränderungen vollzogen, ein Neues heraufkam – gestützt auf Altes: die Antike ˗, welches darauf wartete, vollendet zu werden. Und auch ist wahr, die besten Beobachter der Vorgänge außerhalb Italiens verkannten keinesfalls den Vorsprung der Italiener, die bei der Etablierung des Neuen vorangegangen waren. Heinz Entner sprach von der „humanistischen Bewegung“, die sich „am frühesten“ in Italien meldete, und sagte: „Dort ist im Zusammenhang mit der Herausbildung des Nationalbewußtseins im Zeitalter der Renaissance und der Hochschätzung einer nun als nationale Vergangenheit verstandenen Antike jener eigentümliche Komplex von Stoffen, Themen und Disziplinen formiert worden, der als ‚studia humanitatis‘ den gemeinsamen Nenner ausmachte …“ (in: Spriewald u. a., S. 335)

Es bestand jedoch ein Unterschied. Die Italiener griffen, wenn sie auf die Antike zurückgriffen, auf eine Tradition aus ihrer eigenen Vergangenheit zurück. Deutsche Autoren aber ließen, sofern sie auf die Antike zurückgriffen, sich diese immer einmal durch die Italiener vermitteln, und, wollten auch sie ein Nationalbewußtsein erschaffen, durften sie nicht versäumen, sich mit den Italienern zu messen. Beide Bestrebungen: die Gewinnung der Antike und die Herausbildung eines deutschen Nationalbewußtseins drückten sich in Äußerungen aus, schriftlichen wie in mündlichen, z. B. Vorlesungen und Reden. So äußerte Nicolaus von Cues (1401–1464) in der Vorrede zu seiner „Concordantia catholica“: „Bald wird sich der Kreislauf der ganzen Umwälzung erfüllen. … Die Italiener...

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