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Philosophie der Lebensbejahung

Die platonischen Kardinaltugenden als Grundstruktur seelisch gesunder und spiritueller Selbstverwirklichung

Hans-Arved Willberg

Weil manche Philosophen des 19. Jahrhunderts das Wort „Tugend“ mit Moralismus gleichsetzten und sich die Bedeutung Platons für die Praktische Philosophie erst allmählich erschloss, geriet das platonische System der Kardinaltugenden im 20. Jahrhundert aus dem Blick. Die empirische „Positive Psychologie“ hat sie als Grundstruktur der seelischen Gesundheit wieder entdeckt. Dieses Buch gibt dem empirischen Befund die philosophische Begründung: Die Kardinaltugenden stellen nichts anderes als den logischen Vollzug gelingenden menschlichen Lebens dar, das vernunftbestimmt, selbstbestimmt und auf spirituelle Ideale ausgerichtet ist.

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1. Einleitung

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1.Einleitung

1.1.Normative Anthropologie

1.1.1.Demokratie und Bildung

Wir sind es gewohnt, in einer Demokratie zu leben, Gott sei Dank. Aber sie ist jünger und fragiler als es scheint. Wir halten es für selbstverständlich, Demokratie als die Staatsform zu betrachten, in der allein sich ein bürgerliches Miteinander und Füreinander in freier Entfaltung, Gleichberechtigung und Wahrung der Menschenwürde verwirklichen lässt. Aber dass diese Ansicht Allgemeingültigkeit besitzt, ist ziemlich neu, und sie ist seit jeher dem starken Widerstand derer ausgesetzt, die meinen, das sei utopisch und entspräche gar nicht der Natur des Menschen. Die Sehnsucht nach dem starken Führer ist auch in Deutschland nicht mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs verloschen,10 sie schwelt beständig weiter und lässt sich, wie man sieht, ziemlich leicht erneut entfachen.

Demokratie ist Herrschaft des Volkes. Eine starke und authentische Demokratie benötigt mündige Bürgerinnen und Bürger. Mehrheitsverhältnisse, die nicht aus den Entscheidungen verantwortungsbewusster mündiger Menschen hervorgehen, kommen zwar mithilfe demokratischer Instrumente zustande, aber sie zielen nicht auf jene Inhalte und Werte der bürgerlichen Gemeinschaft, sondern dienen beliebig fluktuierenden Interessen, die nicht selten das freiheitliche Fundament der Demokratie selbst untergraben. Menschliche Freiheit als Grund und Perspektive gelingender Demokratie ist nicht Beliebigkeit, sondern Verantwortung, und Verantwortung kann nur übernehmen, wer weiß, wofür er verantwortlich ist. Dieses Wissen heißt Bildung.11

Demokratie ist nur dort die beste Staatsform, wo der Bürgerschaft...

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