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Philosophie der Lebensbejahung

Die platonischen Kardinaltugenden als Grundstruktur seelisch gesunder und spiritueller Selbstverwirklichung

Hans-Arved Willberg

Weil manche Philosophen des 19. Jahrhunderts das Wort „Tugend“ mit Moralismus gleichsetzten und sich die Bedeutung Platons für die Praktische Philosophie erst allmählich erschloss, geriet das platonische System der Kardinaltugenden im 20. Jahrhundert aus dem Blick. Die empirische „Positive Psychologie“ hat sie als Grundstruktur der seelischen Gesundheit wieder entdeckt. Dieses Buch gibt dem empirischen Befund die philosophische Begründung: Die Kardinaltugenden stellen nichts anderes als den logischen Vollzug gelingenden menschlichen Lebens dar, das vernunftbestimmt, selbstbestimmt und auf spirituelle Ideale ausgerichtet ist.

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Vorwort

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Dies ist der Versuch einer philosophischen Bestimmung seelischer Gesundheit und einer seelisch gesunden Bestimmung von Philosophie. Erstere erfolgt durch die von Platon ausgehende philosophische Begründung des Systems der Kardinaltugenden. Letztere erfolgt, ebenfalls von Platon ausgehend, durch die Begründung der ontologischen Gleichsetzung von Vernunft und Lebensbejahung als der epistemologischen Voraussetzung des Systems der Kardinaltugenden.

Seit ich Josef Piepers aktualisierende Auslegung der Kardinaltugenden2 gelesen und seit ich wahrgenommen hatte, dass der Forscherkreis um Martin E.P. Seligman, Kern und treibende Kraft der in den letzten Jahrzehnten stark boomenden so genannten Positiven Psychologie, ziemlich genau dasselbe als Ergebnis einer groß angelegten Bestandsaufnahme der interkulturell nachweisbaren Hauptfaktoren seelischer Gesundheit präsentierte,3 wuchs mein Interesse an den Kardinaltugenden und ich begann, mich zunehmend damit zu beschäftigen. Als erstes Zwischenprodukt ging ein kleiner von Piepers „Über die Tugenden“ inspirierter Ratgeber daraus hervor.4 Seither bemühte ich mich darum, das erstaunliche Phänomen dieser Kongruenz des Jahrtausende alten philosophischen Modells der Hauptfaktoren seelischer Gesundheit mit dem zeitgenössischen empirisch psychologischen Modell derselben zu ergründen. Diese Arbeit ist das Resultat daraus.

Seligman et al. geht es um die Frage der seelischen Gesundheit aus der Perspektive empirischer Psychologie. Platon geht es ebenfalls um die Frage der seelischen Gesundheit, aber er geht sie aus der philosophischen Perspektive an. Das Ergebnis, nämlich das „Viergespann“ der Kardinaltugenden, gewann eine außerordentlich große Überzeugungskraft, die es, wie zuletzt Piepers Arbeit zeigte, bis in die Moderne hinein immer wieder erneuern konnte. Was...

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