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Peer-Gespräche in der Schule

Beobachtungen zum mündlichen Sprachgebrauch im Spannungsfeld zwischen Institution und Identitätsentwicklung im Jugendalter

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Benjamin Könning

Peer-Gesprächen in der Schule wird von Erwachsenen gemeinhin wenig Beachtung geschenkt. Was aus Perspektive mancher Erwachsener wie belangloser Small-Talk unter Jugendlichen erscheint, erweist sich aus Sicht der Gesprächsforschung als hoch funktional im Schulalltag. Der Band präsentiert analytische Einblicke in Gesprächsaufnahmen von Schülerinnen und Schülern im Schulalltag verschiedener Schulformen und Altersstufen. Das Buch liefert neue Erkenntnisse über das Gesprächsverhalten, Positionierungsaktivitäten, Themenfelder sowie jugend- und institutionstypische Ausdrucksweisen der untersuchten Gespräche.

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7. Zur Jugendspezifik der Gespräche

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Im Folgenden wird sich unter einem variationslinguistischen Blickwinkel der Frage nach jugendtypischen Sprechweisen im Korpus zugewandt. Diese spielen über das gesamte Korpus hinweg in unterschiedlich starker Ausprägung eine Rolle und können wichtige Funktionen im Rahmen von Selbstzuschreibungen bzw. -inszenierungen (s. Kap. 6) als Peer einnehmen. Peergespräche in der Schule bilden einen großen Teil jugendlicher Lebenswelten innerhalb einer Gesellschaft ab (vgl. Kap. 1.1), weshalb sie eine wichtige Domäne für Jugendsprachen (vgl. Neuland 2018: 95) darstellen.

Zu analytischen Zwecken werden hierbei die Ebenen: Lexikalische Aspekte (Kap. 7.1) und gesprächslinguistische Aspekte (Kap. 7.2) begrifflich voneinander unterschieden und im Hinblick auf ihren jugendtypischen Charakter für das vorliegende Korpus diskutiert. Jugendliche bedienen sich unterschiedlicher Sprechstile und auch Erwachsene verwenden z.T. (ehemals) jugendtypische Ausdrucksweisen in ihrer Umgangssprache. Notwendige Bedingung für Jugendsprache scheint angesichts dieser Abgrenzungsprobleme daher v.a. zu sein, dass sie sich – in den Worten des Koch / Oesterreicher‘schen Paradigmas (1985) – durch starke konzeptionelle Mündlichkeit auszeichnet, die bereits Henne (1986: 147) im Hinblick auf Jugendsprache als „radikale Sprechsprachlichkeit“ bezeichnet.

Die im Rahmen der Erhebungen dieser Arbeit befragten Jugendlichen würden ihren Sprachgebrauch in den Schulpausen – an die ja das empirische Setting der Arbeit angelehnt ist – selbst mehrheitlich als Jugendsprache bezeichnen (Abb. 7.1). Dies stellt einen nicht unerheblichen ethnografischen Befund im Kontext der Fragestellung dieses Kapitels dar.

Tabelle 7.1 fasst die freien Beispiele für Jugendsprache der befragten Jugendlichen zusammen, auf die in den folgenden Unterkapiteln immer wieder einzugehen sein...

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