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Antinomien der Globalisierung

Über die Gleichzeitigkeit des Ungleichen

Peter Nitschke

Die Globalisierung verläuft keineswegs linear und wird deshalb von vielen Menschen als Bedrohung empfunden. Mit dem Fokus auf sieben Schwerpunktthemen wird die Widersprüchlichkeit und Komplexität der Globalisierung in ihren geopolitischen Erscheinungsformen vorgestellt und analysiert. Es geht dabei um die Frage nach der richtigen Relation zwischen Arm und Reich, dem Ausmaß der Digitalisierung, den kulturellen Konfliktlinien, der internationalen Migration, den Anfeindungen für demokratische Gesellschaften sowie den Entsicherungen in Form von neuen Kriegen und Terror.

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V. Die Demokratie und ihre Feinde

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Eine merkwürdige Ambivalenz weist die Globalisierung in Bezug auf das Verhältnis von Individualität und kollektiver Existenz auf. Hier ist das Erscheinungsbild sogar ausgesprochen paradox: Auf der einen Seite ist der Individualismus noch nie so signifikant und geltungsstark aufgetreten wie heutzutage, auch wenn seit dem 19. Jahrhundert die Klage über einen zunehmenden Individualismus zum Grundtenor des Projekts der Modernisierung von Gesellschaften gehörte. Individualistische Lebensweisen können sich dank der Konsumbedingungen und technischen Möglichkeiten heutzutage derart ausgestalten lassen, dass es mitunter geradezu autistisch anmutet. Auf der anderen Seite gewinnt die Zuordnung des Individuellen an eine soziale, gesamtgesellschaftliche Identität sowohl politisch wie auch kulturell eine wiederum gesteigerte Bedeutung. Die Globalisierung liefert hierfür allein schon von der Produktions- und Konsumentenseite her die Grundstruktur: Was der Einzelne konsumiert, ist seine Sache, ökonomisch relevant wird dieser Konsum jedoch erst durch einen gewissen Massencharakter. Ein einzelner Youtube-Nutzer wäre uninteressant, jeder Einzelne ist es auch für sich alleine betrachtet. Aber in der Summe, d.h. als Masse, wird aus dem individuellen Nutzungsverhalten ein strukturierter Vorgang, der enorme ökonomische, soziale wie politische Folgen haben kann.

Die Frage nach der Relation von Individuum und Gruppe ist bekanntlich eine Grundsatzfrage für jede Politische Theorie wie auch für die Ökonomie. Insofern ist sie nicht neu, sondern so alt wie sich die Politische Theorie selbst bzw. die Politische Philosophie seit der Antike darstellt. Durch die Globalisierung jedoch wird aus der bisherigen Beschäftigung mit dieser Relationsfrage spätestens eine universale Programmatik....

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