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Peer-Gespräche in der Schule

Beobachtungen zum mündlichen Sprachgebrauch im Spannungsfeld zwischen Institution und Identitätsentwicklung im Jugendalter

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Benjamin Könning

Peer-Gesprächen in der Schule wird von Erwachsenen gemeinhin wenig Beachtung geschenkt. Was aus Perspektive mancher Erwachsener wie belangloser Small-Talk unter Jugendlichen erscheint, erweist sich aus Sicht der Gesprächsforschung als hoch funktional im Schulalltag. Der Band präsentiert analytische Einblicke in Gesprächsaufnahmen von Schülerinnen und Schülern im Schulalltag verschiedener Schulformen und Altersstufen. Das Buch liefert neue Erkenntnisse über das Gesprächsverhalten, Positionierungsaktivitäten, Themenfelder sowie jugend- und institutionstypische Ausdrucksweisen der untersuchten Gespräche.

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1. Soziale Rahmung aus pädagogischsozialwissenschaftlicher Perspektive

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Peer-Gespräche im Schulkontext vollziehen sich unter spezifischen sozialisatorischen und institutionellen Rahmenbedingungen. Peerkultur nimmt im institutionellen Kontext eine besondere Rolle ein. Die sozialen Organisationsprinzipien, die ihr zugrunde liegen, können unter Rückgriff auf Goffman (1974) als Rahmen bezeichnet werden. Es handelt sich hierbei zu einem großen Teil um – aus Perspektive der meisten Teilnehmenden – um eher unbewusste, implizite Normen, die sich im sozialen Miteinander entwickeln, durch sprachliche Interaktion herausgebildet werden und sich im Sprachgebrauch widerspiegeln. Goffman selbst beschreibt das Konzept der sozialen Rahmen bewusst als offen und unabschließbar:

„Primary frameworks vary in degree of organization. Some are neatly presentable as a system of entities, postulates, and rules; others – indeed, most others – appear to have no apparent articulated shape, providing only a lore of understanding, an approach, a perspective.“ (Goffman 1974: 21)

Konzepte von Jugend variieren je nach sozialem oder kulturellem Kontext und sind einem stetigen historischen Wandel unterworfen. In den meisten Nationen weltweit endet die Jugend im juristischen Sinne heute mit dem 18. Lebensjahr. Die Vereinten Nationen definieren Jugend als Zeitspanne zwischen dem 15. und 24. Lebensjahr (United Nations (Hrsg.) 2018: World Youth Report: 1). Unabhängig von äußeren Festsetzungen hängt das Jugendalter mit den sich wandelnden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für das Jugendalter zusammen.

In den westlichen Industrienationen sind die Geburtenraten seit etwa 1900 stetig gesunken. Dies hängt u.a. mit dem Ausbau des modernen Wohlfahrtsstaates und dem damit verbundenen Schwund der Bedeutung von Kindern für die eigene ökonomische...

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