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Antinomien der Globalisierung

Über die Gleichzeitigkeit des Ungleichen

Peter Nitschke

Die Globalisierung verläuft keineswegs linear und wird deshalb von vielen Menschen als Bedrohung empfunden. Mit dem Fokus auf sieben Schwerpunktthemen wird die Widersprüchlichkeit und Komplexität der Globalisierung in ihren geopolitischen Erscheinungsformen vorgestellt und analysiert. Es geht dabei um die Frage nach der richtigen Relation zwischen Arm und Reich, dem Ausmaß der Digitalisierung, den kulturellen Konfliktlinien, der internationalen Migration, den Anfeindungen für demokratische Gesellschaften sowie den Entsicherungen in Form von neuen Kriegen und Terror.

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IV. Kulturkämpfe

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Die globalisierte Welt zeitigt Effekte, die ein Nebeneinander gänzlich unterschiedlicher Kulturen und Zivilisationen auf ein und dem gleichen Raum ergeben. Und genau diese Konstellation ist in ihrer weltumspannenden Tragweite neu. Zwar hat es stets eine Divergenz von Kulturen auf der Erde gegeben, doch fand diese bisher in meist hegemonial abgeschotteten Herrschaftsräumen statt. Jede Form von politischer Herrschaft, sei es die des Stammes, die der Religionsgemeinschaft wie auch die des Staates, versuchte einen je spezifischen Raum für sich allein zu okkupieren und diesen hegemonial zu verwalten und herrschaftsrechtlich zu organisieren. Das staatliche Gewaltmonopol der Moderne ist nicht zufällig das Symbol für die Hoheitsfunktionen innerhalb eines mit klar regulierten Grenzen besetzten Raumes. Jedoch ist diese Raumabgrenzung zu allen Zeiten ein herrschaftsrechtliches Problem gewesen. Vor allem im so genannten Mittelalter gab es in Europa eine z.T. sehr weit reichende Diffusion von Herrschaftsansprüchen, die dann meist dynastischer Art waren, was dazu führte, dass territoriale Systeme oft eben nicht klare Ländergrenzen aufwiesen. Die völkerrechtliche Gleichsetzung Staat = Land = Volk ist so gesehen eine moderne Herrschaftsformel. Kulturell betrachtet hat sich hierbei der Volksbegriff über die Etikettierung als Nation zu einem Identitätsparadigma erhoben.

Das war nicht immer so. Das klassische Gegenparadigma liefert hierzu das jüdische Volk. Jahrhundertelang hat die jüdische Kultur, seitdem ihr Herrschaftsbereich durch die Eroberung von Jerusalem im Jahr 70 n. Chr. ausgelöscht worden war und die Anhänger des jüdischen Glaubens in alle Winde des römischen Weltreiches deportiert...

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