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Peer-Gespräche in der Schule

Beobachtungen zum mündlichen Sprachgebrauch im Spannungsfeld zwischen Institution und Identitätsentwicklung im Jugendalter

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Benjamin Könning

Peer-Gesprächen in der Schule wird von Erwachsenen gemeinhin wenig Beachtung geschenkt. Was aus Perspektive mancher Erwachsener wie belangloser Small-Talk unter Jugendlichen erscheint, erweist sich aus Sicht der Gesprächsforschung als hoch funktional im Schulalltag. Der Band präsentiert analytische Einblicke in Gesprächsaufnahmen von Schülerinnen und Schülern im Schulalltag verschiedener Schulformen und Altersstufen. Das Buch liefert neue Erkenntnisse über das Gesprächsverhalten, Positionierungsaktivitäten, Themenfelder sowie jugend- und institutionstypische Ausdrucksweisen der untersuchten Gespräche.

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6. Themenbereiche im Rahmen von Positionierungsaktivitäten

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Jugendliche bewegen sich während der für diese Arbeit durchgeführten Gesprächsaufzeichnungen innerhalb ihrer Bezugsgruppe Gleichaltriger (vgl. Kap. 1.3), weshalb die Identitätsfindung der Jugendlichen und das hiermit verknüpfte Bedürfnis nach sozialer Selbst- und Fremddefinition in den Gesprächen großen Raum einnimmt. Sie grenzen sich von bestimmten Verhaltensweisen, bestimmten Personen und Personengruppen sowie Konsum und Denkgewohnheiten ab, andere werden dafür vorausgesetzt. Soziale Gruppen, zu denen auch schulische Peergruppen gehören, etablieren auf diese Weise spezifische Selbst- und Fremdbilder. Durch die interaktive Konstruktion und Kategorisierung des sozial Anderen und des sozial Gleichen werden Identitäten auf individueller wie auf Gruppenebene konstruiert und verfestigt. Auch die Herausbildung eines individuellen Kommunikationsstils vollzieht sich in gruppendynamischen Prozessen und ist für die Identitätsentwicklung im Jugendalter von zentraler Bedeutung.

Für die untersuchten schulischen Peergespräche sind die verschiedensten Themenfelder relevant, die im Folgenden genauer betrachtet werden sollen. Die Analysen sind an das Konzept der sozialen Positionierungen angelehnt, die in Form von Selbst- und Fremdzuschreibungen (vgl. Wolf 1999; Lucius-Hoene/Deppermann 2004) vollzogen werden und z.T. mit mehr oder weniger expliziten sozialen Kategorisierungen (vgl. Spreckels 2006; Schegloff 2007) einhergehen können. Die Herausbildung einer Ich-Identität unterliegt ständigen wechselseitigen Beeinflussungen zwischen Individuum und Lebenswelt, von denen im folgenden Kapitel einige thematische Ressourcen dargestellt werden sollen.72 Dabei soll das Positionierungskonzept im Anschluss an Wolf (1999: 69) „nicht als ein Teilnehmer-Konzept sondern als ein analytisches Konzept [zweiter Ordnung] verstanden“ werden.

In der Gesprächsforschung hat sich die...

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