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Pflegerische Versorgung alter Menschen

Qualität – Konzepte – Rahmenbedingungen Festschrift für Prof. Dr. Stefan Görres

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Edited By Ingrid Darmann-Finck and Heike Mertesacker

Die Pflege hat eine zentrale Rolle in der Versorgung alter Menschen. Sie trägt dazu bei, dass alte Menschen trotz Einschränkungen, z.B. in der Selbstständigkeit, ein Leben in Würde und Selbstbestimmung führen können. Renommierte Autorinnen und Autoren konkretisieren, welches genau das Ziel der Pflege von alten Menschen sein soll und wie die Qualität in der Langzeitpflege weiterentwickelt und gemessen werden kann. Weitere Beiträge thematisieren Herausforderungen und Konzepte in der spirituellen Begleitung von zu pflegenden Menschen und hinsichtlich des Einsatzes von digitalen Technologien. Schließlich werden rechtliche und qualifikatorische Rahmenbedingungen diskutiert sowie Chancen und Desiderata von Pflegeforschung herausgearbeitet.

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Selbstbestimmte Teilhabe statt Selbstständigkeit in Verrichtungen: Das gesetzliche Ziel von Pflege und Therapie und seine Qualitätserfassung1

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Johann Behrens

Fast könnte es so scheinen, als sei das deutsche Parlament klüger als Gerontologie, Geriatrie, Pflegewissenschaft, Qualitätsentwicklung, Präventions- und Rehabilitationswissenschaften zusammen (Behrens & Goerres & Schaeffer et al., 2012). Im § 1 Sozialgesetzbuch IX, in dessen Licht alle anderen Sozialgesetzbücher zu lesen sind, definiert das Parlament als Ziel von Pflege und Therapie keineswegs Selbstständigkeit in Aktivitäten des täglichen Lebens. Vielmehr ist das gesetzliche Ziel Selbstbestimmung und gleichberechtigte Teilhabe am Leben der Gesellschaft. Logisch kann dieses Ziel nicht durch fremdbestimmte Teilhabe erfüllt werden, sondern nur durch selbstbestimmte Teilhabe. Selbstbestimmung (Autonomie) ist etwas ganz anderes als Selbstständigkeit (Autarkie). Selbstständigkeit mag zwar ein häufig angestrebtes Mittel sein, Selbstbestimmung zu erreichen. Man zieht von zu Hause aus, wird also selbstständig, um frei von elterlicher Mitbestimmung sich selbst bestimmen zu können. Man geht aufs Land, zieht sein eigenes Gemüse und ggf. seine eigenen Tiere groß, versorgt sich selbstständig, um seine Selbstbestimmung nicht von Chef*innen einschränken zu lassen und nicht vom Markt abhängig zu werden. Aber das Mittel Selbstständigkeit, um selbstbestimmte Teilhabe zu erlangen, steht in vielen Phasen unseres Lebens nur sehr eingeschränkt zur Verfügung. Und unser Anspruch auf Selbstbestimmung soll nicht erlöschen, wenn kein Training, keine Therapie, keine Rehabilitation, keine Pflege uns (wieder) zur Autarkie, zur Selbstständigkeit in unseren Aktivitäten verhelfen kann. Wenn ich mich nicht mehr selbst duschen kann, will ich nicht meinen Anspruch auf Selbstbestimmung an...

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