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Antinomien der Globalisierung

Über die Gleichzeitigkeit des Ungleichen

Peter Nitschke

Die Globalisierung verläuft keineswegs linear und wird deshalb von vielen Menschen als Bedrohung empfunden. Mit dem Fokus auf sieben Schwerpunktthemen wird die Widersprüchlichkeit und Komplexität der Globalisierung in ihren geopolitischen Erscheinungsformen vorgestellt und analysiert. Es geht dabei um die Frage nach der richtigen Relation zwischen Arm und Reich, dem Ausmaß der Digitalisierung, den kulturellen Konfliktlinien, der internationalen Migration, den Anfeindungen für demokratische Gesellschaften sowie den Entsicherungen in Form von neuen Kriegen und Terror.

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II. Das „Neuland“ in der Kommunikation

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Für die meisten Zeitgenossen ist das wesentliche, weil empirisch vorherrschende und für jedermann individuell erfahrbare, Kennzeichen der Globalisierung die ökonomische Vernetzung im weltweiten Maßstab. Hierbei wird die privatwirtschaftliche Sphäre zu einer globalen Netzwerkstruktur verflochten, bei der sowohl die Einheitlichkeit der Produkte als auch deren Diversifikation in ambivalenter Weise auftritt.1 Die Globalisierung liefert aufgrund ihrer ökonomischen Vernetzung den Referenzrahmen für die nationalen Wirtschafts- und Gesellschaftspolitiken, die nun nicht mehr voneinander unabhängig betrachtet und entwickelt werden können.2 Diese Konstellation ist im Prinzip so neu nicht, wie man anfänglich meinte. Historische Studien haben gezeigt, dass es durchaus Zeiträume in der Geschichte der Menschheit gegeben hat, die mit vergleichbaren oder ähnlichen Erscheinungsformen anzuzeigen sind.3 Somit ist die Globalisierung keineswegs nur der New Economy geschuldet, wie zunächst vielfach von Wirtschaftsvertretern gern geäußert wurde. Tatsächlich ist sie, historisch vor dem Hintergrund langer Datenreihen betrachtet, eine Fortentwicklung des Kolonialismus und des Imperialismus, allerdings mit Effekten, die weitaus mehr als nur mit autoritärer Herrschaft und Fremdbestimmung zu tun haben.4

Sofern man die Globalisierung als eine auf Extension von Produkten, Ideen und Technologien angelegte Innovation von ökonomischen Strukturen versteht, kann man für lange Zeiträume in der Geschichte der Menschheit etwas Derartiges nicht beobachten. Bis zur Renaissance und Reformation lässt sich ein entsprechender überregionaler Warenaustausch zwar für das Imperium Romanum und die christlichen Nachfolgesysteme ←45 | 46→des Mittelalters feststellen, aber in Bezug auf einen interkontinentalen, erst recht weltumspannenden Handel gilt...

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