Show Less
Restricted access

Motive der Literatur der Renaissance und die Renaissance als literarisches Motiv

Series:

Wolfgang Beutin

Ein erster Untersuchungsgegenstand dieses Buches sind die Vorstellungen, was die Renaissance sei, wie sie von Autoren des Zeitalters selber stammen und aus der späteren Forschung. Außerdem wird eine Übersicht über die dominierenden Motive angelegt, die sich im Renaissance-Schrifttum nachweisen lassen. Der Abschnitt „die Renaissance als literarisches Motiv" ist der Renaissance-Rezeption vom 17. bis zum 20. Jahrhundert gewidmet, dessen Kennzeichen der Gegensatz der affirmierenden und der negierenden Renaissance-Rezeption ist. Die ‚Revolutionen des Geistes‘ und ihnen verwandte Bewegungen erklärten sich gern zu Erben der Renaissance, wohingegen die Verfechter des Konservatismus aller Art sich der Renaissance entgegenstemmten und in Ablehnung der mit ihr aufgekommenen Ansichten einander überboten.

Show Summary Details
Restricted access

Renaissance als literarisches Motiv

Extract

In dem folgenden Abschnitt des vorliegenden Buches soll die Renaissance-Rezeption in der deutschen und Schweizer Literatur vom 17. bis zum 20. Jahrhundert skizziert werden, mit dem Akzent hauptsächlich auf der ‚schönen Literatur‘. Es geht um die Aufnahme der Renaissance als Motiv in Dichtungen, daneben aber auch in der Forschung und Literaturgeschichtsschreibung.

Anhand der Auffassung, welche eine bestimmte Epoche der Geistesgeschichte von der Renaissance hege, würde diese Epoche – so notierte Walther Rehm vor einem knappen Jahrhundert (Werden, S. 7) – wiederum „in ihrer geistesgeschichtlichen Besonderheit“ erkennbar sein“, denn: „In einem gewissen beschränkten Sinne müßte in dem allmählichen Werden des Renaissancebildes zugleich der Gesamtablauf der neueren deutschen Dichtung abzulesen sein.“ Die Relevanz, welche man der „Renaissance-Rezeption“ innerhalb der Dichtung und Literaturforschung zugestehen will, hängt, wie unschwer einzusehen, ab davon, welche Relevanz man der historischen Erscheinung „Renaissance“ überhaupt zuspricht, ihr als einem umfassenden kultur- und mentalitätsgeschichtlichen Phänomen oder mindestens ihrer humanistischen Komponente. Ludwig Tieck versicherte einstmals, daß bei zwei wichtigsten Renaissance-Autoren Posten beziehen sollte, wem an einem kompletten Überblick über die europäische Dichtungsgeschichte gelegen sei: „Cervantes‘, und noch umfassender Shakspeare’s (!) Werke, werden für uns der Mittelpunkt bleiben müssen, von wo aus man die Vorzeit überschauen und die Gegenwart und Zukunft verstehn kann.“ (Schriften, S. 60)

In der Forschung ist gelegentlich behauptet worden, daß das Interesse an der Renaissance und ihre Aufnahme als Motiv in neueren Dichtungen sich darauf gründe, daß man in ihr die Antizipation der modernen...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.